Chaotische Öffnungszeiten in der Neumarkter Innenstadt: So reagieren Kunden und Händler

Die einen machen um 8 auf, andere erst um 9.30 oder 10 Uhr – dafür schließen die einen um 16 Uhr, andere um 18 oder 19 Uhr: Die Öffnungszeiten in der Neumarkter Innenstadt sind ein großer Flickenteppich. Mehr Einheitlichkeit wünschen sich viele – doch gibt es eine Lösung?
Viele Passanten bedauern die unterschiedlichen Öffnungszeiten in der Innenstadt, haben aber auch Verständnis, wie zum Beispiel Annette Auhuber aus Neumarkt: „Wenn das Personal fehlt, müssen die Geschäfte eben früher schließen oder später öffnen“, sagt sie.
Mit Bedauern nimmt eine 71-jährige Neumarkterin wahr, dass manche Geschäfte erst um 10 Uhr öffnen – da sie gerne früh unterwegs ist, ist ihr das zu spät. Ihr wären einheitliche Öffnungszeiten wichtig, denn eigentlich hält sie Neumarkt für eine attraktive Stadt zum Einkaufen. Einmal pro Woche ist Sabrina Weizer aus Laaber zum Einkaufen in Neumarkt – meist geht sie zuerst in den neuen Markt, dann in die Innenstadt. Und ab und an kommt es dann vor, dass sie mit ihrem kleinen Sohn vor der Tür wartet, bis ein Laden öffnet. Ein großes Problem sei das nicht, aber „es wäre schön, wenn es einheitlich wäre“, sagt die Mutter von zwei Kindern.
Kunterbunte Öffnungszeiten am Viehmarkt in Neumarkt
Das findet auch Claudia Hilbig. Die 57-Jährige betreibt seit 37 Jahren den Wolleladen am Viehmarkt. Gerade in dieser Ecke der Innenstadt seien die Öffnungszeiten kunterbunt, sagt sie. Sie sei eine der wenigen, die sich noch an die „traditionellen Öffnungszeiten“ von 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr halte. Nur „im allerhöchsten Notfall“ sperrt sie mal eine halbe Stunde später auf – etwa, wenn sie selbst einen Termin hat. Dann hängt sie einen Zettel ins Fenster und meistens sind die Kunden dann auch verständnisvoll, sagt Hilbig.
Sollten die Neumarkter Geschäfte einheitliche Öffnungszeiten haben? Beteiligen Sie sich an unserer Umfrage!
Gleichwohl sie einheitliche Öffnungszeiten für wünschenswert hält, weiß sie als Unternehmerin auch um die Schwierigkeiten der Kolleginnen und Kollegen: Es gibt wenig Personal, das ist teuer. „Wie will man das stemmen? Das muss man erstmal erwirtschaften.“ Und dann gebe es neben dem Geschäft meist auch noch andere Verpflichtungen wie die Familie. Ihr Sohn ist mittlerweile 28, aber früher sei es ein großer Organisationsaufwand gewesen, Geschäft und Familie unter einen Hut zu bringen.
Dass Kunden nicht ganz glücklich mit den unterschiedlichen Öffnungszeiten sind, stellt auch Manuela Ernst fest. Sie arbeitet seit fünf Jahren im „vom Fass“ und beobachtet seitdem, dass es wenig Sinn macht, wenn abends nur noch vereinzelt Geschäfte offen haben. Im „vom Fass“ variieren die Öffnungszeiten je nach Jahreszeit am Samstag: Im Sommer schließt der Laden um 16 Uhr, im Winter – außer in der Vorweihnachtszeit – um 14 Uhr. Damit habe man sich an die Kundenströme angepasst.
