Mehr Pop-Up-Stores als passende Leerstände: Für Immobilienbesitzer hat das Konzept Nachteile

Von Marie Campisi · 17. Februar 2024 um 11:00

Sie sollen das Stadtbild verschönern, Menschen in die Fußgängerzonen locken und ein Experimentierlabor für Händler sein: Pop-Up-Stores. Seit einigen Jahren setzen Städte – ob klein oder groß – auf das Konzept zeitlich begrenzter Läden, um Innenstädte lebendiger zu machen. Für die Verkäufer selbst ist der Laden auf Zeit eine Möglichkeit, die eigene Geschäftsidee im kleinen Rahmen zu testen.

Die Nachfrage nach Flächen zum Aufpoppen scheint groß. Immobilienbesitzer, die ihre Fläche dafür zur Verfügung stellen, sind dagegen rarer. Denn für sie ist eine solche Zwischennutzung oft mit einem Risiko verbunden. Häufig füllen die Pop-Ups daher gar keine Leerstände.

Beispielsweise in Cham: Hier zog der Pop-Up-Store Hej zur Weihnachtszeit bereits zum zweiten Mal in das Untergeschoss des Männermodehauses Gruber. In Städten wie Regensburg oder Amberg gibt es zudem extra Pop-Up-Räume, die kleine Anbieter für einen begrenzten Zeitraum beziehen können.

Pop-Ups als Werkzeug in Oberpfälzer Innenstädten

Der PopUp-Raum im Regensburger Kulturzentrum Degginger wurde 2023 in 44 Kalenderwochen genutzt. Auch dieses Jahr ist er bereits fast ausgebucht: Mindestens 45 Wochen bespielen 2024 verschiedene Händler den Raum. Auch in Amberg ist der Pop-Up-Raum gefragt. Laut der Stadt ist er das ganze Jahr und ohne Leerlauf in Nutzung. Man rechne wie im vergangenen Jahr mit rund 20 verschiedenen Anbietern.

Auch in Neumarkt hat man sich 2020 an einem dauerhaften Pop-Up-Konzept versucht. Die Pandemie habe die Umsetzung jedoch stark erschwert, weswegen man auf ein Basarkonzept umstieg. Wie City-Manager Christian Eisner erzählt, wurde der Basar in einen dauerhaften Laden überführt. „Pop-Up-Stores sind für uns ein Dauerwerkzeug, das wir dann einsetzen, wenn ein Leerstand auftaucht“, sagt Eisner. Der letzte Pop-Up-Store fand Ende 2023 mit drei Anbietern statt. „Sie überbrückten die Lücke bis zu der nun anstehenden größeren Umbauaktion für den nächsten Dauermieter“, erklärt Eisner.

Leerstand für Pop-Up-Konzepte gesucht

Als Vorsitzender des Vereins „Aktives Neumarkt“ hat er auch selbst an Pop-Up-Konzepten mitgewirkt. „Die erfolgreich durchgeführten Aktionen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, welch organisatorischer Aufwand oft damit verbunden ist“, sagt er. Dazu gehört auch, eine geeignete Verkaufsfläche zu finden und Vertrauen zu Gewerbeflächenbesitzern aufzubauen. Derzeit habe Neumarkt kein großes Aufkommen an leerstehenden Gewerbeflächen. Eine unmittelbare Notwendigkeit oder Gelegenheit für einen Pop-Up-Store bestehe daher nicht.

In Regensburg würde man sich dagegen über mehr Eigentümer freuen, die ihre Immobilien für temporäre Nutzung zur Verfügung stellen, denn mit dem Pop-Up-Raum können nicht alle Gesuche bedient werden. Das gestaltet sich oftmals schwer – von der Stadt Regensburg heißt es: „Es sind nur wenige Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer aus unterschiedlichen Gründen einer derartigen Zwischennutzung ihrer Immobilie offen gegenüber eingestellt“.

Tobias Just, Professor am Lehrstuhl für Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg, forscht unter anderem zu Immobilien in der Stadtentwicklung. Er sagt: „Für Immobilienbesitzer ist so eine Zwischennutzung oft nur die zweitbeste Lösung“. Für sie ist das Pop-Up-Konzept auch mit einem Risiko verbunden: Zum einen weil er als Vermieter bei einer kurzen Nutzung höchstens eine geringe Miete erwarten könne, anders als bei einem langen Mietvertrag. Gleichzeitig trage er auch das Risiko. Denn der Geldfluss bei Pop-Ups sei vergleichsweise gering und häufig wechselnde Mieter sorgen für eine schnellere Abnutzung der Immobilie.

Gerhard Mader, Regensburger Regionaldirektor des Bundesverbands für die Immobilienwirtschaft, sieht Pop-Ups für Immobilienbesitzer daher nur als Zwischenlösung zur Überbrückung bis zum nächsten Dauermieter. Denn ohne eine langfristige Perspektive überwiegen die Nachteile für den Vermieter. „Wer öfter vermietet, muss öfter sanieren“, sagt Mader.

Mehr Kundschaft dank Pop-Up

Zudem erfordere das Konzept, wie Just sagt, einen relativ hohen Management-Aufwand – anders als bei Dauermietern. Auch könne nicht jeder Leerstand sinnvoll als Pop-Up-Fläche verwendet werden. Für den Erfolg brauche es in der näheren Umgebung des Pop-Ups vor allem Laufkundschaft, sagt Just.

Das Männer-Bekleidungshaus Gruber in der Chamer Innenstadt hat sich seinen Standort dafür zunutze gemacht. Bereits zum zweiten Mal haben sie in der Adventszeit 2023 den Pop-Up-Store Hej beherbergt. Das Erdgeschoss des Modehauses wurde dafür freigemacht. Den Rest des Jahres befindet sich auf der Fläche das Gruber-Outlet. Ein Leerstand wurde also nicht beseitigt. Gelohnt habe sich die Aktion vor allem wegen der gegenseitigen Unterstützung, sagt Junior-Chefin Magdalena Gruber: „Der Hej-Store ist in der Region schon relativ bekannt. In der Weihnachtszeit kamen dann manche Leute wegen des Pop-Ups, andere wegen Gruber und die Kundschaft wechselt so durch.“ Mit der Weihnachtsaktion habe man auch die Stadt unterstützen und beleben wollen.

Ein großes Problem des Einzelhandels werde damit dennoch nicht gelöst, sagt Just. „Pop-Up-Stores brauchen Flächen.“ Dementsprechend können sie den Vorteil des Internets nicht aufwiegen. Einen allgemeinen Nachteil durch Pop-Up-Stores sieht er aber nicht.