Regensburger Autozulieferer Vitesco verdient zum Abschied deutlich besser

Von Bernhard Fleischmann · 23. Februar 2024 um 15:00

Der Regensburger Automobilzulieferer Vitesco war nur rund zwei Geschäftsjahre vollständig selbstständig. In dieser Zeit ging es massiv aufwärts. Nun übernimmt Schaeffler – und es ist mittlerweile auch klar, was das für Vorstandschef Wolf bedeutet.

Der Regensburger Automobilzulieferer Vitesco hat im abgelaufenen Jahr deutlich besser verdient als erwartet. Im täglichen Geschäft wurde ein Ergebnis von 341,1 Millionen Euro erzielt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Im Jahr davon waren es noch 225,5 Millionen Euro. Die um Sondereffekte bereinigte EBIT-Marge, die als Kennzahl die Rentabilität eines Unternehmens widerspiegelt, lag bei 3,7 Prozent – erheblich höher als 2022 mit 2,5 Prozent. Somit übertraf Vitesco auch die allgemeinen Schätzungen der Finanzmärkte von 3,3 Prozent. Die eigenen Erwartungen waren bei 2,9 bis 3,4 Prozent angesetzt.

Damit legte Vitesco, das in Regensburg rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt, ein sehr vielversprechendes Geschäftsjahr 2023 hin. Es ist aber das letzte, das in voller Unabhängigkeit zustande kam. Das erste Jahr der ehemaligen Antriebssparte von Continental in voller Eigenverantwortung ist nicht viel länger her – es war 2022, nur ein Jahr davor. Nun steht die Übernahme durch den Herzogenauracher Schaeffler-Konzern bevor. Die Holding der fränkischen Industriellenfamilie und der von ihr kontrollierte Konzern haben zusammen bereits rund 89 Prozent der Stimmrechte erworben. Bereits im April sollen die Hauptversammlungen von Schaeffler und Vitesco die Verschmelzung beider Unternehmen beschließen. Zum Ende des Jahres hin soll der Prozess, so heißt es, abgeschlossen sein.

Das Ende der Ära Wolf bei Vitesco

Damit endet offenbar auch die Ära Andreas Wolf. Der Vorstandsvorsitzende hat Vitesco seit seinem Amtsantritt im Oktober 2019 konsequent auf die Elektromobilität ausgerichtet. Zu seiner eigenen Zukunft hatte er zuletzt stets darauf verwiesen, dass sein Vertrag 2024 auslaufe und noch nichts entschieden sei. Wolf ist Jahrgang 1960. Inzwischen hat Schaeffler jedoch die künftige Zusammensetzung seines Vorstands verkündet. In dem neunköpfigen Gremium kommt Wolf nicht vor. Vielmehr soll Thomas Stierle von Vitesco in den neuen Vorstand wechseln und das entsprechende Ressort E-Mobility erhalten. Er verantwortet seit Januar 2023 bei Vitesco auch die neu aufgestellte Division Electrification Solutions.

Mit den am Freitag vorgelegten Zahlen, vor allem mit der Profitabilität, dürften die neuen Eigentümer weitgehend zufrieden sein. Der scheidende Vorstandschef Wolf zumindest ist es: „Trotz globaler Herausforderungen zeigt sich das Geschäftsjahr 2023 erfolgreich und bildet eine solide Basis für die nächsten Jahre“, lässt er sich in der Pressemitteilung zitieren.

Der Umsatz entwickelte sich dagegen eher verhalten. Er blieb mit 9,23 (2022: 9,07) Milliarden Euro gerade noch in der Prognosespanne von 9,2 bis 9,7 Milliarden Euro. Doch das Kerngeschäft habe sich sehr gut entwickelt. Es sei, bereinigt um Sondereffekte, um 12,2 Prozent gewachsen, während die Automobilproduktion allgemein um 9,4 Prozent zugenommen habe. Immer geringer werde dagegen der Anteil und das Volumen der Auftragsfertigung für Continental.

Bei den Elektrifizierungskomponenten, die Vitesco als Zukunftsmarkt für sich definiert, stieg der Umsatz 2023 auf 1,3 (nach 1,1) Milliarden Euro. Es hätte mehr sein können, hätten sich die Märkte nicht im vierten Quartal eingetrübt – Vitesco sieht dies aber als kurzfristige Entwicklung. Diesen Effekt hätten auch die zahlreichen Anläufe neuer Produkte nicht wettmachen können.

Beim gesamten Auftragseingang musste Vitesco einen Rückgang vermelden. Er belief sich auf mehr als zwölf Milliarden Euro, rund zwei Milliarden Euro weniger als im Jahr davor. Allerdings muss das nicht gleichbedeutend mit einer Bestellschwäche sein. Branchenexperten verweisen darauf, dass oftmals Stichtagsregelungen eine verzerrende Rolle spielen können.

E-Mobilität dominiert bei den Aufträgen

Mittlerweile entfallen zwei Drittel bis drei Viertel der neuen Aufträge auf den Bereich Elektromobilität. „Mit einem Auftragsbestand von deutlich mehr als 30 Milliarden Euro im Elektrifizierungsbereich starten wir erfolgreich und gut positioniert in die Zukunft“, erklärte Wolf laut Mitteilung. Und weiter: „Der hohe Auftragseingang der letzten Jahre belegt einmal mehr, dass wir ein präferierter Zulieferer im Elektromobilitätsbereich sind.“

Vitesco-Vorstand Thomas Stierle soll nach der Verschmelzung mit Schaeffler den Geschäftsbereich Elektromobilität verantworten. F.: Vitesco