BUZ in Regensburg-Burgweinting: Stadtteilzentrum oder Spekulationsobjekt?

Investoren wollen das marode Stadtteilzentrum BUZ in Regensburg-Burgweinting trotz vieler Leerstände erweitern. Experten sind „extrem skeptisch“, dass das funktioniert.
Réka Seitz hat genug. „Mein Vertrag läuft aus und ich will nicht mehr verlängern“, sagt die 55-Jährige, die zehn Jahre im Burgweintinger BUZ war mit ihrer Änderungsschneiderei. „Wir zahlen alles und trotzdem kümmert sich keiner“, sagt sie und deutet auf den Boden vor dem Laden, wo die Farbe abblättert. Auch bei anderen Mietern ist der Ärger groß, und viele Burgweintinger kaufen lieber woanders ein. Jetzt plant der Eigentümer eine Neukonzeption. Dass es dann besser läuft, bezweifeln viele.
Als Eigentümerin des BUZ steht seit 2017 die International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Hamburg im Grundbuch. Als Entwicklerin der Neukonzeption tritt die ebenfalls in Hamburg ansässige Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaft Modulus Real Estate auf. Sie teilte vor einem Jahr der MZ mit, sie habe 2022 für einen Immobilienfonds, dessen Investoren aus England stammen, die Eigentümervertretung übernommen. Aktuell reagierte sie nicht auf eine Anfrage. Ihre Pläne sind in der Beschlussvorlage für die Sitzung des Planungsausschusses des Stadtrats am Dienstag ausführlich dargestellt.
Die Verwaltung bittet die Stadträte um ihre Zustimmung zur Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gebiet – und damit auch zur Erweiterung des BUZ. Dort, wo jetzt das Parkdeck ist, soll ein neuer, größerer Edeka entstehen, darauf oder darunter soll geparkt werden. Zudem plant Modulus im BUZ, das es „Stadtteilzentrum“ nennt, weitere Nahversorger, zum Beispiel Drogerie-, Getränke- und Biomarkt, anzusiedeln, und die „verschlossen“ wirkende Außenanlage und den Innenhof zu überarbeiten.
Stadt: Funktionsverfall droht
Die Verwaltung hält die Neukonzeption für notwendig. Es drohe ein „Funktionsverfall des Nahversorgungsstandortes“, heißt es. Verkaufsflächen und Sortimentmix seien eingeschränkt, Parkplatz- und Zugangssituation unbefriedigend, das Erscheinungsbild „in die Jahre gekommen“. Die Folge seien häufige Mieterwechsel und zunehmender Leerstand.
Das Untergeschoss dominieren Supermarkt und Discounter, es gibt Döner, Pizza, Kosmetikstudio und Friseursalon. Oben ist die Stadt mit Bücherei und Bürgerbüro größter Mieter. Dazu kommen die Apotheke und diverse Praxen. Zum Einkaufen fahren viele Burgweintinger lieber in die Bajuwarenstraße, nach Neu- oder Obertraubling, so erzählt es auch Birgit Kübler, Mitglied der Initiative „Burgweinting nachhaltig“. Sie begrüße grundsätzlich eine Erweiterung, so ließen sich Fahrten sparen. „Wenn das Angebot stimmt, kommen sicherlich mehr Menschen ins BUZ, um sich dort mit dem Wochengebrauch zu versorgen.“ Sie wünsche sich auch, dass der Bürgersaal, der aktuell nicht vermietet wird, wieder allen Burgweintingern zur Verfügung gestellt werde. Ursula Maria Hartung, die als Stadtteilkümmerin Ansprechpartnerin für Senioren ist, hält es dagegen für „Käse“, „etwas zu vergrößern, was ohnehin nur halb genutzt wird“. Ein neuer Supermarkt bediene wohl kurzfristige kommerzielle Interessen, bringe den Burgweintingern aber nicht mehr Lebensqualität. Wichtiger wäre es, das BUZ zu pflegen und instandzusetzen. „Es ist alles so lieblos und verkommen.“
Friseurin Elke Schmid, die seit der Eröffnung 2000 hier ansässig ist, beklagt, es gehe „nur noch abwärts“. Die Toiletten seien geschlossen worden, Mülleimer abgebaut, und das „für diesen Mietpreis“. Sie bezweifle, ob wirklich gebaut werde: „Ich glaube das erst, wenn der erste Bagger kommt.“
Der Architekturkreis sehe die Pläne „extrem skeptisch“, sagt Vorsitzender Andreas Eckl. Wenn ein Neubau nötig sei, was er angesichts der Leerstände anzweifle, müsse nachverdichtet werden, der Platz besser genutzt. Die Aussagen zur Neugestaltung wirkten „zu oberflächlich, zu schematisch, fast wie ein Fake“.
Experten: Fehler mit Folgen
Eine Kollegin habe die Vermutung geäußert: „Da soll wahrscheinlich eine Situation geeilt werden im Interesse des Investors.“ Eckl betont: „Der Fehler ist in der Vergangenheit passiert. Man hat ein Quartierszentrum einem privaten Investor überlassen.“ Nun solle es zu einem Nahversorgungszentrum entwickelt werden. Das werde scheitern, auch wegen der nahen, großen Konkurrenz. „Die Stadt kann sicher so ein Vorhaben verhindern.“ Andererseits könne sie den Eigentümer nicht zwingen, den Bestand aufzuwerten.
Planungsreferent Florian Plajer versichert: Es sei Ziel der Stadt, „den Standort als echtes Quartierszentrum so zu entwickeln, dass er in Zukunft wieder funktionieren kann“. Angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sei es aber vorrangig, „eine Aufwertung und Funktionsgarantie für das Zentrum zu erreichen“
Das BUZ Bau: Ein Investor stellte bis 2000 drei in U-Form angelegte Baukörper fertig. 2009 wurde das BUZ um zwei weitere Gebäude erweitert. Die zweistöckigen Gebäude bilden heute ein Rechteck um einen Innenhof, der zur Hälfte als Parkplatz genutzt wird.
Das BUZ
Eigentümer: Das BUZ gehörte zunächst der IM Vermögensverwaltungs GmbH & Co. Stadtteilzentrum Burgweinting KG und ab 2006 der Eco Fachmarktzentrum GmbH. 2017 übernahm eine Kapitalverwaltungsgesellschaft das BUZ.
Konzept: Der Stadt zufolge entstand das BUZ, um in dem stetig wachsenden Stadtteil eine wohnortnahe Grundversorgung mit Waren und Dienstleistern zu gewährleisten. Ein Bürgersaal, der vermietet wird, war ebenfalls Bestandteil des Konzepts.
Realität: Der Stadt zufolge ist das BUZ mit den neu errichteten Einkaufsmärkten in der Nähe, etwa in Obertraubling und der Bajuwarenstraße, „nicht konkurrenzfähig“. Der Bürgersaal wird nicht mehr vermietet. Über seine Zukunft verhandelt die Stadt.