Deutsche Bahn fällt Bäume für Containerdepot in Regensburg – und erntet Protest

Von Juliana Ried · 24. Februar 2024 um 05:00

Die Bahn nutzt ihre Baugenehmigung: Die Vorarbeiten am Regensburger Ostbahnhof schreiten trotz Klage gegen den Bebauungsplan voran. Das sorgt für Ärger.

Im Januar bekam die Bahn die Baugenehmigung für ihr geplantes Containerdepot am Ostbahnhof – und begann Mitte Februar prompt mit den Vorarbeiten für das Projekt. Jetzt wird Protest laut, dass die Bahn Fakten schaffe, obwohl eine Klage gegen den Bebauungsplan anhängig sei.

Wie auch am Bauzaun zu lesen ist, sollen bis 2025 Abstellflächen für Container, eine Reparaturhalle, ein Tank-Service-Platz und eine Beleuchtungsanlage entstehen. Aus Sicht des Unternehmens handelt es sich bei dem Depot um ein wichtiges Infrastrukturprojekt für den Güterverkehr; die Nachfrage nach Leercontainern seitens der Unternehmen steige.

Regensburger Bürger fürchten Lärm

Bürger und Interessenvertreter jedoch fürchten Lärm und beklagen, dass eine wichtige Freifläche zerstört werde. Ein Anwohner reichte eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan ein. Die Bürgerbewegung Innerer Stadtosten – Hohes Kreuz um CSU-Stadträtin Bernadette Dechant prüft derzeit, ob eine Klage gegen die Baugenehmigung folgt.

Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg des Bundes Naturschutz, kritisierte am Freitag in einer Pressemitteilung, „dass drei kapitale Bäume mitten im amtlich kartierten Biotop gefällt wurden“. „Es macht betroffen, dass nicht einmal das Ergebnis des Klageverfahrens abgewartet wurde“, moniert Schoberer. Dabei sei allen Entscheidern bekannt, „dass wir in Regensburg aufgrund unserer Lage besonders hitzeanfällig sind und jeden Baum bräuchten“. Das führe aber zu keinem „Innehalten und Nachdenken“. Es brauche endlich eine Planung „für mehr und nicht weniger Grün“.

Auch Gerlinde Paul, eine Regensburgerin vom Hohen Kreuz, meldete sich mit ihrem Ärger über den Baubeginn bei der MZ. Die 60-Jährige hatte schon vor der Fällung der Bäume vermutet, dass wohl damit begonnen werde. „Das bedeutet aber, dass die Bäume eventuell vorschnell und völlig umsonst geopfert werden, sollte das Containerdepot aus dem einen oder anderen Grund eben doch nicht errichtet werden.“ Paul nennt es eine „Provokation gegen den klagenden Bürger und gegen das Gericht, dass Bauherren und Stadt Regensburg nicht abwarten, bis das Gericht über die grundsätzliche Klage zum Bebauungsplan entschieden hat“. Paul ist Pächterin eines Kleingartens neben der für das Depot vorgesehenen Fläche. Auch sie fürchte Hitze, Lärm, und dass Regenwasser nicht mehr gut abfließen könne, erzählt sie.

Stadt Ragensburg : Fällung ist genehmigt

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sagt: „Diese Baumfällung ist genehmigt.“ Sie sei jetzt erfolgt, weil sie wegen des Beginns der Vogelbrutzeit im März nicht mehr erlaubt wäre. Ein Bahnsprecher erklärt, der „unvermeidbare Eingriff in die Natur“ werde ausgeglichen, zum Teil direkt an Ort und Stelle. Umrahmt werde das neue Gelände von Versickerungsflächen.

Wann der Verwaltungsgerichtshof München über die Normenkontrollklage verhandelt, ist noch offen. Aufschiebende Wirkung hat diese Klage keine. Dazu müssten Kläger andere Rechtsmittel ergreifen.