Firmenchef zur Sallerner Regenbrücke: „Ich werde keinen Umzug mehr anpacken“

Von Marion Koller · 28. Februar 2024 um 19:00

Gärtner Gerhard Hauner sieht die geplante Sallerner Regenbrücke als existenzgefährdend – Andere gewerbliche Anlieger kümmert sie kaum.

Gerhard Hauner steht in seiner Gärtnerei, hinter ihm reihen sich junge Obstbäume. Der Wind trägt den Verkehrslärm vom Lappersdorfer Kreisel herüber. Der 58-Jährige deutet auf seine Gewächshäuser: „Die Brücke geht durch die Gewächshäuser und den Parkplatz.“ Falls die umstrittene Verbindung gebaut wird, muss Hauner ein Drittel der Fläche abgeben. „Der Betrieb müsste deutlich kleiner werden oder schließen“, sagt er. Ein Gutachter bescheinigte der Gärtnerei die Existenzgefährdung durch das Vorhaben. Ob und wo Ersatzflächen entstehen könnten, sei völlig unklar.

Mit dem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) vom 22. Januar ist der Brückenbau wahrscheinlicher geworden. Damals hat der VGH die Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss abgewiesen.

Keine Entwicklung möglich

Familie Hauner betreibt auf den 15000 Quadratmetern zwischen dem Regen und der Lappersdorfer Straße seit mindestens 1850 eine Gärtnerei. Gerhard Hauner hat Umbaupläne aus diesem Jahr gefunden. 40 Mitarbeitende, von der Auszubildenden bis zur Verkaufsgärtnerin, beschäftigt der Betrieb. Jedes Jahr holen sich dort rund 100000 Kunden ihre Tomatenpflänzchen, Balkonblumen oder Stauden. „Das hat eine gewisse Bedeutung für Regensburg“, sagt der Gärtnermeister.

Die geplante Brücke, gegen die er geklagt hat, empfindet Hauner als Damoklesschwert. „Man kann nichts planen. Es ist keine Betriebsentwicklung möglich.“

In einer vergleichsweise komfortablen Situation befindet sich Farben Bauer, ein Nachbar der Gärtnerei. Die Räume in der Regensburger Straße 67, an der Grenze zwischen Stadt und Lappersdorf, hat der Meisterbetrieb gemietet. Weil die Firma mit ihren 55 Beschäftigten wächst, hat Geschäftsführer Johannes Bauer seit 2015 ein Grundstück gesucht. Nun baut der Maler- und Lackiererbetrieb in Zeitlarn. Der neue Sitz bietet mehr Platz und wird auf die Bedürfnisse der Firma zugeschnitten. In der Ausstellung werden Malertechniken, Stuckleisten und Bodenbeläge zu sehen sein. Der Rohbau steht. Mit dem Einzug rechnet Bauer im Herbst.

Überzeugung: Brücke wird Verkehr entzerren

Der 47-Jährige befürwortet die Brücke und ist überzeugt, dass sie den Verkehr entzerren wird. Für die Bauphase befürchtet er Staus.

Das eigene Gebäude in der Regensburger Straße 73 hat der Handwerksmeister unter anderem an die Zahnärzte Thomas Press und Moritz Hanauer sowie die Kieferorthopädin Hedwig Forster vermietet. Auch einige Quadratmeter dieses Grundstücks sollen wie bei Hausnummer 67, 69 und 71 für die Sallerner Regenbrücke geopfert werden.

Kieferorthopädin Forster habe das inzwischen leerstehende Wohnhaus in der Regensburger Straße 71 erworben und wolle dort ein Ärztehaus errichten, verrät Johannes Bauer. Die Zahnärzte haben vor, in den Neubau zu wechseln. Sie setzen offenbar weiterhin auf die gute Erreichbarkeit. Am Mittwoch sind die Mediziner nicht für eine Stellungnahme zu sprechen.

Die fast 300 Meter lange Sallerner Regenbrücke soll A93 und Lappersdorfer Kreisel, der als erstes umgebaut wird, mit der verbreiterten Nordgaustraße verknüpfen. Dort liegt Harley-Davidson Regensburg. Vertriebsleiter Mathias Lindner kennt die Debatte. Der 45-Jährige sieht die Sallerner Regenbrücke als Chance. „Umso mehr Leute fahren vorbei. Ich hänge ein Riesenschild raus.“ Er glaubt aber nicht, dass die Verbindung in den nächsten fünf Jahren kommt. Lindner sitzt in Dresden. Die dortige Niederlassung hat Regensburg Anfang Februar übernommen. Er betrachtet die „wunderschöne Stadt und Region“ als ideal für Motorradfahrer. „In Regensburg ist Geld für Harley-Davidson da.“

Warum der VGH die Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Brücke abgewiesen hat, wird in der Begründung zu lesen sein. Diese ist den Beteiligten bis Mittwoch noch nicht zugestellt worden.

Gegner sieht zwei Chancen

Mit der Entscheidung vom 22. Januar sind die Verfahren nicht rechtskräftig abgeschlossen. Die Kläger können gegen die Urteile noch ein Rechtsmittel einlegen. Zuständig ist das Leipziger Bundesverwaltungsgericht. Weil es zahlreiche Gegner gibt und sich das Bündnis „Mobilität neu denken“ formiert hat, wird noch viel Wasser den Regen hinunterlaufen, ehe eine endgültige Entscheidung fällt. Grüne, Bund Naturschutz, Forum Regensburg, Fridays for Future, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club und ökologischer Verkehrsclub Deutschland machen mobil gegen die Brücke.

Anwohner Werner Mayer gehört zum Bündnis. Er will sich gegen Umweltbelastung, Lärm und Abgase wehren. Die Brücke gehe auf eine aus der Zeit gefallene Planung von vor 50 Jahren zurück. Zwei Chancen sieht der 65-Jährige noch: ein Bürgerbegehren und die klamme Finanzlage des Bundes.

„Ich werde keinen Umzug mehr anpacken“, sagt Gerhard Hauner. Dafür fühle er sich zu alt. Ihm geht es jedoch nicht nur um den eigenen Betrieb, sondern auch um Regensburg. Hauner ist überzeugt, dass die Brücke mehr Verkehr für die Stadt bedeuten wird.

Geschäftsführer Johannes Bauer vom gleichnamigen Malerbetrieb baut in Zeitlarn einen neuen Firmensitz. Foto: Farben Bauer
Gegner Werner Mayer hat noch Hoffnung. Foto: Mayer