Aus dem Radlcafé Arnschwang wurde eine Kunsthochburg – 40 Ausstellungen in acht Jahren

Das Radlcafé in Arnschwang. Hinter dem Namen würden Menschen, die es nicht kennen, niemals vermuten, wozu es sich in den letzten Jahren entwickelt hat: Einem Hotspot für Maler und deren Kunst.
Gerade sind mit Marion Steger und Josef Himmelstoß zwei Mitarbeiter der Behindertenwerkstätten Cham vor Ort und hängen Bilder ab, die dort in den vergangenen Wochen ausgestellt waren. Maler mit Handicap hatten diese angefertigt. Hans Hruschka, Vorsitzender des Fördervereins Fahrradmuseum Arnschwang, blickt auf die weißen Wände und rümpft die Nase: „Das hasse ich am meisten, wenn die Wände leer sind, keine Bilder daran hängen.“ Lange muss er diesen Zustand nicht ertragen, schon am Samstag, 17. Februar folgt die nächste Ausstellungseröffnung.
Rund 40 Ausstellungen
Das geht nun seit acht Jahren so. „Im Mai haben wir damals eröffnet.“ Wir, das sind er und vier weitere Mitarbeiter. Das Radlcafé, die Galerie im ersten Stock und das anschließende Radmuseum stehen unter seiner Leitung. Er ist also Museumsdirektor, Gastronom und Kurator in einer Person. Ehrenamtlich, versteht sich. „Manchmal“, gibt er zu, „bin ich mit der ganzen Sache schon etwas überfordert.“ 20 bis 30 Stunden in der Woche fordert ihn sein Herzensprojekt. „Aber ich muss ja auch noch einen Brotjob machen, zumindest so lange, bis ich in Rente gehen kann.“
Immer mehr an Bedeutung hat in den zurückliegenden Jahren die Kunst gewonnen. Sechs bis acht Ausstellungen finden im ersten Stock jährlich statt. „Nur in den Coronajahren war es natürlich weniger.“ Eine große Galerie mit vier bestückbaren Wänden wartet dort darauf, mit Kunst bestückt zu werden. „Ich habe extra ein Lichtkonzept erstellen lassen, damit die Kunstwerke gut zur Geltung kommen.“ Außerdem hat er von den Ausstellern schon häufiger gehört, dass man von jeder Stelle im Raum die Galerie überblicken, alle Bilder sehen kann. Nichts wird durch Stellwände verdeckt. Rund 40 regional namhafte und auch weniger namhafte Künstler haben ihre Werke schon in Arnschwang ausgestellt. Und sie kommen alle gerne ins Radlcafé, auch weil das mit keinerlei Kosten verbunden ist. „Wir haben für das Projekt so viel Förderung aus europäischen Töpfen bekommen, dass wir beschlossen haben, beim Verkauf der Bilder nichts zu verlangen, sagt Hruschka.“ Die allermeisten Künstler geben trotzdem eine Spende, entweder sie schenken ihm ein Bild oder sie lassen einen Geldbetrag da.
Vier bis sechs Wochen hängen die Bilder in der Regel, dann ist wieder Wechsel. Auch in diesem Jahr sind bereits drei weitere Ausstellungen geplant. Was die Kunst-Galerie, die zu den eifrigsten in der ganzen Region gehört, so besonders macht, weiß der Rundinger Maler und Karikaturist Fritz Maier. Er hat laut Hruschka vor einiger Zeit die spektakulärste Ausstellung in Arnschwang hingelegt. Seine 80 präsentierten Bilder wurden alle verkauft, so dass er sich noch einmal in sein Atelier zurückziehen und nachproduzieren musste. Insgesamt mehr als 130 Bilder wechselten den Besitzer. Maier, der auch die Toilettenwände des Cafés mit seiner Kunst verziert hat, sagt: „Es ist zum einen die zentrale Lage im Ort, die den Reiz ausmacht. Egal ob Jung oder Alt, das Café wird von jedem besucht.“ Die einen kämen ganz gezielt, um die Ausstellung zu besuchen, die anderen wollten vielleicht nur einen Kaffee trinken und kämen so mit der Kunst in Berührung. „Es ist die ungezwungene Atmosphäre, die die Galerie im Radlcafé so besonders macht“, findet Maier. Auswählen tut Hruschka nur bedingt. Wenn ein Künstler anfragt, schaut er sich im Vorfeld meist Fotos an. „Abgelehnt habe ich bisher noch niemanden.“Auch der landläufigen Meinung, Künstler seien manchmal schwierig, kann er nicht zustimmen. „Alles nette Leute und sehr umgänglich.“
Um noch einmal zum Anfang zurückzukehren, gerade haben Steger und Himmelstoß das letzte Bild ins Auto geräumt und präsentieren dann noch ihre Wanderkarten.
Wanderkarte auf Weltreise
Gehandicapte Bewohner der Wolfgang-Spießl-Wohnstätten in Cham haben diese kleinen, kunstvoll gestalteten Karten angefertigt. Gegen eine freiwillige Spende kann man diese mitnehmen und an anderen Orten platzieren. Wer eine Karte findet, darf das auf der Social Media-Plattform facebook unter „Wanderkarten aus der Oberpfalz“ veröffentlichen und das Kärtchen weitertragen. Deutschland, Niederlande oder auch die USA, überall wurden die laminierten Karten mit ihren Mut machenden Sprüchen schon gesichtet. „Auch eine Kunstform, die ich gerne unterstütze“, sagt Hruschka.
Vernissage
Die Künstlerin Malinda Dee McDonald stellt ab Samstag, 17. Februar (Vernissage ab 17 Uhr), bis zum 30. März im Radlcafé Arnschwang ihre Bilder aus. „Meine Bild- und Objektwelt ist vor allem bunt“, sagt sie (wir berichteten). Installationen, bemalte Stühle, Bilder, die sich verändern, wenn man die Position davor ändert, die Palette ist breit gestreut. McDonald malt hauptsächlich mit Acrylfarben.
