Ahnenforschung liegt im Trend – Neustädter Stammtisch ist seit 15 Jahren aktiv

Von Jochen Dannenberg · 20. Februar 2024 um 15:00

Wer waren meine Vorfahren? Wie haben sie gelebt? Immer mehr Menschen wollen das herausfinden. Auch in Neustadt a.d. Donau. Die Spurensuche wird mit speziellen Datenbanken unterstützt.

Die Motivation für die Familienforschung scheint immer dieselbe zu sein. „Jeder will wissen, wo er herkommt“, sagt Wolfgang Waltl vom Stammtisch der Donautaler Ahnen- und Heimatgeschichtsforscher Neustadt a.d. Donau, der sich regelmäßig im Gasthof Gigl-Waldhier trifft. „Man will wissen, wo die Vorfahren herkommen“, sagt Angelika Wunschel, die die Treffen des Stammtisches mit Petra Forster organisiert.

Oft wissen Menschen zwar noch, wer ihre Großeltern und Urgroßeltern sind, aber weiter zurück reichen sichere Kenntnisse nur selten. Oft steht aber auch der Zufall am Beginn des Hobbys – wie bei Wolfgang Waltl, der den Neustädter Stammtisch im Jahr 2009 mit Helga Weigl und Anton Metzger gegründet hatte. „Meine Schwester hatte eine Familienaufstellung gemacht“, erzählt er. „Da tauchten bei unserer Mutter sieben Geschwister auf, von denen wir nichts gewusst hatten. Da habe wir angefangen, nach unseren Vorfahren zu forschen.“

Überraschungen, wissen auch Angelika Wunschel und Petra Forster, bleiben bei der Suche nach der eigenen Familie nicht aus. So finden sich beim Studium alter Akten bisweilen auch uneheliche Kinder oder die alten Akten verraten, welche Schicksalsschläge es in den Familien einst gegeben hart – von Bränden bis Mord bis alles schon vorgekommen.

Alte Schriften lesen können

Das Problem, sagen die Mitglieder des Neustädter Stammtisches, ist dabei, dass die Akten in einer Schrift abgefasst sind, die heute kaum noch jemand lesen kann. Darum führt der Stammtisch immer wieder Leseübungen durch. „Deshalb kommen auch Leute von anderen Stammtischen – zum Beispiel aus Saal und Kirchdorf – bei uns vorbei“, sagt Petra Forster und Angelika Wunschel ergänzt: „Selbstverständlich helfen wir auch Anfängern.“

Dass jedoch auch gestandene „Profis“ immer noch was dazu lernen können, wurde beim jüngsten Treffen des Stammtischs am vorigen Mittwoch deutlich. Da beschäftigten sich die Mitglieder mit Kriegsstammrollen. Sie sind Personalakten und verraten, welche Soldaten aus Bayern im Ersten Weltkrieg wann in welcher Einheit und an welchem Frontabschnitt eingesetzt waren.

Auf den ersten Blick scheinen die Unterlagen, die auch digital abgerufen werden können, äußerst penibel geführt worden zu sein. Doch die Tücke steckt im Detail. Nicht immer sind beispielsweise Ortsnamen korrekt geschrieben. So taucht selbst in den Akten aus der Kaiserzeit Kelheim gerne mit einem zweiten „h“ auf, wie eine Suche beim einem Unternehmen ergibt, dass die Seiten der Kriegsstammrollen gescannt und auf seiner Homepage eingestellt hat.

Digitale Möglichkeiten

Die digitalen Suchmöglichkeiten, die es inzwischen gibt, sind nicht immer der „Stein des Weisen“, merken die Mitglieder des Stammtisches schnell. So hängt die Ergebnisse der Suche wie auch sonst bei Suchmaschinen sehr davon ab, welche Suchbegriffe man eingibt. Je genauer und unverwechselbarer sie sind, desto eher kommt man zu einem Ergebnis. Ganz wichtig, sagen die Ahnenforscher, ist das Geburtsdatum der Person, die gesucht wird.

Unter Umständen bringt auch das die Suchenden nicht weiter. Ein Grund könnte sein, dass die meisten Suchmaschinen ein Geschäft sind. Die Betreiber wollen Geld verdienen. Deshalb gibt es auch unterschiedliche Angebote – von kostenlosen Schnupperwochen bis hin zu Abonnements, für die monatlich zweistellige Eurobeträge fällig werden.

Dennoch könnten es gerade diese digitalen Möglichkeiten sein, die vielen Menschen den Einstieg in die Ahnenforschung ermöglichen, heißt es beim Neustädter Stammtisch. Man kann bequem vom Sofa daheim in Archive abtauchen. Die mühselige Suche in richtigen Papierarchiven erspart das digitale Angebot unter Umständen aber nicht, denn nicht alle Personendaten sind digital erfasst. Standesamtliche Aufzeichnungen gibt es in Deutschland erst seit 1876. Wer weiter zurückliegende Daten braucht, muss in alten Kirchenbüchern oder staatlichen Archiven suchen.

Ahnensuche ist ein Tüfteln und Knobeln. Es kann auch süchtig machen. Petra Forster weiß: „Es gibt Personen, die sind ‘goldgräbermäßig‘ unterwegs.“

Alte Dokumente sind bei der Suche nach den Vorfahren wichtig. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa