Luis Trinker‘s Höhenrausch drückt für die Sommer-Tournee den Reset-Knopf

Von Manfred Forster · 10. Juni 2023 um 19:00

Zurück zu den Wurzeln und raus aus den Bierzelten. Die überregional bekannte und beliebte Band „Luis Trinker‘s Höhenrausch“ war jahrzehntelang Garant für volle Bierzelte auf Festen in ganz Ostbayern. Bei einem Besuch im Proberaum vor Beginn ihrer Sommertournee sagen sie, warum sie Bierzelte künftig meiden. Und machen deutlich, was es mit dem Wechsel ins Profilager auf sich hat, der auch mit einer Umbesetzung im Line up einhergeht.

„Wir werden wieder rauer, ursprünglicher“, sagt Peter Feichtner, „wir werden wieder so spielen, wie vor 35 Jahren, als wir angefangen haben“, ergänzt Edgar, Peters Zwillingsbruder.

Aus Abensberg ins Profilager – das war ein Hirngespinst

Die Sache mit dem Profilager - das war einst ein Hirngespinst. Das, was die direkte Vorläuferband der Trinker‘s in den 1980er Jahren, die „Männer ohne Nerven“, zwar wollten, aber nie geschafft hatten, wird jetzt doch Realität. Schön langsam.

Denn bei einer Band, die „Witz und Wahnsinn“ zum Motto hat und bei der Alphorn auf E-Gitarre und Lederhose auf Leoparden-Anzug trifft, ist vieles nicht so ganz normal. Auch die Sache mit dem Profilager. Beim Uni-Ball in Regensburg waren sie über Jahre eine feste Größe, spie spielten auf dem Regensburger Bürgerfest, auf dem Neumarkter Juravolksfest, der Gillmoos-Donnerstag war über viele Jahre ohne sie nicht vorstellbar. Sie absolvierten Auftritte in England, in Spanien, gar auf Hawaii, spielten als Vor- oder Nachband von ZZ Top, Huey Lewis, der Spider Murphy Gang und Haindling, zum Zwanzigjährigen erhielten sie als internationale Botschafter Abensbergs den Kulturpreis ihrer Heimatstadt.

Klar, musikalisch hätten Sie es drauf, die Herren Feichtner, Hinz, Kuttler, Drawenau und Mages. Das hatten sie schon immer. Die Band lässt sich in keine Schublade stecken, unkonventionell ist bei ihnen vieles. Sogar die Tatsache, dass sie eigentlich „nur“ bekannte Songs covern, diese aber neu arrangieren. Denn bei ihnen klingt keine Nummer wie das Original. Gitarre, Bass, Schlagzeug – und zwei Bläser. „Das ist unser Sound“, da ist sich das Quintett einig. Und auch darin: „Wir wollen nicht, dass das Keyboard die Bläser ersetzt. Es war im vergangenen Jahr, als sich Tastenmann Florian Stäuble verabschiedet hat. Dann drückte die Band den Reset-Knopf. Edgar Feichtner kehrte zurück. Vor acht Jahren hatte er die Band verlassen, es waren berufliche Gründe und ein Engagement in der Ringlstetter-Band.

Jetzt kehrte Edgar zurück und brachte den Zinnteller mit, den ihm die LTH-Kameraden zum Abschied geschenkt hatten. Der hängt jetzt im Proberaum, neben alten Bandfotos, Auftrittsplakaten, Zeitungsausschnitten. „Ich bin quasi der Nachfolger von meinem Nachfolger“, erklärt Edgar, „und ich war erstaunt, dass sich nichts verändert hat. Die Dynamik hat nicht nachgelassen.“ Ok. Die Bühnenshow ist ruhiger geworden – da nicken alle zustimmend. Und im Kühlschrank im Proberaum stehen jetzt auch alkoholfreies Bier und Mineralwasser. Es kursieren Gummibärchen. Doch bei der Musik machen sie keine Zugeständnisse. „Wir wollen unseren eigenen Stil bewahren. Wir lassen uns nicht von den Hitparaden unser Programm diktieren“, sagten Peter Feichtner und Chris Kuttler einmal in einem Interview mit unserer Zeitung.

Klar ist aber auch: „Nur lustig sein, das geht nicht“ Jeder beherrscht seine Instrumente, und die Lust an Live-Auftritten, am Musizieren ist auch im 37. Bandjahr ungebrochen. Viele Jahre lang war der Trinker‘s-Auftritt am Gillamoos-Donnerstag Kult.

