Einmal fünf Minuten mit Franz Beckenbauer – Manfred Zirpel, Urgestein des TSV Neustadt, wird 75 Jahre alt

Von Jochen Dannenberg · 23. Februar 2024 um 11:00

Fehlendes Engagement im Verein? Kein Interesse an gesellschaftlicher Arbeit? Nicht davon trifft auf einen Mann zu, der an diesem Samstag seinen 75. Geburtstag feiert: Manfred Zirpel. Er ist die lebende Legende des TSV Neustadt, ein Mann fast schon aus einer anderen Zeit.

„Er ist eine lebende Vereinslegende und wird das immer bleiben“, sagt Christoph Spreitzhofer, Vorsitzender des TSV. „Ich bin seit 34 Jahren selbst beim TSV dabei, 32 Jahre davon als aktiver Fußballer“, erzählt Spreitzhofer. „Während dieser Zeit war Mane, wie wir ihn alle nennen, immer die gute Seele im Verein. Ich habe noch nie von ihm gehört, dass er keine Zeit hat oder nicht helfen kann! Er war immer da.“

Zuerst in Mühlhausen

An diesem Samstag nun wird die „gute Seele des Vereins“ 75 Jahre alt. Die Leidenschaft für den Fußball wurde bei dem gebürtigen Mühlhausener früh geweckt. Bereits in der Jugend spielte er in Mühlhausen. Die Positionen waren vielfältig, Mane Zirpel war überall zu gebrauchen. „Alles außer Torwart“ habe er deshalb gespielt. Höhepunkte waren neben den eigenen Spielen die Ausflüge nach Regensburg. „Als Jugendlicher bin ich immer mit meinem Onkel zum Jahn gefahren.“

Später – nach der Heirat – ging es für Manfred Zirpel in Neustadt a.d. Donau beim TSV weiter. Der gebürtige Geibenstettener spielte in der AH und wurde Funktionär. 1985 übernahm er die A-Jugend. „15 Jahre lang habe ich dann die A- und B-Jugend geleitet“, sagt Mane Zirpel und auch da zeigte sich, dass er mit den Aufgaben, die er übernommen hatte, verantwortungsbewusst umging. Er delegierte nicht einfach, sondern arbeitete mit. So fuhr Zirpel mit seinen Mannschaften nicht nur zu Fußballspielen in Niederbayern, sondern auch zu Trainingslagern und zu Turnieren in Spanien und Italien. Schließlich wurde Mane Zirpel auch noch Chef der TSV-Fußballer , der größten Abteilung im Verein.

Höhere Ämter haben ihn nie wirklich gereizt. Manfred Zirpel war einfach immer da, wenn Not am Mann war. Und er war sich für nichts zu schade. Er war auch Platzwart, Fahnenträger und Kassier bei den Heimspielen. Manchmal alles in einer Person, das war der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker und spätere Lkw-Fahrer aber schon in Rente. Seine Frau sagt deshalb: „Eigentlich haben sie dich für alles gebrauchen können.“ Insgesamt waren es 39 Jahre, die er im Ehrenamt tätig war.

Verein fieberte mi

t

tDaneben ging es immer auch um die großen Momente im Sport. Zum Beispiel war Mane Zirpel, der viele Jahre Sechz‘ger-Fan war, dabei, als der TSV 1860 noch eine europäische Spitzenmannschaft war und in München gegen Real Madrid spielte. Einmal hatte Zirpel besonderes Glück. Da traf er Franz Beckenbauer am Rande des Oktoberfestes in München. Fünf Minuten, so Zirpel, sprachen sie miteinander. Natürlich über Fußball. Am Ende reichte Beckenbauer Zirpel die Hand und verabschiedete sich. Diese Erinnerung kann dem Neustädter keiner mehr nehmen. „Der Beckenbauer war schon immer mein Idol. Er hatte eine ungeheure Leichtigkeit auf dem Platz.“

Jetzt wird Manfred Zirpel 75 Jahre alt. Die Liebe zum Sport im allgemeinen und zum Fußball im besonderen ist ihm geblieben. Auch die schwere Corona-Erkrankung – monatelang lag er im Koma – konnte daran nichts ändern.

Auch deshalb sagt TSV-Chef Christoph Spreitzhofer über ihn: „Jeder freut sich, wenn er Mane am Sportplatz sieht, umso schwerer war auch für uns die Zeit seiner Krankheit. Wir alle haben uns gewünscht, dass er wieder zurückkommt.“

Im Rückblick auf sein Leben mit dem Leder sagt Mane Zirpel: „Warum musste es gerade Fußball sein? Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen, wir haben nichts anderes gekannt.“ So einfach können Antworten sein.