Heinz Winklmüller aus Furth im Wald ist ein Tausendsassa auf, hinter und neben der Bühne

Stadtrat und Kulturreferent, Inspizient beim Drachenstich, Regisseur und Bühnenschauspieler, Vereinsmensch, Kunstfreund und Stadtführer, gut, dass der 66-Jährige schon pensioniert ist. Zeit für Arbeit hätte Heinz Winklmüller bei dem Programm sicher nicht.
Fangen wir mal damit an: Heuer könnte im Herbst eine Ehrung anstehen: Heinz Winklmüller ist seit 50 Jahren beim Drachenstich aktiv. Als echtes Kind der Stadt kommt man um das Festspiel und alles was damit zu tun hat, halt nicht herum.
Liebhaber und Chamerauer
Den Koloman hat er gespielt, den Wirt oder einen Sattelbogener-Soldat. Die große Bühnenzeit beim Festspiel hatte er von 2006 bis 2016: „Elf Mal habe ich den Chamerauer gespielt. Jedes Jahr habe ich versucht die Ritterin zu betören.“ Dann hat er es aufgegeben und die Rolle in andere Hände gegeben. Damit war er aber längst nicht aus der Drachenfamilie entlassen: 2017 hat er die Rolle des Inspizienten übernommen und ist der Aufgabe bis heute treugeblieben. Er sorgt dafür, dass die Requisiten da sind, Ablauf und Einsätze stimmen und vieles mehr. Wenn man so will ist Winklmüller der Strippenzieher im Hintergrund. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender des Drachenstichvereins.
Dadurch ist er automatisch auch in die Organisation des Festspiels eingebunden. Was fasziniert ihn so an Furth im Walds fünfter Jahreszeit? „Es ist die Gemeinschaft in der Stadt, Furth lebt den Drachenstich, egal ob als Teilnehmer oder Zuseher.“ Es freut ihn zudem, dass man hinter der Bühne Leute wieder trifft, die man das ganze Jahr nicht sieht. Und er findet, es ist ein großartiges Gefühl, wenn alle nach den Aufführungen sagen können: „Wir haben es geschafft.“
Die Liebe zur Bühne hat er schon in jungen Jahren entdeckt, bereits in der Schule ein wenig probiert. So richtig los ging es dann am damaligen Kolping-Theater. „Damals konnte ich noch den jugendlichen Liebhaber und ähnliche Rollen spielen“, lacht Winklmüller, dessen Leidenschaft stetig wuchs. „Irgendwann habe ich auch Schauspielkurse an Wochenenden besucht.“
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Lange Jahre war er neben Engagements in Furth auch auf der Burg Lichtenegg in Rimbach tätig. Erst wurde dort nur Historisches gezeigt. Später brachte man auch Mühlhiasl oder den Räuber Heigl zur Aufführung. Gerne denkt er an die Zeit zurück, vor allem auch, weil da immer seine Kinder dabei waren. „Mein Sohn stand schon mit zwei Jahren auf der Bühne.“ Geendet hat das Rimbacher Gastspiel erst, als nach Änderungen die Termine mit dem Drachenstich kollidierten.
Start mit der Herbergssuche
2016 haben der Further Kulturreferent und einige Mitstreiter den Theaterverein Further Allerlei gegründet. Start des Vereins war die Aufführung der bis heute beliebten Herbergssuche am Schloss Voithenberg. Die wurde schon ab 2013 erfolgreich gezeigt und aus organisatorischen Gründen dann in den Verein gebettet. Es folgten Hinterhoftheater und Krimidinner, Zwei-Mann-Groteske sowie ein Auftritt in einem ehemaligen Kaufhaus, bei dem die Einrichtungsgegenstände ins Spiel einbezogen wurden. „Wir haben unsere Stücke nie auf eine möglichst hohe Zuschauerzahl ausgelegt, wir wollen inmitten der Leute spielen“, beschreibt Winklmüller. Auch Kultur am Turm mit sich abwechselnden Sketchen und Musikstücken hat das Theaterallerlei schon präsentiert. „Wir versuchen einfach nicht nur in eine Richtung zu gehen.“ Die historischen Stadtführungen, an denen er natürlich selbst beteiligt ist, hat er maßgeblich mit ins Leben gerufen. Da ist es schon fast verwunderlich, dass er verneint, wenn man ihn fragt, ob er auch die Theaterstücke selbst schreibt. „Ich lese viele Stücke und wähle dann aus.“ Nach so vielen Auftritten, kennt man da eigentlich noch so etwas, wie Lampenfieber? In Panik gerät er zwar nicht, „aber eine gewisse Aufregung ist wichtig, damit ich mich in die Rolle hineinversetzten kann.“
Als Kulturmensch, der gerne andere Kulturangebote nutzt, und als Stadtrat, der die geplante Parkarena mitzuverantworten hat, sagt er natürlich auch zu diesem Zukunftsprojekt etwas: „Ich finde das sehr spannend und hoffe, dass sie multifunktional wird und dort nicht nur der Drachen präsentiert wird.“ Auch in seiner Rolle als Kulturreferent fühlt er sich wohl. Er freut sich über die Vielseitigkeit in seiner Heimatstadt. „Kultur ist keine Pflichtaufgabe, trotzdem passiert viel bei uns. Häufig ist es von Außen nicht immer sichtbar , aber seitens der Stadt versuchen wir jeden Verein zu unterstützen. Aus unserem bescheidenen finanziellen Budget wird viel gemacht.“

