Abschied vom Direktor des Amtsgerichts Cham: Erich Vogl geht in Ruhestand

Nach seiner Amtseinführung 2021 ließ er den Türknauf seines Büros durch eine Türklinke ersetzen, um zu zeigen, dass sein Zimmer für alle Mitarbeiter und Besucher offensteht. Und wenn er mit seinem Roller zur Arbeit fuhr, trug er unter der Warnweste und dem Helm einen Anzug und Krawatte.
Von diesen Anekdoten, die den scheidenden Direktor des Amtsgerichts Cham Erich Vogl betreffen, sprach Dr. Clemens Prokop, Präsident des Landgerichts Regensburg. Bei einem Pressegespräch bei der Verabschiedung von Erich Vogl am Montag schilderte Prokop einige charakteristische Eigenschaften des künftigen Ruheständlers.
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In seiner Laudatio ging Prokop zunächst auf die berufliche Justiz-Laufbahn des gebürtigen Chamers ein. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Vogl begann am 1. Juli 1988 als Staatsanwalt in Weiden. Seit dem 1. Mai 1989 war er durchgängig beim Amtsgericht Cham im Richterdienst tätig und dadurch Rekordhalter. „Ich glaube, es gibt in Bayern keinen Richter, der kürzer bei der Staatsanwaltschaft war“, bemerkte Dr. Prokop. Üblich sei ein Wechsel ins Richteramt nach einer Pflichtdauer zwischen drei und fünf Jahren. Vogl habe allen Verlockungen widerstanden, nochmals zur Staatsanwaltschaft in ein Beförderungsamt zurückzukehren.
Alle richterliche Aufgaben
Am Amtsgericht war er zunächst als Zivilrichter eingesetzt und zugleich – auch etwas Besonderes – mit allen richterlichen Geschäftsaufgaben außer Schöffen- und Scheidungssachen an der Zweigstelle in Waldmünchen befasst. Damals habe es, bedingt durch die Gebietsreform, keinen Landkreis in Bayern mit so vielen Zweigstellen gegeben, die letzten Endes in einem vermutlichen Akt der Vernunft wegen Unwirtschaftlichkeit aufgelöst wurden.
Ab 2003 wechselte Vogl überwiegend und ab 2006 ganz an die Hauptstelle in Cham. Als Richter am Amtsgericht war er in nahezu allen Bereichen tätig: für Zivil- und Familiensachen, (Jugend-)Strafsachen und Ordnungswidrigkeiten sowie für Betreuungs-, Grundbuch-, Nachlass- und Zwangsvollstreckungssachen. Zum 1. September 2012 wurde er zum Richter am Amtsgericht als ständiger Vertreter des Direktors ernannt. Mit Wirkung zum 7. Juli 2021 folgte die Ernennung zum Direktor. Seither nehme er auch die Aufgaben in Vormundschafts- und Betreuungssachen wahr. Erst vorletzte Woche habe er, so Dr. Prokop, ihm die Urkunde zum 40. Dienstjubiläum überreichen können. Nun trete Vogl nach Vollendung des 66. Lebensjahres Anfang des Monats und nach einem abwechslungsreichen Berufsleben zum 29. Februar in den Ruhestand ein.
Um ihn angemessen würdigen zu können, reiche die Zeit gar nicht aus. Daher nannte er ein paar Markenzeichen. Als Urgestein des Amtsgerichts sei Vogl mit Herzblut und Leidenschaft Richter gewesen. Er habe alle gegebenen Rechtsgebiete absolviert und sich große Verdienste um die Justiz im Landkreis erworben. Imponierend seien auch sein absolutes Pflichtbewusstsein und seine Korrektheit. Von allen Seiten wurde immer wieder berichtet, dass er nahe am Menschen gewesen sei, für die Sorgen und Nöte jener vor Ort viel Verständnis und Einfühlungsvermögen hatte und mit sehr viel Empathie den ihm vor Gericht vorgelegten Problemen begegnete. Ebenso sei seine Heimatverbundenheit hervorzuheben.
Mit der Region verbunden
Aus Sicht der Justiz sei es ein Glücksfall, wenn jemand eine Behörde leite, der sich persönlich und menschlich mit der Region verbunden fühle und sich hier engagiere: als Gemeinderat und 28 Jahre lang als Kassier im OGV Willmering. Zudem habe der gegenüber Innovationen ausgesprochen aufgeschlossene Direktor unter seiner Federführung die Digitalisierung der Justiz erfolgreich und mit deutlich weniger Problemen als an vielen anderen Gerichtsstandorten eingeführt, etwa die elektronische Akte. Hervorzuheben sei auch die Souveränität, mit der er angesichts der riesigen Herausforderung der Pandemie die Behörde geführt habe. Dies hatte auch Dr. Thomas Dickert, Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg, gewürdigt, dessen beste Grüße und Wünsche sowie den Dank für die Lebensleistung Prokop ausrichtete. Mit den Worten „Ich wünsche alles Gute für den Ruhestand, viel Spaß und Sport und wenig Stürze beim Ski- und Radfahren sowie weiterhin Verbundenheit mit der Justiz durch den Stammtisch der Ehemaligen, wo Sie auch schon einen festen Platz haben“ beendete er diesen besonderen Anlass. Laut Schreiben des Oberlandesgerichts ist das Besetzungsverfahren für die Nachfolge noch nicht vollständig abgeschlossen.
Zuständigkeitsbereich
Amtsgericht: Die Eingangsinstanz der ordentlichen Gerichtsbarkeit ist zuständig für zivil- und strafrechtliche Streitigkeiten, deren Gegenstandswert oder Straferwartung eine bestimmte Grenze nicht überschreitet. Der Begriff stammt von Verwaltungs- und Gerichtsbezirken im Römischen Reich. Gliederung: Das Amtsgericht Cham ist eines von 73 Amtsgerichten in Bayern. Ihm ist das Landgericht Regensburg übergeordnet. Mehrere Landgerichtsbezirke bilden den Bezirk eines Oberlandesgerichts (drei in Bayern).
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