Fläche von zehn Fußballfeldern wird in Arresting künftig für Photovoltaik genutzt

Von Jochen Dannenberg · 27. Februar 2024 um 11:00

Erst verschwanden die Wirtshäuser aus den Dörfern, dann die Pfarrer. Jetzt droht auch noch die Landwirtschaft aus den Dörfern zu verschwinden: Immer mehr Äcker werden mit Photovoltaik-Anlagen zugestellt. In Arresting soll jetzt eine Fläche von mehr als zehn Fußballfeldern in eine Freiflächenanlage verwandelt werden.

Dabei ist das kleine Arresting eine Idylle und die nicht einmal hundert Bürgerinnen und Bürger, die das Dorf hat, haben in den letzten Jahren massiv für sie gekämpft. Anlass war der Neubau der Jurastromleitung. Sie drohte mit anderen Leitungen, den kleinen Ort zu umzingeln. Das konnte zwar verhindert werden, aber trotzdem ist Arresting kein klassisches Dorf mehr.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist gesunken. Voriges Jahr wurde sogar die öffentliche Viehwaage in Arresting abgebaut. Einfach weil kein Landwirt mehr kam, dessen Vieh vor dem Verkauf zur Ermittlung des Schlachtpreises gewogen werden musste. Die Viehwaage in Arresting war die letzte in Neustadt a.d. Donau. Jetzt wird auch noch die landwirtschaftliche genutzte Fläche weniger.

Nordwestlich des Dorfes soll eine Photovoltaik-Freiflächenanlage gebaut werden. Eine Fläche von 10,67 Hektar – das entspricht ungefähr zehn Fußballfeldern – sind dafür vorgesehen. Bisher wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Vom Ortskern wird man die Anlage kaum sehen können, denn vom Dorf bis zur Anlage ist es ungefähr einen Kilometer weit.

Leitfaden erklärt‘s

Die Firma Anumar GmbH will die Anlage errichten, erfuhren die Neustädter Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung. Aus der Sitzungsvorlage erfuhren die Mitglieder des Gremiums, dass das Büro Lichtgrün wegen der räumlichen Lage und der Ausweisung des Areals als Potenzialfläche die 10,67 Hektar grundsätzlich für geeignet hält, hier regenerative Energien zu erzeugen.

Die Analyse des Büros Lichtgrün ist seit vorigem Jahr der Leitfaden in Neustadt a.d. Donau, der Aufschluss darüber gibt, wo PV-Anlagen errichtet werden können. Die Mitarbeiter des Büros waren bei ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, dass auf dem Gebiet von Neustadt a.d. Donau rund 100 Hektar zur Verfügung stehen.

Der Leitfaden legt fest, welche Flächen in Betracht kommen. Einschränkungen gibt es bei landwirtschaftlich genutzten Flächen. Für die besten Flächen kommt weiterhin nur eine landwirtschaftliche Nutzung in Betracht. GuteŚChancen haben Anlagen an Bundesstraßen und Bahnlinien, aber auch ehemalige Deponien. Immer soll ein Abstand von 250 Metern zur Wohnbebauung eingehalten werden. In Arresting ist das beim Antrag der Anumar GmbH eingehalten.

Einstimmiger Beschluss

Dem folgte auch der Stadtrat und beschloss einstimmig, dass der Flächennutzungsplan entsprechend geändert werden darf und in diesem Zusammenhang auch ein neuer Bebauungsplanes mit der Bezeichnung „Solarpark Arresting“ aufgestellt werden darf. Der Träger des Vorhabens muss zudem die Kosten für die Erstellung des neuen Bebauungsplanes, die Bauleitplanung, die naturschutzrechtliche Eingriffs- und Ausgleichsregelung sowie alle Erschließungs- und Verlegungskosten von Netzanschlussleitungen übernehmen.

Die Energieerzeugung verdrängt damit ein weiteres Mal herkömmliche Bereiche der Landwirtschaft. Auch deshalb stößt die neue PV-Anlage trotz des eindeutigen Votums des Stadtrats nicht nur auf Zustimmung. So beklagen Landwirte, dass jeder Hektar, der für die Stromerzeugung genutzt wird, der Futtermittelerzeugung verloren geht. „Aber“, sagte Bürgermeister Thomas Memmel in der Sitzung auch, „es ist jedem Grundstückseigentümer selbst überlassen, wie er seinen Grund nutzt.“

Ende eine Tradition: Die Viehwaage wird in Arresting nicht mehr benötigt. Foto: Dannenberg