Cham halt grad nimmer zam: Kathi Berg will beliebte Facebook-Gruppe neu ausrichten

Von Tanja Fenzl · 4. März 2024 um 19:00

Im Lockdown während der Corona-Zeit war sie für viele Chamer einer der wenigen Verbindungsanker zur Außenwelt: Die Seite „Cham halt zam“ auf Facebook. Und auch in den letzten zwei Jahren noch wurde die Plattform rege genutzt – zunehmend allerdings immer mehr für Werbung und die Ankündigung von Aktionen. Seit Anfang Januar ist die Seite geschlossen. Sie soll „neu ausgerichtet“ werden.

Die Facebook-Gruppe ist eine der regionalen Communitys mit den meisten Mitgliedern. 6680 Personen waren der Gruppe seit der Gründung 2020 beigetreten. Seit 6. Januar finden sie die Seite auf pausiert geschaltet. Ursprünglich nur für drei bis vier Tage geplant, dauert diese Phase nun bereits zwei Monate an. Kathi Berg, die „Cham halt zam“ zusammen mit ihrem Mann eingerichtet hatte, begründet das so „Wir Administratoren hatten am Ende jeden Tag mindestens eine Stunde Zeitaufwand, um die Kommentare unter den einzelnen Beiträgen zu durchsuchen.“

Beleidigungen herausfiltern

Zu viele unangemessene und unangebrachte Äußerungen von Mitgliedern waren unter den Posts zu finden. „Dazu muss man wissen, dass man als Administrator auch in einem gewissen Maß haftbar gemacht werden kann für Kommentare auf unserer Seite.“ Beleidigungen oder Drohungen müssen deshalb herausgefiltert werden. „Bei manchen Themen dreht einfach jeder am Radl“, sagt die Eventmanagerin. Was schon bei bestimmten Themen während der Corona-Pandemie (Stichwort: Impfgegner/Aluhut-Diskussion/Verschwörungstheorien) schwierig war, wurde im Dezember mit den Traktor-Sternfahrten erneut zu einem Problem.

„Die Leute sollen sich selber untereinander streiten, und nicht auf unseren Facebook-Seiten“, meint Berg. Immer wieder seien Verschwörungstheorien auf „Cham halt zam“ verbreitet worden, Diskussionen zwischen Mitgliedern ausgeartet. „Und wenn du dann Kommentare löschst oder jemandem schreibst, dass er die Gruppenregeln befolgen soll, dann wirst du privat beschimpft. Die Leute suchen auch manchmal einfach danach, dich oder etwas falsch zu verstehen“, ist Berg genervt.

Plattform für Veranstaltungen

„Dabei wollen wir die Seite schon irgendwie weiterführen, es wäre ja auch schade um die vielen Mitglieder. Aber wir wollen uns dafür einen anderen Zweck überlegen.“ Am Ende seien neben politischen Aktionen vermehrt Werbeposts auf der Seite zu finden gewesen. „Wir dachten uns, das ist okay, wenn wir als einzige regionale Seite auch gewerbliche Werbung zulassen, interessiert die Leute ja trotzdem.“ Doch viele hätten einfach so oft dieselben Dinge gepostet, „obwohl wir manchen hundertmal geschrieben haben, maximal zwei Posts in der Woche.“ Die Idee für die Zukunft: „Wir würden gerne eine Plattform für Veranstaltungen bieten. Vielleicht dazu mit der Tourist-Info und Veranstaltern in der Region zusammenarbeiten.“ Das Ziel: „Jeder soll da auf die Seite schauen können und sehen, was in der nächsten Woche in der Region los ist.“

Der Anfang: ganz anders

Irgendwie wäre das wieder ein Service für die Region, nur etwas anders, als er ursprünglich geplant war. „Während des ersten Lockdowns haben Ralf und ich uns überlegt, wie was man machen könne, es hatten ja so viele Zukunftsängste, und gerade ältere Leute trauten sich kaum aus dem Haus. Die Seite war geplant, um zum Beispiel Einkaufshilfen oder Kinderbetreuung zu vermitteln“, erinnert Berg an die Anfänge von „Cham halt zam“. Berg und Pocan setzten sich spontan hin und erstellten die Seite, schrieben dann ihre eigenen Freundeslisten an, „das waren vielleicht so 100, 200 Leute.“ Nachmittags hätten sie dann im Garten gewerkelt, bis ein Freund am Zaun stehengeblieben sei und gesagt habe: „Da habt’s was angefangen. In der Gruppe geht’s voll ab.“

Innerhalb weniger Stunden waren schon 2000 Leute in der Gruppe. „Schnell war dann auch klar, dass man das nicht komplett offen lassen kann, sondern moderieren muss.“ Später habe sich dann der Fokus auch in Richtung gewerblicher Anbieter entwickelt, die beispielsweise Speisen zum Abholen anboten.

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In den nächsten Wochen will Berg die Seite „Cham halt zam“ mit neuem Konzept wieder öffnen, „vielleicht auch umbenennen“, sagt sie, und weitere Moderatoren mit aufnehmen. Klar ist. „Ich will nicht mehr meinen Kopf hinhalten für die Meinung anderer.“ Aufgeben will sie die Seite aber auch nicht endgültig, „obwohl wir das wirklich eine Zeit lang ernsthaft überlegt haben“.

Cham halt künftig also vielleicht wieder zam – nur anders.

Haftungsfrage

Administrator: Die Rolle des Managers ist auf Facebook sowohl durch Rechte als auch Pflichten gekennzeichnet: Der Admin ist auch verantwortlich, dass keine Verletzungen von Persönlichkeits-, Urheber- und Markenrechten stattfinden. Auch andere „Äußerungsdelikte“ sind zu verantworten, wenn diese auf einer Gruppenseite getätigt werden. Diskussionen in sozialen Medien laufen immer wieder aus dem Ruder. Die Verbreitung von Propaganda, Hetzkampagnen und diskriminierende Äußerungen sind aber problematisch. Grundsätzlich gilt, dass der Admin mithaftet, wenn es zu Rechtsverletzungen kommt. Wenn „wild“ kommentiert werden darf, muss jeder Admin die Inhalte im Auge behalten. Alles, was Rechte verletzt, beleidigend oder nachweislich falsch ist, muss sofort gelöscht werden. Fehlbare Mitglieder sind aus der Gruppe zu entfernen, Shitstorms sind zu unterbinden.

Die Seite „Cham halt zam“ wurde Anfang Januar pausiert. Foto: Fenzl