Wenn Papa und Sohn musikalisch die Sau raus lassen: „Bottom Of This“ lässt aufhorchen

Einfach mal einer Sache auf den Grund gehen, zu ihrem Kern vordringen. Was das musikalisch bedeutet, davon bekommt man einen Eindruck, wenn man sich mit Ernst „Zamp“ Jomrich, Chris und Johannes Kuttler über Musik im Allgemeinen, das Musikbusiness in Streaming-Zeiten, die Band „Bottom Of This“ und „Papas iPod-Playlist“ im Speziellen unterhält. Und wenn man ihre Musik hört.
Das Trio aus Abensberg ist die Keimzelle der fünfköpfigen Band „Bottom Of This“. Ihr Credo: Purer, fetter, anspruchsvoller Sound abseits des Mainstream. „Wir wollen nur das spielen, was uns Spaß macht“, sagt Zamp. „Und es muss perfekt sein“, fügt Chris Kuttler an. Beide sind seit Jahrzehnten im Rockbusiness, nun gehen sie dem Bluesrock auf den Grund, orientieren sich an den Grundlagen, die beispielsweise ein Stevie Ray Vaughan oder Gary Moore geschaffen haben. Dazu hat Sie aber der „Youngster“ in der Band, Johannes (25), der Sohn von Chris Kuttler ermuntert. Der Bandname„Bottom Of This“ ist also auch Programm.
Wie das klingt, ist am Freitag zu hören. Mittlerweile hat die Band ihr erstes Album „Hold on“ fertig und präsentiert es - wie es sich für Abensberger Musiker gehört - natürlich im Center.
Hier, auf der Bühne des legendären Clubs, liegen mehr oder weniger auch die Wurzeln der Band. Angefangen hatte alles vor Jahren im Probekeller, wo Chris Kuttler, landauf landab bekannt als Gitarrist von Luis Trinker‘s Höhenrausch mit seinem Sohn – damals im Teenager-Alter – probte. Chris Kuttler wechselte zum Bass, dazu gesellte sich Ernst Jomrich, damals Schlagzeuger bei den Regensburger „Stones“, der Band „The Mystic Eyes“.
Als das Trio dann in deren Vorprogramm auftrat − eben im Center – , stieß Markus Schiegl (Gitarre) dazu. Dann kam noch Mirko Laimer (Gesang) zur Band – „Bottom Of This" war geboren. Nach einem Jahr wirklich hartem Arbeitens im Proberaum geht es seit April 2018 auf die Bühnen der Republik - schon im ersten Jahr war die Band im Line-Up beim „Tollwood“ in München.
Inspiriert von Papas Playlist
Und dann war da noch die Sache mit Papas iPod. Wer in das Album „Hold on“ - neun Eigenkompositionen - reinhört, kann erahnen, welche Töne Johannes Kuttler einst in Papas Playlist vernommen hat. „Voll fette Gitarren“, sagt Jo Kuttler.
Das Bild seines Idols - des 1990 bei bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenden Bluesrocker Stevie Ray Vaughn - trägt Johannes Kuttler auf dem Herzen - als Print auf dem dunkelblauen T-Shirt, „Bottom Of This“-Mitglied Markus Schiegl , der 2001 mit einer Band Support von AC/DC war, bezeichnet er als „Mentor“, der ihn unter seine Fittiche genommen und in die Feinheiten des Gitarrespielen eingeführt hat.
Anklänge an Lynyrd Skynyrd und Stevie Ray Vaughan
Bei der ersten Nummer auf „Head-On“, ist entfernt Lynyrd Skynyrds „Saturday Night Special“ von 1975 zu erahnen, bei anderen die Allmann Brothers, Stevie Ray Vaughan, Gary Moore und John Mayer.
Mittlerweile lebt Jo Kuttler nach einem Studium an der BIMM-University als Profimusiker in Berlin. Da wird er dann schon mal angerufen, um am Soundtrack einer Netflix-Doku über Gianna Nannini mitzuarbeiten oder Gitarre bei der ehemaligen Voice of Switzerland-Gewinnerin Nicole Bernegger einzuspielen.
Das Erlebnis mit Papas iPod war, wie man merkt , nachhaltig. Steely Dan, Jimi Hendrix, Roger Cicero und Peter Fox knallten ihm ins Ohr. Da war ihm klar, wie es weitergeht. Kurz zuvor hatte Johannes Kuttler nach einer eher freudlosen klassischen Ausbildung schon überlegt, die Gitarre an den Nagel zu hängen.
Die Corona-Zeit nutzte die Band, eigene Songs zu schreiben, einzuspielen, ein Album mit eigenen Nummer zu produzieren. Das ist mittlerweile auf sämtlichen Streaming-Portalen verfügbar.
So funktioniert das mit Spotify
Ohne Spotify, Deezer, Apple Musik und wie die Portale alle heißen, geht in der Musik-Industrie heute nichts mehr. Junge Profis wie Jo Kuttler, der in Berlin auch als Produzent tätig ist, wissen damit umzugehen. In Zeiten, in denen die CD fast schon wieder verschwunden, die Vinyl-Platte zurückgekehrt ist, sind die Streaming-Portale eine große Chance. Eine Chance, dank der Algorithmen in einem Angebot von über 100 Millionen Titel und mehr (beispielsweise bei Spotify im September 2023) gefunden zu werden. Zudem müsse man als Musiker nicht in Vorleistung gehen, wie beispielsweise bei der Produktion einer eigenen CD oder LP. Andererseits: „Um 4000 Euro zu verdienen brauchst du bei Spotify mehr als eine Million Streams“, nennt Jo Kuttler eine Hausnummer.
Der Sound kommt auch bei Jüngeren an
Die Band ist für Jo Kuttler, der auch viel Zeit am Rechner und im Studio verbringt, zunächst aber auch ein Ausgleich für die Arbeit als Produzent . „Einfach mal die Sau rauslassen“, sagt er. Und was ihn dann umso mehr freut, ist es, wenn, wie beim Altstadtfest 2023 in Regensburg, auch junge Leute in seiner Altersgruppe, die eigentlich ganz andere Musik hören, vor der Bühne stehen bleiben und von dem „voll fetten und virtuosen Gitarrensound“ begeistert sind.
Insofern stehen die Zeichen gut, dass die Release-Party am Freitag eine generationenübergreifende Party wird, wenn Vater und Sohn Kuttler mit ihren Mitstreitern das Center rocken.
Espresso und Whiskey
Zum Einstieg ist ein Kontrastprogramm angekündigt. Während „Bottom Of This“ wohl eher für Whiskey steht, macht die Support-Band „MNL.Meier“ Musik, die sich wohl am Besten als vollmundiger SingerSongwriter FolkPop beschreiben lässt und laut der Band-Info klingt, „wie ein intensiver Espresso an ’nem lauen Sommerabend.“ Manuel Meier ist in der Region auch bekannt für sein Duo „Ohrange“.
Mit Manuel Meier auf der Bühne stehen der Abensberger Andy Kneitinger an der Leadgitarre, sein langjähriger Bro Sebastian Schierlinger an den Drums und Konstantin Lindner am Bass.
Die Release-Party im Center
Termin: Freitag, 8. März, Einlass: 20 Uhr, Beginn: 21 Uhr
Ort: Club Center, Stadtplatz Abensberg
Tickets: 12 Euro im Vorverkauf im PaperShop im Einkaufszentrum, 15 Euro an der Abendkasse
Musik: Das Album „Hold on“ ist auf allen Streamingplattformen verfügbar und bei der Release-Party auch als CD.
Band: www.bottomofthis.de


