Chams Kreisbrandrat Michael Stahl wird 50 – und blickt auf die Zukunft der Feuerwehren

An diesem Donnerstag feiert Michael Stahl, den wohl jeder seiner Kameraden in den 190 Feuerwehren der 39 Städte und Gemeinden im Landkreis Cham einfach Mike nennt, einen runden Geburtstag: Der Kreisbrandrat und damit „oberster Feuerwehrmann“ wird 50 Jahre alt und hat damit schon rund zwei Drittel seines Lebens in den Dienst der Freiwilligen Feuerwehr gestellt.
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Ein guter Grund natürlich, an seinem Ehrentag viele Gäste zu empfangen – und das hatte er sogar auch vor, wie er unserer Zeitung beim Gespräch erklärt. Aber: „Wo anfangen, wo aufhören?“, fragt er. Bei knapp 400 Gästen sei eine Zahl erreicht worden, die rein logistisch nicht mehr geklappt habe.
Skifahren statt Löschen
Ein geselliger Mensch sei er dabei schon, sagt Stahl, aber das sei ihm dann doch zu viel geworden. Die Lösung: Ab in den Skiurlaub nach Österreich. Skifahren, Wandern, das sind Hobbys, die er immer schon gerne mache, und die mit einer Rufbereitschaft an 24 Stunden und sieben Tage die Woche auch gerne mal etwas kurz kämen. Überhaupt, sagt der nun 50-Jährige, machten seine Frau und seine beiden Kinder „eh schon viel mit mit der Feuerwehr“, da brauche es den ganzen Trubel zum Geburtstag nicht.
Dass die Freiwillige Feuerwehr sein Leben entscheidend mitbestimmt, das wisse in seinem Umfeld natürlich jeder, und ohne die Unterstützung sei das auch nicht zu machen. Nicht als Kommandant mit damals 21 Jahren in seiner Heimatfeuerwehr in Arrach, nicht als jüngster Kreisbrandinspektor Bayerns mit damals 27 Jahren.
Herausforderung Ausbildung
Kurz vor seinem Ehrentag sagt Stahl, der seit 2016 Kreisbrandrat des Landkreises Cham ist, dass sich aber auch bei ihm die „Glampperla“ bemerkbar machten. Der Dienst in der Feuerwehr und für die Feuerwehr, fordere nicht nur seinen Tribut, sondern werde auch so immer fordernder. Vor acht Jahren, da seien die bestimmenden Themen Gasautos und Hochwasser gewesen, heute seien es der Klimawandel allgemein und Trockenheit in den Wäldern im Besonderen.
Ausbildungen, die würden heute nicht mehr nur in Präsenz, sondern auch online abgehalten, und das Thema Mitgliedergewinnung sei immer mehr in den Vordergrund gerückt, was sich auch bei den Gründungen von Kinderfeuerwehren bemerkbar mache. Eine Neuerung, die auch in seiner Heimatgemeinde anstehe, und bei der auch sein achtjähriger Sohn mitmachen möchte. Seine 15-jährige Tochter, die habe es bislang noch nicht zur Feuerwehr gezogen, dafür zu vielen anderen Vereinen. Auch ein Kreisbrandrat weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, junge Menschen für die Feuerwehr zu begeistern.
Noch hätten die Wehren im Landkreis kein wirkliches Problem mit den Mitgliederzahlen, doch es gelte, sich darauf vorzubereiten. Mike Stahl sieht darin auch einen Wandel in der Gesellschaft: Das Anspruchsdenken, das sei da in der Bevölkerung, dass ein Anruf genüge, und schon kämen die Helfer mit Blaulicht und Martinshorn. „Aber so einfach geht das eben nicht“, sagt er. Auch darum seien die Wehren in sozialen Medien heute ebenso aktiv wie beim klassischen Klingeln an der Haustüre, um junge Mitglieder anzusprechen.
2468 Einsatzstellen stehen in der letzten veröffentlichten Statistik aller Wehren aus dem Landkreis im Jahr 2022, bei denen 35538 Feuerwehrdienstleistende im Einsatz gewesen waren. Die Dauer der Einsätze belief sich auf 6740 Stunden – viel Zeit für jeden Einzelnen Helfer, und auch für einen Kreisbrandrat. „Ich mache das noch so lange, wie es Spaß macht, das habe ich immer schon gesagt“, erklärt Mike Stahl. Es gebe keine Woche, in der sich nicht irgendetwas verändere bei der Feuerwehr, und die Anforderungen würden nicht geringer werden. „Ich bin aber zufrieden, so wie es ist, und ich hoffe, ich kann davon auch immer was zurückgeben“, sagt er.
Wenn er an die Herausforderungen der kommenden Monate denkt, dann werde nach der Großübung im vergangenen Jahr erst einmal die Ausbildung auch bei Führungskräften im Vordergrund stehen. Auch ein Thema, das gerade bei jungen Mitgliedern in den Wehren immer unbeliebter werde, da die Inhalte immer hochwertiger und deren Vermittlung zeitaufwendiger werde. Ein Vorsatz für das neue Lebensjahr wäre, vielleicht nicht mehr bei fast jedem Einsatz der 190 Feuerwehren selbst dabei sein zu müssen. Das Team dafür stehe, und seine Familie habe nun auch schon sehr lange ihr ganzes Leben nur nach der Feuerwehr ausgerichtet.
Ob das klappt, wird sich zeigen. Kurz vor seinem Ehrentag sagt er aber: „Ich hatte schon viel Glück im Leben“ – und das wünschen ihm sicher auch weiterhin nicht nur alle Verwandten, sondern auch Tausende Kameraden, auch wenn er an seinem Ehrentag mal „Status 6“ – also „nicht einsatzbereit“ – ist.
Der KBR und die FF
Eintritt: Mit 14 Jahren trat Michael Stahl seiner Heimatfeuerwehr in Arrach bei und war dort 1992 bis 1996 gleich einmal Jugendwart.
Kommandant: Mit 21 Jahren, dem Mindestalter, wurde er zum Kommandanten gewählt.
Kreisbrandinspektor: Mit 27 wurde er zum damals jüngsten Kreisbrandinspektor für den Bereich Bad Kötzting eingesetzt.
Kreisbrandrat: Vor acht Jahren, also 2016, wurde er zum Kreisbrandrat des Landkreises Cham ernannt.
Erinnern: Wenn Michael Stahl heute gefragt wird, woran er sich in seinen 36 Jahren bei der Feuerwehr besonders erinnert, dann ist es kein Einsatz, sondern es sind Wegbeleiter, die ihm die jeweiligen Aufgaben zugetraut hätten: Ob Arrachs Bürgeremeister Albert Kieslinger, als es um die Wahl zum Kommandanten ging, oder Michael Wensauer, dem er als KBI folgte als auch Hans Weber, von dem er das Amt als KBR übernommen hat.
Privat: Wo die Kameradschaft in der Feuerwehr „einfach passt“, sei es wichtig, dass auch seine Familie hinter allen bisherigen Aufgaben gestanden habe, sagt Stahl: „Die machen eh auch sehr viel mit mit der Feuerwehr“, sagt der 50-Jährige.
