Vorerst keine verkaufsoffenen Sonntage mehr – Kaufleute in Neustadt ziehen die Bremse

2023 fanden noch einmal verkaufsoffene Sonntage in Neustadt statt. Aber da war schon unklar, wie lange es diese noch geben würde, nachdem ein bekanntes Unternehmen mitgeteilt hatte, sich nicht mehr an der Aktion beteiligen zu wollen.
Jetzt zieht auch der Arbeitskreis Neustädter Wirtschaftsförderung (ANW) als Organisator die Bremse. Ist das der Abschied von einer Tradition?
Ganz so weit müsse es nicht kommen, erklärt der ANW auf Nachfrage dieser Zeitung. „Wie bekannt, veranstaltet der ANW alljährlich mehrere Märkte, die auch mit verkaufsoffenen Sonntagen verbunden sind“, sagt Hans Dietrich, Vorsitzender des ANW. Er stellt fest, die Märkte würden „immense Kosten“ verursachen und einen Großteil des Vereinsbudgets aufzehren.
Das wollten die Geschäftsleute zuletzt so nicht mehr akzeptieren. „Bei der letzten Vorstandssitzung wurde daher vorgeschlagen, für die Marktsonntage keine verkaufsoffenen Sonntage zu beantragen, da im wesentlichen Nichtmitglieder des ANW hiervon partizipieren.“ Womit vor allem große Einkaufsmärkte in den Gewerbegebieten Neustadt Nord und Süd gemeint waren.
Umfrage bei Geschäftsleuten in Neustadt a.d. Donau
Gleichzeitig wollte der ANW aber nicht einfach die Tür zu- und den Schlüssel wegwerfen. Darum gab es in der Sitzung einen weiteren Beschluss. Hans Dietrich: „Es wurde auch beschlossen vor einer endgültigen Entscheidung die entsprechenden Gewerbetreibenden zu befragen, ob Interesse an verkaufsoffenen Tagen besteht oder die Bereitschaft besteht, dem ANW als Mitglied beizutreten und die Aktivitäten der Werbegemeinschaft zu unterstützen.“ Die Idee zu der Umfrage stammte übrigens von Rudi Halbritter, dem früheren Leiter des Neustädter Ordnungsamtes.
Diese Aktion ist in der vorigen Woche angelaufen. Wie Sabine Kovar vom ANW sagt, haben zwei Unternehmen sofort reagiert und ihre Mitgliedschaft beantragt und damit auch ihre Zustimmung zu den verkaufsoffenen Sonntagen signalisiert. Die rund 80 Mitglieder des ANW bekommen damit Verstärkung.
Hans Dietrich hat daher die Hoffnung, dass es doch noch eine Chance für die Märkte in Neustadt a.d. Donau – Andreasmarkt, Frühjahrsmarkt und Herbstmarkt – gibt. Er kann sich eine stärkere Einbindung der Gewerbegebiete vorstellen. „Das ist doch eine Chance für einen ausgiebigen Bummel“, meint Sabine Kovar, „und so wäre in ganz Neustadt was los.“
Kovar und Dietrich erinnern dabei daran, dass „Schaufensterbummeln“ früher eine beliebte Freizeitbeschäftigung war. Möglicherweise muss das ja nur modern interpretiert werden. „Darum sind wir froh, dass jetzt auch zwei Geschäfte, die nicht zu ortsansässigen Unternehmen gehören, beim ANW dabei sind.“ Das wiederum kann bedeuten, dass es in Zukunft wieder verkaufsoffene Sonntage geben kann.
Aktuell – der Stadtrat beschäftigt in seiner nächsten Sitzung (dieser Montag, 19 Uhr, im Rathaus) mit dem Thema – würde die Verkaufserlaubnis nicht beantragt, heißt es beim ANW. Aber wenn der Verein mehr Mitglieder habe, sei eine Rückkehr zur alten Tradition denkbar. Ein Motto gibt es schon. Es lautet „Neustadt hält zusammen.“
Die Diskussion um die verkaufsoffenen Sonntage währt bereits seit Ende 2022. Damals hatten hatten Angelika Reng und Stefan Reng-Wallat von Elektro Reng – sie haben zwei Betriebe in Neustadt a.d. Donau und Kelheim mit rund 70 Beschäftigten – einen unerwarteten Schritt gewagt und an einem verkaufsoffenen Sonntag ihr Geschäft in Kelheim geschlossen gelassen.
Es fehlte Personal
„Es fehlte schlicht das Personal“, erklärte Stefan Reng-Wallat damals. Zugleich warb um Verständnis für die Mitarbeiter: „Auch auf die Mitarbeiter muss man Rücksicht nehmen. Mir ist es lieber, sie unternehmen am Sonntag etwas mit ihrer Familie.“ Außerdem müsse man die Energiekosten sehen, die seien nicht unerheblich.
„Wir sperren an den verkaufsoffenen Sonntagen nicht mehr auf“, sagte Reng-Wallat deshalb. Die Veranstaltungen seien nicht mehr zeitgemäß und es gebe inzwischen andere Öffnungszeiten als früher. Außerdem seien die insgesamt acht Sonntage eine unnötige Belastung für die Umwelt.

