Pläne für Neunfamilienhaus: Besorgte Anwohner schlagen in Nittenau Alarm

Ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen und 20 Stellplätzen soll am Adalbert-Stifter-Weg in Nittenau entstehen. Doch bei den Anwohnern regt sich der Protest. Es geht ihnen nicht etwa um eine verbaute Aussicht – ihre Sorgen sind viel größer.
Noch ist das Grundstück am Adalbert-Stifter-Weg 4 unbebaut. Hier standen bis vor kurzem etliche Bäume, von denen nun nur noch drei Birken übrig sind. Laut Bauantrag, der im Nittenauer Rathaus eingegangen ist, soll hier ein großes Mehrfamilienhaus entstehen. Sieben der 20 erforderlichen Stellplätze sollen mittels Carports geschaffen werden.
Eigentlich stand das Projekt schon im Januar im Bauausschuss auf der Tagesordnung, wurde dann aber kurzfristig vertagt. Wie Bürgermeister Benjamin Boml (FW) dazu erklärte, sei noch ein Schreiben von Anwohnern eingegangen, das möglicherweise noch nicht alle Ausschussmitglieder gelesen hätten. Hinter dem Dokument steht nach Angaben der Unterzeichner eine Gruppe von rund 30 Anwohnern, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen möchten.
Kritik an „massiver Bebauung“
In dem Schriftstück legen sie „Widerspruch gegen die dichte Wohnbebauung“ auf dem Grundstück am Adalbert-Stifter-Weg 4 ein und wenden sich damit direkt an Bürgermeister Boml, die Stadträte sowie an Landrat Thomas Ebeling (CSU). „Wir sind gegen eine solch massive Bebauung, da diese dem Charakter des bestehenden Wohngebiets komplett widerspricht“, schreiben sie – und führen auch eine Reihe von Argumenten ins Feld. Dass die Parksituation in dem Viertel aufgrund des benachbarten Rehazentrums schwierig ist, ist in Nittenau schon lange Diskussionsstoff. Das beklagen deshalb auch die Anwohner: Werktags würden alle umliegenden Straßen zugeparkt, was auch immer wieder Grundstücksausfahrten betreffe. Man sei schon seit Jahren mit einer erhöhten Lärm- und Staubbelastung geplagt. „Eine weitere Erhöhung des Verkehrsaufkommens durch diese immense Bebauung ist für die Anwohner unzumutbar“, argumentieren die Unterzeichner.
Probleme mit Regenwasser
Doch ihnen brennt noch ein anderes Problem unter den Nägeln: Durch den Bau von Mehrfamilienhäusern in der Umgebung sei das „bereits in die Jahre gekommene Kanalnetz dieser Siedlung extrem überlastet“. Weil große Flächen durch Bebauung versiegelt worden seien, könne Regenwasser kaum noch versickern, der rund 60 Jahre alte Mischwasserkanal sei überfüllt. Die Anwohner befürchten deshalb, dass der Kanal mit der zusätzlichen Belastung durch ein neues großes Gebäude mit vielen Bewohnern nicht mehr zurecht kommen könnte. Mit weiteren Wasserrohrbrüchen in der Siedlung sei zu rechnen.
Ein ähnlich dimensioniertes Bauvorhaben ganz in der Nähe am Hochweg stand kürzlich bereits zum wiederholten Mal auf der Tagesordnung des Bauausschusses – und wurde abgelehnt. Das Gremium war der Auffassung, dass das Haus einen Fremdkörper darstelle. Auch die Kanalprobleme kamen zur Sprache. Wie der Bauausschuss die Pläne für das Mehrfamilienhaus am Adalbert-Stifter-Weg beurteilt, wird sich bei der nächsten Sitzung am kommenden Dienstag zeigen.
Drosselung nötig
Im Rathaus hat man sich mit den Sorgen rund um den Kanal auseinandergesetzt. Im Adalbert-Stifter-Weg befinde sich ein Mischwasserkanal mit 200Millimetern Durchmesser. Grundsätzlich müsse ein Bauherr nachweisen, ob Niederschlagswasser örtlich versickert werden könne. Funktioniere das zum Beispiel wegen unzureichender Bodendurchlässigkeit nicht, müsse mit Hilfe eines „ausreichend großen Rückhaltevolumens“ Niederschlagswasser gedrosselt in den Kanal eingeleitet werden. „Wenn das so umgesetzt wird, sehen wir keine Bedenken“, lautet das Fazit der Verwaltung.
