Von der Maschinenfabrik bis zu Vitesco: So geht es den Regensburger Großunternehmen

Von Marion Koller · 15. Februar 2024 um 15:00

Die Maschinenfabrik Reinhausen in Regensburg übertrifft die eigenen Planungen – BMW spricht von einem hohem Kundeninteresse am X2 und iX2.

Eine eingetrübte Stimmung stellt die Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz/Kelheim in ihrer Konjunkturumfrage vom Februar fest. Die Unternehmen seien wettbewerbsfähig, der Standort Deutschland nicht. Die Bundesregierung hat ihre Prognose deutlich nach unten korrigiert. Wie geht es der Regensburger Industrie? Ein Überblick.

• Maschinenfabrik Reinhausen erzielt Rekordumsatz

Die MR besetzt technisch anspruchsvolle Nischen der elektrischen Energietechnik und ermöglicht dabei die globale Energiewende bei Stromversorgern und Industrie. 2023 habe das Unternehmen seine Planungen deutlich übertroffen, sagt Nicolas Maier-Scheubeck, Sprecher der Geschäftsführung. Der Konzern habe erstmals einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erwirtschaftet. Vor wenigen Tagen hat die weltweite Belegschaft die Zahl von 4000 überschritten. „Aufgrund der für unser Geschäft günstigen Megatrends – Bevölkerungswachstum, Energiewende, Technologiewandel – gehen wir von einer weiterhin positiven Geschäftsentwicklung aus“, erwartet Maier-Scheubeck. „Mit echten Innovationen wollen wir vor der Branche bleiben.“ Scharf kritisiert der MR-Chef die ausufernde Bürokratie und eine moralgesättigte Kommandowirtschaft in Sachen Energiewende. Er sieht das Risiko einer Deindustrialisierung. Das Familienunternehmen glaube weiter an den Standort, investiere aber wesentlich mehr außerhalb Europas als früher.

• Krones mit Auftragsbestand bis weit in 2025 hinein

Der Maschinenbauer profitiert davon, dass er in Märkten unterwegs ist, die gegenüber äußeren Schwankungen resistenter sind als andere Industrien. Das anhaltende Bevölkerungswachstum lasse die Getränke- und Lebensmittelbranche mitwachsen, sagt Kommunikationschefin Ingrid Reuschl. Nachhaltigkeit gewinne massiv an Bedeutung. „Unsere Kunden müssen ihren Energie- und Wasserverbrauch sowie den CO2-Fußabdruck weiter reduzieren.“ Dafür biete Krones mit seinen Anlagen innovative Lösungen. Deshalb passe der Kauf des Schweizer Maschinenbauers Netstal gut in die Nachhaltigkeitsstrategie. „Wir schließen damit im Portfolio den Kreislauf von der Herstellung der PET-Behälter bis zu deren Recycling.“ Aus dem daraus gewonnenen Recyclat entstehen neue PET-Behälter. Ein wirtschaftlicher Vorteil seien Produktionsstandorte und Niederlassungen in 80 Regionen und Kunden in 156 Ländern. Für 2023 erwartet Krones eine gute Profitabilität. „Was den Ausblick für 2024 anbelangt, sind wir sehr zuversichtlich und rechnen mit einem stabilen Wachstum“, sagt Reuschl. Der Auftragsbestand reiche weit ins Jahr 2025 hinein.

• BMW ist äußerst zufrieden mit der Auslastung

Die Perspektiven für das BMW Group Werk Regensburg sind ausgezeichnet, urteilt Sprecher Christian Dürrschmidt. Dementsprechend optimistisch blicke der Autobauer in das Jahr 2024. Das Werk ist sehr gut ausgelastet und produziert arbeitstäglich rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb. Das sei ein Beleg für die hohe Kundenattraktivität der in Regensburg gefertigten Modelle BMW X1 und X2 sowie der vollelektrischen Varianten BMW iX1 und iX2. Der X2 und der iX2, deren exklusive Produktion in Regensburg im November gestartet ist, werden derzeit in Portugal der Weltpresse vorgestellt. Anfang März wird das Fahrzeug weltweit auf den Markt kommen. „Bei uns im Werk werden die verschiedenen Antriebsformen auf einer einzigen Linie gefertigt – Modelle mit Verbrennungsmotor ebenso wie vollelektrisch angetriebene Fahrzeuge“, betont Dürrschmidt. Für die Markteinführung wurden bisher über 5500 Fahrzeuge, sowohl mit Verbrennungsmotoren als auch vollelektrische iX2, produziert. 2024 solle mindestens jeder dritte BMW aus den bayerischen Werken ein E-Auto sein. Das gilt auch für Regensburg. Mitte 2024 werden in Wackersdorf erste Teile des Batterie-Testzentrums in Betrieb gehen.

