Daniela und Matthias Schaller sprechen über die Herausforderungen in der Geburtshilfe

Etwas mehr als ein halbes Jahr ist es nun her, dass Daniela und Matthias Schaller nach Beratzhausen und Regensburg in Cham den dritten Standort ihrer Hebammerei eröffnet haben. Bereut haben sie diesen Schritt nicht.
Immerhin ist die Kreisstadt dem Ehepaar nicht unbekannt. Daniela Schaller hat hier bereits in der Sana Klinik gearbeitet, ihr Mann ist ein gebürtiger Chamer. Inzwischen umfasst ihr Einzugsgebiet nicht mehr nur die Stadt Cham und den Landkreis. „Auch aus Straubing oder Viechtach kommen immer häufiger werdende Eltern zu uns“, erzählt das Ehepaar, das selbst zwei Töchter hat.
Mit ihren 20 Kursleiterinnen decken sie nicht nur die Geburtsvorbereitung ab, sondern bieten werdenden und frischgebackenen Eltern ein umfangreiches Angebot an. Ob Yoga für Schwangere, Babymassage, Beckenbodentraining oder Kurse zur Ernährung von Neugeborenen: „Die Geburt ist ein einschneidendes Erlebnis. Uns ist es wichtig eine Basis für werdende Eltern herzustellen“, sagt Daniela Schaller, die in ihrer bisherigen Berufslaufbahn hat rund 250 Kindern auf die Welt geholfen hat.
Lesen Sie außerdem: 24 Männer aus Äthiopien haben Containerdorf in Cham-Süd bezogen
Ebenso wollen sie und ihr Mann, der seit 25 Jahren im Rettungsdienst tätig ist, ihre Klienten beruhigen. Das sei in der heutigen Zeit des Internets mit seiner schier unendlichen Flut an Informationen rund um das Thema Schwangerschaft und Entbindung notwendig.
„Viele Paare die zu uns kommen, haben einen vermeintlichen Wissensvorsprung. Aber man darf eben nicht vergessen, dass im Internet auch viel steht, das man hinterfragen sollte“, gibt Daniela Schaller zu Bedenken. Hinzu komme das immer unübersichtlicher werdende Angebot an Kursen für werdende Eltern auf diesem Markt.
„Mit vielen Produkten und Kursen wird den Paaren suggeriert, dass sie diese unbedingt brauchen“, sagt Matthias Schaller in Hinblick auf das breite Feld an geburtsvorbereitenden Angeboten in dieser Branche. „Da wird oft mit den Ängsten der Menschen Geld gemacht“, so die Meinung des Ehepaares. Aus diesem Grund wählen die beiden auch bei ihrem Kursangebot sorgfältig aus.
„Am Ende gilt es, den Eltern eine Grundsicherheit zu geben und auf das eigene Bauchgefühl zu hören“, fasst es Matthias Schaller zusammen, der die werdenden Eltern speziell im Umgang mit Notfällen und Kinderkrankheiten bei Säuglingen schult.
Lesen Sie außerdem: 42-jährige Angeklagte rastete nach Platzverweis aus und schlug Chamer Wirtin
Diese Sicherheit spiegelt sich auch im Logo der Hebammerei wieder. „Den Anker haben wir gewählt, weil wir große Fans von Hamburg und dem Norden sind“, erklären sie. Dieser sei zugleich Symbol für den Anker und den sicheren Hafen, den die Hebammerei werdenden Eltern in den während der Schwangerschaft und über die Geburt hinaus bieten soll.
Sicherheit vermitteln
Trotz der Sicherheit, die die Schallers ihren Klienten vermitteln wollen, versuchen die beiden diese auch darauf vorzubereiten, dass eine Geburt nicht zwingend dem romantischen Ideal, dem sie landläufig unterliegt, entsprechen muss. Dass eine Geburt für eine Frau körperlich traumatisch verläuft, komme immer wieder vor.
Schaller betont dabei, dass die Frau gerade während des Geburtsvorgangs oftmals eine klare Ansage braucht, um den Prozess voranzutreiben. Schließlich befänden sich die meisten Frauen während der Geburt in einem Tunnel. Umso schwieriger gestalte sich der Geburtsprozess, wenn etwa aufgrund fehlender sprachlicher Kenntnisse Kommunikationsbarrieren vorhanden sind. „Immerhin darf man nicht vergessen, dass eine Hebamme in diesem Augenblick die Verantwortung für zwei Leben trägt“, pflichtet ihr Mann bei. In jedem Fall wollen die meisten Frauen, die zu ihnen in die Hebammerei kommen, dass man ihnen ihre Ängste nimmt.
„Als Hebamme versuche ich da einen gesunden Mittelweg einzuschlagen“, sagt Schaller und betont, dass die Frauen, die sich an sie wenden, neben klassischen Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskursen vor allem psychosoziale Unterstützung brauchen.
Jungen Kollegen, die am Anfang ihres Berufslebens als Hebamme stehen, rät sie dazu, selbstbewusst und mutig zu sein. Sie sagt: „Es ist wichtig, zu vermitteln, was man vermitteln möchte“. Daneben erfordere der Beruf ein gewisses Organisationstalent. Gerade für eine selbstständige Hebamme gehöre es zu den festen Aufgaben, Termine über einen längeren Zeitraum hinweg zu planen und zu koordinieren. Als vorbildlich bezeichnet die Hebamme dabei die Koordinierungsstelle zur Hebammenversorgung im Landkreis Cham, die die Einsatzgebiete der Hebammen aufteilt und für eine Vernetzung unter den Geburtshelfern sorgt.
Spürbarer Fachkräftemangel
„Zu guter Letzt muss man in diesem Berufszweig natürlich auch arbeitsbereit sein“, weiß sie aus eigener Erfahrung. 30 bis 60 Stunden-Wochen und sogar darüber hinaus seien gerade in Zeiten des Fachkräftemangels keine Seltenheit. Dennoch glaubt Daniela Schaller, dass es sich dabei nur um eine Durststrecke von ein paar Jahren handelt.
Spätestens wenn die ersten Absolventen des Studiengangs Hebammenkunde, den seit vier Jahren auch die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg anbietet, fertig sind, könne sie sich vorstellen, dass sich die Lage wieder etwas entspannt.