So wird aus Alltagsfrust wieder Lebenslust – Landfrauen in Neustadt kennen sich da besonders aus

Von Jochen Dannenberg · 22. Februar 2024 um 05:00

Erst vor wenigen Wochen zeigten die Bauern, welche Macht sie sind. Mit ihren Protesten gegen die Pläne der Bundesregierung, den Agrardiesel und die Kfz-Steuerbefreiung für die Land- und Forstwirtschaft zu streichen, sorgten sie bundesweit für Aufsehen. Wie aber sieht es abseits von Demos auf den Höfen aus? Wer ist der Anker und wie geht man mit dem Frust um, den es im Alltag auch immer wieder gibt?

Der Landfrauentag der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband (BBV), der am Mittwoch in Neustadt a.d. Donau stattfand, gab Antworten. „Die Frau ist der Anker auf dem Hof“, sagt Kreisbäuerin Rita Schultes. „Wer hätte sich denn während der Demos um die Kinder, die Viecher und die Altenteiler gekümmert!“ Die Männer – und auch einige junge Frauen – demonstrierten, zuhause ging da Leben aber trotzdem weiter.

Doch es sind nicht nur Ausnahmesituationen wie diese, die zeigen, dass Frauen das heimliche Rückgrat der landwirtschaftlichen Betriebe sind. Eine Spargelbauerin sagt: „Ganz schlimm ist die Bürokratie. Das geht von der Arbeitszeit ab und das meiste bleibt an der Frau hängen.“ Eine junge Landwirtin sagt, typische Probleme seien auch, „wenn die alten und die jungen aufeinander losgehen“, und „wenn jeder was von dir will – als Hausfrau, Magd, Mutter, Schwiegertochter und Ehefrau“.

Unterschiedliche Rezepte

Trotzdem sagen die Frauen, sei die Arbeit auf dem Hof schön. Und jede hat ihr Rezept, wie sie damit umgeht, wenn der Frust besonders groß wird. Die Tipps lauten: Einfach mal in aller Ruhe eine Tasse Kaffee trinken. Oder rausgehen und sich an der Natur erfreuen. „Schließlich leben wir von und mit der Natur“, sagt die Kreisbäuerin und manchmal helfe die Natur auch zum Runterkommen. Die Spargelbäuerin meint: „Meine Devise ist es: Man muss die Dinge nehmen, wie sie sind und wenn man das nicht tut, klappt es nicht. Nimmt man die Dinge aber an, geht es auch wieder aufwärts.“

Ehrenkreisbäuerin Erna Amann aus Saal riet den rund 250 im Bürgersaal versammelten Frauen in einem humorvollen Vortrag: „Erforschen sie, was in ihrem täglichen leben immer wieder zu Frust beiträgt. Versuchen sie dann nicht nur die großen, sondern auch die kleinen Freuden des Lebens zu genießen.“ Die Devise heiße „Ändern statt ärgern“.

Weil das oft leichter gesagt als getan ist, hatte Erna Amann noch ein paar Ratschläge. Die Frauen sollten sich fragen wie sie Entscheidungen träfen, um mehr Lebensfreude zu erreichen. Sie sollten auch prüfen, warum sie negativen Erlebnissen in ihrem Leben mehr Aufmerksamkeit widmeten als den positiven, Und schließlich ginge es auch um die Frage: Wie gelingt mir eine positive Lebenseinstellung?

Die Kreisbäuerin erinnerte, dass die Demonstrationen zu Jahresbeginn zu einem „großen Miteinander“ geführt hätten. Und „auf einmal“ habe die Bevölkerung „hinter der Landwirtschaft gestanden“. Daraus leitete Rita Schultes ab, dass es Werte gibt, für die man stehen müsse.

Wichtig sei es, Verantwortung – beispielsweise im Pfarrgemeinderat, Elternbeirat oder bei der Feuerwehr – zu übernehmen. Wichtig sei es auch Mut zu haben, „die Komfortzone zu verlassen“ und neue Wege zu gehen. Außerdem gehe es im Leben auch um Vertrauen und Selbstvertrauen sowie Achtsamkeit und Dankbarkeit – „uns geht es besser als drei Viertel der Welt“. „Auf dem Land werden diese Werte noch gelebt“, ist Rita Schultes überzeugt, was zur Folge habe, dass die Menschen auf dem Land auch nicht anonym lebten.

Reden und zuhören

Und, wie wenn es da noch eines Lobes oder einer Aufmunterung bedurft hätte, betonte auch Franz Aunkofer, dritter stellvertretender Landrat des Landkreises Kelheim die Bedeutung des gegenseitigen Respekts. „Eine Gesellschaft, die nicht mehr miteinander redet und sich zuhört, droht zu zerbrechen“, mahnte er. Und stellte fest: „Der Landkreis ist stolz auf seine Bäuerinnen.“

Neustadts Bürgermeister Thomas Memmel überraschte mit einem Geständnis: „Ich liebe Erdbeermarmelade.“ Sie sei etwas, was ihm wichtig sei – zum Beispiel am Samstag beim Frühstück. „Das ist etwas , was ich wertschätze“, betonte der Bürgermeister. Wertschätzung sei jedoch etwas, was den Menschen abhanden gekommen sei. Darum sei es wichtig, Wertschätzung zu zeigen und dazu gehöre auch das Bewusstsein, dass die Landwirtschaft die Menschen ernähre. Dass Lebensmittel direkt vom Feld kommen, gehöre zur Kultur in Bayern.

Kreisbäuerin Rita Schultes erinnerte an die Bauern-Demos. Foto: Dannenberg
Für die musikalische Unterhaltung sorgte auch der Landfrauenchor unter Anita Schemm. Foto: Dannenberg