Mainburger Krankenhaus: Wirbel um öffentliche Info-Termine

Von Beate Weigert · 14. Februar 2024 um 18:30

Seit im Raum steht, dass Mainburgs Krankenhaus Klinik-Status und stationäre Notaufnahme verlieren könnte, sind viele im südlichen Landkreis Kelheim in Alarmbereitschaft. Eine Petition erfährt ein Riesen-Echo. Termin-Absagen für Info-Termine sorgten für Verwirrung.

Erst vergangene Woche hatte sich in Mainburg eine Arbeitsgruppe für den Erhalt des Akutkrankenhauses in Mainburg gegründet. Die „Initiative: Rettet das Krankenhaus Mainburg“ ist nach eigenem Bekunden ein spontaner Zusammenschluss von Aktiven, die die Umwandlung des Krankenhauses zu einem ambulanten Gesundheitszentrum ablehnen und das Krankenhaus als leistungsfähige Akutklinik erhalten wollen.

Widerstand formiert sich

Vor sieben Tagen startete eine (Online-)Petition. Bis Aschermittwoch-Mittag hatte diese mehr als 7500 Unterstützer. Tausende Kommentare finden sich dabei.

„Wir verstehen es als unsere Aufgabe, die Bevölkerung, aber auch lokale Vereine und Betriebe zu sensibilisieren, zu informieren und den in der Bevölkerung deutlich wahrnehmbaren Unmut und Widerstand gegen die Pläne zu kanalisieren“, heißt es von der Initiative. Auch über eine Kundgebung denke man nach.

Derweil lösten zwei angekündigte und wieder abgesagte Termine für Verwirrung. Vergangene Woche (7. Februar) hatte das Landratsamt für Faschingsdienstag (13. Februar) zu einer Infoveranstaltung zum „kürzlich vorgestelltem Medizingutachten“ in Kelheim geladen. Adressiert war die Einladung neben der Presse an Mainburgs Bürgermeister, Mitglieder des Fördervereins des Mainburger Krankenhauses, an Pfaffenhofens Landrat, den Geschäftsführer der Ilmtalklinik, die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags sowie Vertreter der Beratungsgesellschaft PwC (PricewaterhouseCoopers).

Einen Tag später vermeldete CSU-Landtagsabgeordnete Petra Högl einen Info-Termin am 24. Februar in Mainburg für die Bevölkerung, bei dem man sich „ausführlich und aus erster Hand“ informieren könne. Der Ort würde noch bekanntgegeben, hieß es. Wieder einen Tag Tag später sagte das Landratsamt seinen Termin ab. Seit Anfang dieser Woche gab es dem Vernehmen nach Gerüchte, Petra Högls Termin sei ebenfalls gecancelt. Von „unglücklich“ über „verwirrend“ bis „unverständlich“ reichen die Kommentare unterschiedlichster Beteiligter.

„Ich bin verwundert über das Durcheinander“

So mancher will gleich mehrere Begründungen für die Absagen gehört haben. Dass Vertreter der Beraterfirma an beiden Tagen keine Zeit hatten, dass Mainburger Protagonisten abgesagt hätten. Mancher fand Faschingsdienstag als Termin seltsam, andere, dass nicht der Landrat, sondern die CSU(-MdL) zum Mainburger Termin geladen hatte. „Ich bin verwundert über das Durcheinander und die Kurzfristigkeit“, sagt ein Kommunalpolitiker.

Das sagt Mainburgs Bürgermeister Helmut Fichtner

Alle Gesprächspartner eint, dass eine Infoveranstaltung direkt vor Ort in Mainburg dringend angezeigt sei, zu solch einem einschneidenden Sachverhalt, der „mehr als 40.000“ Menschen im Umkreis im Falle eines Klinik-Auses träfe. Bürgermeister Helmut Fichtner (FW) spürt bei dem „Riesenthema“, dass die Mainburger fürchten, dass man keine Zeit habe und dass nur spärliche Informationen fließen. „Wir wollen Antworten auf die Fragen der Bürger, das ist unerlässlich“, sagt er.

