Regensburger Student legt neue Infoseite zur Stadtbahn vor

Von Rainer Wendl · 14. Februar 2024 um 15:00

Tim Peter studiert in Wiesbaden Mobilitätsmanagement. Ziel seines Studiums ist es, „die Mobilitätswende in Regensburg voranzubringen“. Dabei scheut sich der Befürworter der Stadtbahn nicht, auch Nachteile klar zu benennen.

Die Gegner und Befürworter einer Stadtbahn stehen sich überaus konfrontativ gegenüber, bisweilen sogar an der Grenze zur Feindseligkeit. In einem wichtigen Punkt aber sind sie sich einig: Das Wissen der Bürger über das Mega-Projekt lässt vielfach zu wünschen übrig. Christian Pöschl von der Initiative „Gleisfrei Regensburg“ sprach in der MZ erst kürzlich von einer „relativen Uninformiertheit der Bürger“, Stadtbahn-Fan Bernd Edtmaier forderte im gleichen Artikel verstärkte Aufklärungsaktivitäten seitens der Stadt.

Die Erfahrung der zurückliegenden Monate zeigt allerdings, dass die städtischen Versuche zur Faktenvermittlung bei den Skeptikern oft als Schönfärberei wahrgenommen werden. Die Frage, wo Information endet und wo Werbung beginnt, hat ihre Berechtigung – bei der Diskussion über die Stadtbahn scheint das bestehende Misstrauen jedoch oft die Bereitschaft zur Wissensgenerierung zu überlagern.

Wiesbaden als Mahnung

Dieses Dilemma hat auch Tim Peter erkannt. Der 21-Jährige ist in Regensburg geboren und aufgewachsen, lebt derzeit aber in Wiesbaden, wo er Mobilitätsmanagement studiert. Seine Heimatstadt hat er dabei immer im Blick. Das Ziel seines Studiums sei nämlich, „die Mobilitätswende in Regensburg voranzubringen“. Daher hat er zahllose Stunden Freizeit geopfert, um die Internet-Seite www.regensburg-mobil-mit-stadtbahn.de zu konzipieren und damit ausführlich, übersichtlich und nachvollziehbar über das Thema zu informieren.

Allein der Domain-Name legt schon nahe, wohin die Reise bei Peter grundsätzlich geht. Er macht auch überhaupt kein Hehl aus seiner Meinung und lässt bereits auf der Startseite weitere bekannte Stadtbahn-Anhänger zu Wort kommen. „Ich glaube, dass die Stadtbahn ein wichtiger Teil der Mobilitätswende ist“, lautet seine Überzeugung. Das bestehende Regensburger Bussystem findet er zwar passabel, aber von der Kapazität her in jeglicher Hinsicht am Anschlag. „Der ÖPNV in Regensburg ist mit der langsamste in ganz Deutschland.“

In seiner aktuellen Wahlheimat ist es nicht besser. „Ich sehe hier in Wiesbaden jeden Tag, wie groß die Verkehrsprobleme sind“, sagt er über die Zustände in der hessischen Landeshauptstadt, wo im Jahr 2020 ein Straßenbahn-Projekt am „Nein“ der Bürger gescheitert war. Wirklich tragfähige Alternativ-Lösungen hat es seither nicht gegeben.

Keine Experimente

Der Test von Doppel-Gelenkbussen verlief im vergangenen Sommer zwar prinzipiell erfolgreich, aber die Bus-Riesen sind teuer in der Anschaffung und brauchen wegen ihres Gewichts betonverstärkte Trassen. Weil obendrein die Zuschussfähigkeit in Frage steht, will Peter seiner Heimat ähnliche Experimente ersparen. „In neuen Straßenbahnprojekten steckt enormes Potenzial“, heißt seine Lösung, von der auch Regensburg profitieren soll.

Bis hierhin hört er sich also wie ein ganz normaler Stadtbahn-Fan an. Dennoch unterscheidet sich seine Internet-Seite gravierend von anderen Informationsquellen. Erstens nehmen bei Peter Aspekte wie ein attraktiverer Fuß- und Radverkehr sowie Möglichkeiten zur Stadtgestaltung sehr großen Raum ein, zweitens hält er auch mit kritischen Fragen zur Stadtbahn nicht hinterm Berg.

Vielfach vermutete oder tatsächlich drohende Nachteile wie hohe Kosten, Geräuschentwicklung, langwierige Baustellen und ökologische Eingriffe werden klar benannt und beschrieben, jeder Leser kann selbst eine Wertung vornehmen, die einzelnen Punkte einordnen und den erhofften Vorteilen gegenüberstellen. „Ich wollte Objektivität und Sachlichkeit in die Diskussion bringen und mit Fakten überzeugen. Vor allem wollte ich die Sache nicht zu stadtbahnlastig gestalten, sondern das gesamte Mobilitätskonzept beleuchten“, erklärt Peter sein Motiv.

Weil er dabei durchaus einen wissenschaftlichen Anspruch hatte, ließ er sich auch von seinen Professoren beraten. Mit dem Ergebnis ist der 21-Jährige zufrieden, er betrachtet es als Kontrapunkt zu der aus seiner Sicht zu lauten und oft unsachlichen Vorgehensweise der Projektgegner. „Deren Ausführungen wollte ich nicht unwidersprochen stehen lassen.“

Er zählt auf seine Generation

Diesen Kampfgeist hält er bei seinen Altersgenossen für weit verbreitet. „Die meisten von uns sind intermodal und klimabewusst unterwegs. Deshalb ist es auch so wichtig, dass möglichst viele Mitglieder der jungen Generation mit abstimmen, wenn die Bürgerbefragung zur Stadtbahn stattfindet“, sagt Peter.

Dass kürzlich bei einer Info-Veranstaltung an der OTH Regensburg leidenschaftlicher über das Campusfest als über die ökologische Verkehrswende debattiert wurde, weiß er – einen Widerspruch sieht er aber nicht: „Klar ist es enttäuschend, wenn bei manchen der Weitblick fehlt. Aber die Gegner sind immer lauter, von den Befürwortern hört man weniger. Das ist in jeder Generation so.“