Prozess um Öl-Attacke in Regenstauf: Gutachter bezweifeln Unfall-These

Von Philip Hell · 23. Februar 2024 um 15:00

Wie lief die mutmaßliche Öl-Attacke auf eine 30-Jährige in Regenstauf (Landkreis Regensburg) genau ab? Im Prozess um einen versuchten Mord gegen einen 33-Jährigen sagten am Freitag Spezial-Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) aus.

Die Beamten hatten die komplette Tat rekonstruiert. Dafür fuhren sie eigens von München nach Regenstauf. Ihren Gutachten kommt besondere Bedeutung zu, denn: Der Angeklagte behauptet, er habe seine 30-jährige Frau nicht absichtlich schwer verletzt. Er spricht von einem Unfall.

Die Ermittler rekonstruierten die Tat mehrfach und in allen möglichen Varianten. Dazu erstellten sie unter anderem ein 3D-Modell des Tatorts. Außerdem erhitzten sie Öl, um nachvollziehen zu können, wie plausibel die Aussagen des Angeklagten sind.

War die Öl-Attacke nur ein Unfall?

Vor Gericht zeigten sie zahlreiche Fotos und Videos dieser Versuche. Immer wieder traten die Prozessbeteiligten an den Richtertisch, um anhand der Unterlagen über die verschiedenen Varianten zu diskutieren. Dabei meldete sich auch der Angeklagte durchaus zu Wort. Auch seine beiden Verteidiger Georg Karl und Jörg Meyer hinterfragten die Ausführungen der beiden LKA-Ermittler immer wieder. Der Angeklagte hatte in seinen Aussagen behauptet, dass er den Topf mit heißem Öl nach draußen bringen wollte, während seine Frau die beiden gemeinsamen Kinder zu ihm brachte. Er habe seine Frau gebeten, die Tür offenzuhalten – was diese allerdings nicht tat. Deswegen habe er versucht, die Tür mit dem rechten Fuß zu öffnen. Dabei sei er allerdings aus dem Gleichgewicht geraten, habe den Topf fallen lassen und die Frau so versehentlich mit Öl überschüttet. Die 33-Jährige behauptet, ihr Mann habe sie absichtlich mit dem Öl verbrannt.

Das Fazit der beiden LKA-Sachverständigen war durchaus klar. Ihrer Ansicht nach sei die Unfall-These des Angeklagten nicht plausibel. Es sei nicht wahrscheinlich, den Topf aus einem Reflex heraus über den Kopf der Frau zu kippen. Viel eher sei anzunehmen, dass man den Topf schlicht fallen lässt, wenn man aus dem Gleichgewicht gerät. Die Angaben des Opfers hingegen seien durchaus glaubwürdig, so die Sachverständigen in ihrem Fazit.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Mit einem Urteil des Landgerichts wird Mitte März gerechnet.