Strompreis-Erhöhung: Kunde rechnet Rewag-Chef massive Einsparung bei Anbieterwechsel vor

Die Energiekrise ist überstanden. Für Regensburg gilt das mit Abstrichen. „Die Krise trifft uns zeitversetzt“, sagt der Rewag-Vorstandsvorsitzende Robert Greb mit Blick auf die anstehende Strompreis-Erhöhung.
Die Brücke-Fraktion hatte Greb und seine Vorstandskollegin Sandra Wimmer zu einer Informationsveranstaltungen am Montag ins Vereinseinheim des VfB Regensburg eingeladen. Die erste Wortmeldung machte deutlich, was den Leuten unter den Nägeln brannte: die Strompreiserhöhung zum 1. April.
Er habe kürzlich einen Brief bekommen, sagte ein Mann zu Greb. Vielleicht gehe es um einen Bonus, habe er sich gedacht – schließlich sei er seit 40 Jahren Rewag-Kunde. „Als ich den Brief aufgemacht hatte, musste ich mich erst mal setzen“, berichtet der Mann. Statt von Bonus las er von Preiserhöhung. 2000 Euro – es geht um mehrere Häuser – würde er bei bei einem Anbieterwechsel sparen, sagte er.
Rewag: Strompreise steigen um 14 Prozent
Mitte Februar hatte die Rewag mitgeteilt, die Preise in der Grundversorgung um rund 14 Prozent zu erhöhen. Die Gründe waren in dem Brief nachzulesen, von dem der Mann wohl sprach: „Der massive Anstieg der Netzentgelte, angepasste Steuern, Umlagen und Abgaben sowie leichte Kostenveränderungen in der Beschaffung und dem Vertrieb führen insgesamt zu einer Erhöhung der Stromkosten“, erklärte die Rewag ihren Stromkunden.
Greb erklärte, dass insbesondere die Netzentgelte – geplante Entlastungen fielen den Sparmaßnahmen der Bundesregierung zum Opfer – die Rewag zu diesem Schritt gezwungen hätten. Die knapp einstündige Diskussion, die mit der ersten Wortmeldung entbrannte, drehte sich allerdings zum größten Teil um das, was im Brief als „leichte Kostenveränderungen in der Beschaffung“ angeführt war: die Einkaufspolitik, wegen der Grebs Vorgänger Torsten Briegel fast auf den Tag genau vor zwei Jahren den Hut nehmen musste. Netzentgelte kamen nicht mehr zur Sprache.
Rewag erhöht Strompreise: Diskussion um Einkaufspolitik
„Unsere Einkaufsphase lag genau in dieser Hochpreisphase“, erklärte Greb und zielte mit seinem Laserpointer auf eine Grafik, die die Ausschläge der Strom- und Gaspreise seit dem Ukraine-Krieg „eindrücklich“ zeigte. Vorstandsmitglied Wimmer ergänzte: „Wir haben gewisse Vorgaben in unserem Einkaufshandbuch.“ Da sei der Einkaufszeitraum für die Folgejahre definiert. „Die Kollegen hatten nicht die Flexibilität, auf bessere Preise zu warten.“ Hätten sie nicht gekauft, hätten sie gegen interne Regeln verstoßen, sagte Wimmer.
Der Aufsichtsrat hatte Briegels Kündigung 2022 damit begründet, er habe zu den Zeiten, in denen es noch günstig Energie gegeben hätte, nicht genügend eingekauft. Ein Rechtsstreit zu Briegels Kündigung ist noch offen. Terminiert ist der Prozess, der vor dem Oberlandesgericht Nürnberg stattfindet, nicht.
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Für 2023 erwartet die Rewag einen Gewinn von 31,2 Millionen Euro. Man habe davon profitiert, dass Stromdiscounter während der Krise Kunden abgestoßen hätten, erklärte Greb. Zudem habe man mit vielen Geschäftskunden Verträge mit hohen Risikoaufschlägen abgeschlossen. „2024 verdienen wir am Strom gar nichts mehr“, sagte Greb. Der erwartete Jahresüberschuss für dieses Jahr: zehn Millionen Euro. „Ein Jahr gewinnt man, ein Jahr verliert man“, sagte er.
Die Einkaufspolitik sei ein Punkt, den der Vorstand laut Wimmer nun angehen wolle – „die Strom- und Gasbeschaffung auf neue Beine stellen, auf flexiblere Beine“.
Regensburg: Rewag stellt für 2025 sinkende Strompreise in Aussicht
„Was unternehmen Sie, damit ihnen die Kunden nicht davonlaufen?“, fragte einer der Anwesenden. Der Mann verwies darauf, dass die Preise der Rewag für Strom und Gas bei Vergleichsportalen um bis zu 20 Prozent höher lägen als bei anderen Anbietern. Die Beschaffungszeiträume von anderen Energieanbietern seien teils bis zu vier Jahre lang, erklärte Wimmer. „Die haben vielleicht aus 2020 noch günstige Mengen, die sie jetzt verkaufen“, sagte sie. Greb verwies auf die zweite Seite der Medaille: „Wir kommen schneller wieder raus aus dem Problem als andere.“ Für 2025 stellte er Preissenkungen in Aussicht. „Ich weiß, das hilft Ihnen jetzt nichts. Die Situation ist, wie sie ist. Es ist ein wirklich schwieriges Jahr für uns.“
Den beiden Männern, die sich wegen der Preiserhöhung zu Wort gemeldet hatten, bot Greb Folgegespräche an. „Ich kann Ihnen meine Nummer geben. Rufen Sie mich an“, sagte er. Trotz Krisenjahr wolle man die Kunden halten. Es lohne sich immer, noch mal nachzufragen, riet Greb. „Wir haben noch was in der Schublade.“