Aber sie meiden mittlerweile die Bierzelte. Inzwischen sei die Bierzeltunterhaltung austauschbar, das Publikum wolle nur eines: in Lederhosen, die Maß in der Hand, auf den Biertisch rauf - und dann Micki Krause.

Keiner kennt die „Paula“ – das war frustrierend

Das ist nicht (mehr) die Welt der Trinker‘s. Und richtig frustriert waren sie, als sie einmal bei einem Auftritt im Bierzelt festgestellt haben: „Die Paula hat keiner mehr gekannt“. Also keine Luis Trinker‘s mehr auf dem Gillamoos? „Wir hatten Anfragen für den Gillamoos heuer“, sagt Peter Feichtner. Und man würde da durchaus spielen: „Aber eben nicht im Bierzelt“.

Apropos Lederhose: Über die Bayern-Schiene − Haindling („Paula“) , Hubert von Goisern – wollte man die Trinker‘s einst unter Vertrag nehmen. Hätte also immer noch was werden können mit der Profi-Karriere. Aber die Trinker‘s wollten nicht. Und haben es nie bereut.

Dorthin ist zumindest schon einmal Jo Kuttler, der Sohn von Chris Kuttler, gestartet, der als Komponist und Gitarrist in Berlin von seiner Musik lebt.

Nicht dass die Altvorderen ihm jetzt nacheifern würden, aber Tatsache ist auch, dass die Trinker‘s nun nach und nach im Rentenalter ankommen.

Wolfgang Hinz, mittlerweile 70 Jahre alt, hat im vergangen Jahr seine Holzhandlung geschlossen, Peter Feichtner hat im April sein Architekturbüro zugesperrt, sein Zwillingsbruder Edgar, Professor für Marketing in Regensburg, ist mittlerweile emeritiert, Chris Kuttler, Mitglied der Schulleitung am Wolnzacher Gymnasium, und der Media-Berater Bertl Drawenau haben noch das ein oder andere Berufsjahr vor sich, Kaminkehrermeister Helmut Mages, der Jüngste im Sextett, sowieso.

Für Peter Feichtner ist das alles Sache der richtigen Formulierung: „Wir sind dann keine Rentner“, grinst er, „wir sind dann Profimusiker.“

Seit März sind sie wieder regelmäßig im Proberaum. „Wir haben einen Ruf, den wollen wir natürlich verteidigen“, sagt Peter Feichtner.

Die nächsten Auftritte stehen an – am 16. Juni das Bürgerfest in Regensburg, zwei Tage später das Altstadtfest in Neumarkt, dann, Anfang Juli, Kelheim.

Und wer die Trinker‘s aus ihren Anfangsjahren kennt, wird sich dann die Augen reiben. Kann es wahr sein?

Ja, da auf der Bühne stehen Edgar und Peter, die Zwillingsbrüder Feichtner, optisch eher im Hintergrund, akustisch mit Saxophon und Posaune, Tuba und Horn, in der ersten Reihe, Chris Kuttler, „Al“ Bertl „Skinso“ Drawenau, Wolfgang „Wulf McPower“ Hinz am Bass und am Schlagzeug sitzt Helmut „I.King“ Mages. Die legendäre Ur-Besetzung. Ja, sie sind wieder zusammen!

Übrigens: Mit dem Gillamoos wird das heuer nichts, bestätigte Chris Kuttler mittlerweile. Aber die ein oder andere Überraschung soll es doch noch geben.

Das sind die Sommer-Gigs von Luis Trinker‘ Höhenrausch:

Regensburg: Freitag, 16. Juni, 20.30 Uhr, Bürgerfest Regensburg, Haidplatz

Neumarkt: Sonntag, 18. Juni, 20 Uhr, Altstadtfest Neumarkt, Rathausplatz

Kelheim: Samstag, 1. Juli, Kreisstadtfest, 19 Uhr

Blick ins Bandarchiv: Auch der Schlagerikone Heino erwiesen die Trinker‘s ihre Referenz. Foto: LTH-Archiv
Wer „Walk like an Egyptian“ singt, muss natürlich auch so aussehen - Mumie inklusive. Foto: LTH-Archiv
Gillamoos 2012: Den Bierzeltbühnen erteilen sie mittlerweile eine Absage. Foto: LTH
Historische Aufnahme: Die Luis Trinker's in den Anfangsjahren - von links Chris Kuttler, Bertl Drawenau, Wolfgang Hinz, Edgar Feichter, Peter Feichter, Helmut Mages Foto: Andrea Bögl
Den Gillamoos 2004 eröffnete Chris Kuttler in einem riesigen Luftballon. Foto: Manfred Forster