Die Öffnungszeiten seit kurzem geändert hat die Metzgerei Bögerl – seit 2.Januar ist montags nur noch von 8 bis 14 Uhr geöffnet, von Dienstag bis Freitag bis 17 Uhr und am Samstag bis 13 Uhr. Der Grund ist simpel: Es gibt zu wenig Mitarbeiter, sagt Inhaberin Karin Bögerl. Die Reaktionen der Kundschaft seien meist verständnisvoll, sagt Bögerl. „Der Großteil hat Verständnis – die Kunden gewöhnen sich daran. Sie sehen es ja überall selbst, dass Personal fehlt.“
Werner Thumann von Tabak-Lotto-Thumann hat seine Öffnungszeiten hingegen seit Jahren nicht verändert. Ihm sei aber in letzter Zeit aufgefallen, dass einige umliegende Geschäfte immer später öffnen – zum Teil erst um 10 Uhr. Er habe aber Verständnis für seine Kollegen, die wegen Personalmangels ihre Öffnungszeiten anpassen müssten und sei froh, dass er selbst keine Personalprobleme hat.
Samstag ist es besonders auffällig
Auch Eva-Maria Romstöck-Grübler von Lederwaren Romstöck nimmt es „durchaus wahr“, dass die umliegenden Geschäfte ihre Öffnungszeiten geändert haben. „Die einen haben montags zu, die anderen machen schon mittags zu – ich verstehe schon, dass es da schwierig ist, zu wissen, wer wann offen hat“, sagt sie. Romstöck-Grübler fände eine einheitliche Lösung für die Öffnungszeiten für die Kunden sinnvoll. Zudem würde es einem Innenstadtsterben entgegenwirken und es kämen wieder Menschen zu den örtlichen Einzelhändlern, ist sie überzeugt.
Auch bei Schuh Streb hört man immer wieder von Kunden, die mit den unterschiedlichen Zeiten – vor allem am Samstag – unglücklich sind. Besonders samstags falle dieser Umstand auf – wenn einerseits viele Menschen bummeln wollen, andererseits manche Geschäfte schon am späten Mittag schließen, andere hingegen erst abends, sagt eine Mitarbeiterin des Schuhgeschäfts.
Dass dem so sei, sei einerseits dem Personalmangel geschuldet, andererseits der Tatsache, dass jedes Unternehmen rechnen müsse, was rentabel sei. Ob sich das beheben ließe? Die Mitarbeiterin zweifelt: „Da gibt es keine Patentlösung. Man muss auf die eigene wirtschaftliche Situation schauen.“
Schon seit Jahren orientiert sich Jeanette Wimmer, Geschäftsführerin von Rackl am Rathaus, an den Öffnungszeiten der umliegende Geschäfte am Rathaus. So sehr sich manche Kunden auch eine Vereinheitlichung der Öffnungszeiten wünschten: Eine einheitliche Lösung hat in der Vergangenheit nie funktioniert, sagt Wimmer. Dafür sei der Einzelhandel zu unterschiedlich und daher mache das „meist keinen Sinn“. Über die Innenstadt werde aber nicht nur gejammert, im Gegenteil – sie höre immer wieder von Kunden, dass die Neumarkter Innenstadt schön sei und es „so viele kleine Geschäfte“ gebe. Wimmers Fazit: „Der Einzelhandel ist in Neumarkt noch gut vertreten.“
Gesetzliche Grundlage:
Öffnungszeiten: In Bayern gilt nach Auskunft des Staatsministeriums für Arbeit generell das Ladenschlussgesetz des Bundes (Bundesladenschlussgesetz). Geschäfte aller Art sowie sonstige Verkaufsstände dürfen demzufolge generell bis 20 Uhr geöffnet sein und frühestens um 6 Uhr öffnen – Ausnahme sind Bäckereien: Diese dürfen bereits ab 5.30 Uhr aufsperren.
Ausnahmen: Es gibt laut Staatsministerium zahlreiche Ausnahmen. Diese beziehen sich entweder auf bestimmte Gewerbebereiche wie etwa Tankstellen oder Apotheken, auf bestimmte örtliche Gegebenheiten, zum Beispiel Bahnhöfe oder Flughäfen, oder auf bestimmte Waren, zum Beispiel Backwaren.
Sonntage: An Sonn- und Feiertagen müssen Geschäfte grundsätzlich geschlossen sein – mit Ausnahme von maximal vier verkaufsoffenen Sonn- oder Feiertagen.