Nächste Kreistagssitzung steht bald an

Lange Jahre sei ins Feld geführt worden, wie wichtig die Mainburger Notaufnahme sei, weil es rundherum sonst zu weite Wege zu anderen Kliniken gebe, so Fichtner. „Das fällt jetzt total hinten runter.“ Neben diesem Aspekt gebe es viele offene Fragen. Ob die bis zur nächsten Kreistagssitzung, die wohl im März ansteht und wo eine Grundsatzentscheidung gefällt werden soll, beantwortet sind, sei fraglich. Jedoch: „Mit Zeitdruck zu entscheiden, ist schwierig.“ Zum Termin-Durcheinander sagte Fichtner am Mittwochvormittag: „Alles schwammig, momentan.“

Bei der Mainburger Initiative zur Klinik-Rettung wünscht man sich eine „sachliche, öffentliche Diskussion“, auch mit dem Landrat. Bei der Fachleute den Bürgern erklären, was im Raum stehe und wie die Hintergründe seien. Bei der aber auch ein „Austausch“ stattfinden solle, wo „Anliegen und Sorgen der Bürger gehört werden“.

Initiative wie Kreis-FW: „Optionen müssen geprüft werden“

Mehrere Gründungsmitglieder der Mainburger Initiative seien selbst im Gesundheits- bzw. Rettungswesen beschäftigt und könnten aufgrund ihrer Erfahrung die Situation gut einschätzen, heißt es weiter. Nicht nur sie wollten „so viele Alternativen zur Herabstufung des Mainburger Hauses zum erweiterten regionalen Gesundheitszentrum, als möglich, ernsthaft geprüft sehen“. Am Dienstag beantragte auch die FW-Kreistagsfraktion Details zu weiteren Optionen (s. Infokasten ganz unten im Text). Bislang kenne man keine, so Fraktionssprecher Christian Nerb. So „im Hauruck“ zu entscheiden, sei schwierig. Wobei der Zeitdruck schon auch aus Ingolstadt und Pfaffenhofen komme, „nach dem Motto: Wenn ihr nicht mitmacht, seid ihr draußen“.

Mainburger Termin steht

Mittwochnachmittag gab es nach Nachfrage am Vormittag denn doch eine wichtige Information vom Büro von MdL Petra Högl. Der Info-Termin für die Mainburg stehe: Mittwoch, 28. Februar, 19 Uhr, in der Stadthalle Mainburg. Letzte Details mit Referenten und Ort seien nun geklärt.

Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es, der Mainburger Termin sei erst auf Initiative von Petra Högl zustande gekommen. Sie stehe als Veranstalterin dahinter. Mit dem Landratsamt sei der Termin „eng abgestimmt“, heißt es in Högls Mitteilung.

Von dort gab es am Mittwoch keine Bestätigung für den Mainburger Termin. Nur soviel, der Termin am Faschingsdienstag habe wegen terminlicher Gründe abgesagt werden müssen. Wenn ein Ersatztermin stehe, werde man dazu einladen. Fest steht indessen, dass Landrat Martin Neumeyer beim Mainburger Termin sprechen wird. Des Weiteren sind Ilmtalklinik-Geschäftsführer Christian Degen sowie die mit dem medizinischen Regionalgutachtenbeauftragten Fabian Schülke von PwC und Christian Lackner angekündigt.

Zum Termin in Mainburg wird „zur besseren Vorbereitung“ darum gebeten, Fragen und Anregungen bis 22. Februar zu mailen an: buero@petra-hoegl.de. Themen und Fragen der Bürger sollen an dem Abend berücksichtigt und „nach Möglichkeit beantwortet werden“.

Kreis-Politik und Bürger-Initiative

Antrag der FW: Der Antrag der FW-Kreistagsfraktion hat drei Teilaspekte. Zum einen sollen vor einer Abstimmung im Kreistag mögliche Kooperationen eruiert werden. Mit St. Lukas Kelheim/Caritas oder anderen Kliniken im Raum Regensburg etwa. Zum Vorschlag von PwC (Abstufung zum „Erweiterten regionalen Gesundheitszentrum“) wollen die FW einen Detail-Vergleich mit dem „Status Quo“ hören.

Die Mainburger Initiative ist mit dem Förderverein des Mainburger Krankenhauses im Austausch, heißt es von den Engagierten. Zudem laufe eine überregionale Vernetzung mit anderen Bürgerinitiativen, die sich gegen Krankenhausschließungen oder -umwandlungen wehren, wie dem Aktionsbündnis in Tirschenreuth oder der bayernweit tätigen Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“.

Neben Unterschriftslisten in Geschäften habe man in Bannerwerbung investiert und will die Öffentlichkeitsarbeit weiter intensivieren. Auch eine Kundgebung sei angedacht. Unterstützerlisten gibt es unter: info@rettet-das-krankenhaus-mainburg.de. Die Petition findet sich online: https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-das-krankenhaus-mainburg#petition-main