Kommentar: Nachhaltigkeit muss weniger kosten als im Fall der Kita in Wolfstein

An der neuen Kita in Wolfstein wird wohl ein Preisschild von mehr als neun Millionen Euro hängen. Sie verfolgt einen besonders nachhaltigen Ansatz. Der Stadtrat diskutierte deswegen, wie viel Nachhaltigkeit kosten darf. Jedenfalls nicht so viel, wie die Kita, kommentiert MZ-Redakteur Wolfgang Endlein.
Wie viel darf Nachhaltigkeit kosten? Die Antwort: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Im Fall der Kita Wolfstein ist das nicht berücksichtigt worden. Eine Kita für mehr als neun Millionen Euro ist zu teuer.
Hier scheinen die Argumente Kinder und Nachhaltigkeit den rationalen Blick getrübt zu haben. Beides sind extrem wichtige Themen. Aber sie sind auch kein Blankoscheck für beliebig teure Projekte. Denn: Um den Scheck zu decken, braucht es das nötige Geld.
Einnahmen sind nicht sicher, Ausgaben hingegen schon
Das hat Neumarkt zweifellos. Ein Leuchtturmprojekt wie die Kita, das zeigt, was beim nachhaltigen Bauen möglich ist, kann sich die Stadt leisten. Es sollte sich aber nicht zu häufig wiederholen.
Denn dass die Steuereinnahmen weiter so sprudeln, ist angesichts zunehmender Krisen ungewiss. Die Ausgaben werden hingegen bleiben: Neumarkt droht beispielsweise ein teurer Schulneubau in Woffenbach. Und das Schlossbad bringt jährlich ein Defizit, das auf Jahrzehnte betrachtet schnell eine mittlere zweistellige Millionensummen ergibt.
Nachhaltiges Bauen ist nicht zwangsläufig teurer
Am Beispiel der Kita zeigt sich, was deswegen vom Stadtrat künftig noch mehr gefordert ist: Das Projekt hätte mit mehr Elan auf vermeidbare Kosten abgeklopft werden müssen – ohne auf einen nachhaltigen Ansatz zu verzichten.
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Denn es ist ein Klischee, dass nachhaltiges Bauen gleich teures Bauen ist. Das zeigt beispielhaft eine empirische Untersuchung von Daten der Deutschen Architektenkammer. Der Bau von Kindergärten mit Holz schnitt bei den Kosten im Vergleich zum Massivbau nicht zwangsläufig schlechter ab.