• Vitesco Technologies setzt auf neue Produkte

Die Regensburger Zentrale des Antriebsherstellers geht davon aus, dass trotz Nachfrageschwankungen bei E-Autos in Deutschland der Weltmarkt robust bleibt. Dieser sei 2023 gegenüber 2022 bei der E-Mobilität um rund 30 Prozent gewachsen. Diese Raten würden sich heuer ähnlich fortsetzen, erwartet der Zulieferer. „Was die aktuelle Nachfrage betrifft, können wir zuversichtlich in die Zukunft blicken“, sagt Sprecherin Simone Geldhäuser. Vitesco habe in allen wichtigen Weltregionen Aufträge für das gesamte Elektrifizierungsportfolio erhalten. Mehr als 75 Produktanläufe bis Ende 2024 trügen zum enormen Wachstum in der E-Mobilität bei. Der Elektrifizierungs-Umsatz belief sich allein im dritten Quartal 2023 auf 324 Millionen Euro, was einer Umsatzsteigerung von rund 30 Prozent innerhalb eines Jahres entsprach. Hinzu kommen Aufträge in Höhe von mehr als 30 Milliarden Euro (Stand November). Zahlen für das gesamte Geschäftsjahr gibt der Zulieferer noch im Februar bekannt. Bei Vitesco stehen bekanntlich große Veränderungen an. Die Schaeffler AG übernimmt das Unternehmen bis Ende des Jahres vollständig. Der Vertrag von Vitesco-Chef Andreas Wolf läuft Ende September 2024 aus.

• Continental: Mitarbeiter-Information über Stellenstreichungen für Montag geplant

Der Continental-Konzern will wegen seiner Sparbemühungen im schwächelnden Autozuliefergeschäft weltweit rund 7150 Stellen in der Verwaltung und Entwicklung streichen. Betroffen sei auch der Standort Regensburg, sagt Sprecher Sebastian Fillenberg. Wie viele Stellen vor Ort wegfallen werden, ist noch nicht bekannt. Der Regensburger Betriebsratschef Alexander Auburger kündigt die Mitarbeiter-Information für Montag an.

• AMS Osram erhält Hightech-Gelder und schafft Jobs

Das Gesamtumfeld für AMS Osram bleibt herausfordernd, vor allem im ersten Halbjahr. Das sagt der Münchner Sprecher Bernd Hops. Zur Entwicklung innovativer Produkte in Regensburg erhält der Konzern Mittel aus dem Förderprogramm EU Next Generation im Rahmen des Important Projects of Common European Interest (IPCEI, deutsch: Wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse) für Mikroelektronik und Kommunikations-Technologie. Die Förderung läuft bis 2027, die Industrialisierung der entstehenden Produkte bis 2034. „Wir werden die Erforschung der nächsten Generation von pixilierten LEDs für Hochleistungsscheinwerfer für Autos oder auch spezieller Laserchips vorantreiben, die für das automatisierte Fahren benötigt werden“, sagt Hops. AMS Osram geht wegen der langen Entwicklungszyklen bei neuartigen Chiplösungen davon aus, Produkte erst ab 2027 präsentieren zu können. „Entsprechend wird der Aufbau neuer Arbeitsplätze schrittweise vorangehen und bis Ende 2027 voraussichtlich bei mehreren 100 liegen.“

• Infineon mit einer hohen Auslastung

Infineon Regensburg produziert Halbleiter für Automotive, Kommunikation und Internet der Dinge. „Damit sind wir an den aktuellen Marktbedarf angepasst“, sagt Jörg Recklies, Sprecher der Betriebsleitung. „Unsere Auslastung ist hoch, wir fahren jedoch nicht unter Volllast.“ Das ermögliche es, bei einer Nachfrageerholung den Mehrbedarf zu decken. Der Neubau, eine Erweiterung der Reinräume für die Chipproduktion sowie die Abwasser- und Reinstwasseranlage, wird im Juni 2024 offiziell eröffnet. Im Moment werden dort Anlagen eingebaut. Der Anbau wird seine Energie aus dem Abwasser des Standorts beziehen.

Sehr zuversichtlich blickt man bei Krones ins Jahr 2024. Foto: Armin Weigel/dpa