Kontraste in der Stadtpfarrkirche in Bad Kötzting: Von düster und irritierend zu hell und freundlich

Von Stefan Weber · 14. Februar 2024 um 11:00

Dass Bad Kötztings Stadtpfarrer Thomas Winderl von sich selbst sagt, kein Künstler zu sein, das wissen die Gläubigen mindestens seit zwei Jahren. Damals hatte er zwar die Idee für ein Hungertuch, mit dem während der Fastenzeit der Altar verhüllt wird, das „irritieren“ sollte, konnte es künstlerisch aber nicht selbst umsetzen. Kunstlehrer Christian Riederer kümmerte sich damals um die Umsetzung eines 5 mal 2,16 großen Hungertuches, das düster war und zum Nachdenken anregen sollte. Zwei Jahre lang wurde dieses Hungertuch genutzt, für die nun beginnenden Fastenzeit sollte es etwas Neues sein.

Gemeinsam geben der Pfarrer und der Künstler schon am Tag vor dem Aschermittwoch den Blick frei auf das, was in den kommenden Wochen den Blick auf den Hochaltar verhüllen wird – oder doch nicht ganz. Nach gut zehn Quadratmetern Fläche, die das Hungertuch der vergangenen beiden Jahre eingenommen hat, wird es dieses Jahr richtig groß – und freundlich, hell. Ganze vier Stoffbahnen sind es, die im aktuellen Hungertuch verarbeitet worden sind, das sich auf vier Metern Breite und zehn Metern Höhe komplett von der Decke bis hinab auf den Fußboden des Altarraums erstreckt.

Die Hoffnung aller Christen

Das Gemeinschaftsprojekt, das mit den helfenden Händen vieler weiterer Pfarreimitglieder geschaffen wurde, sei dieses Mal bewusst weniger düster ausgefallen als beim letzten Mal, sagt Riederer. Es stehe für das, was Christen sich an Ostern erhoffen dürften und könne in der Symbolik, die mit den vier jeweils ein Quadratmeter großen Leinwänden in der oberen Hälfte auch hoffnungsvolle Motive auf.

Das Hungertuch ist fast durchsichtig, aber eben nicht ganz. Im Hintergrund ist der Altar fast noch zu sehen, wie ein Schleier, der „die Situation zwar sehen lässt, aber nicht, was dahinter ist“, sagt Pfarrer Winderl. Es sei wie mit der Hoffnung aller Christen auf die Auferstehung, sagt der Pfarrer: „Wir können nur die Bilder beschreiben, was wirklich ist, das wissen wir nicht.“

Der Totentanz im Schiff

Für ihn könne das Hungertuch auch wie der Vorhang im Tempel in Jerusalem gesehen werden, der in der Todesstunde Jesu zerrissen sei. Christian Riederer, der in den von ihm gestalteten Quadraten das Emblem am Sockel des Volksaltars aufgegriffen hat, sieht in den golden gehaltenen Vierteln des Kreises (der für Vollkommenheit steht) und den bronzenen Ecken auch ein Bild für die „Quadratur des Kreises“, die Gott schafft. Die Frage, die sich beide im Prozess der Gestaltung gestellt hätten, habe gelautet: „Wie drückt man Hoffnung aus?“

Das Kreuz in der Mitte, das durch den Stoff am Morgen von der Rückseite und am Abend von vorne durch die Sonne angestrahlt wird, sei die Lösung gewesen. Das Kreuz auf reinem, weißen Untergrund, der als Kontrapunkt zur Sündhaftigkeit stehe und dabei eben nur fast den Blick auf das freigibt, was dahinter liegt – das sei das Konzept des Hungertuches.

Das Leiden der Menschen wird aber auch in diesem Jahr in Darstellungen seinen Platz während der Fastenzeit in der Kirche finden, und zwar mit gut einem Dutzend von Bildtafeln der Münchner Künstlerin Angela Eberhard. Sie hat sich anhand von Figuren mit dem Tod und seinen verschiedenen Erscheinungsformen auseinandergesetzt. Dargestellt werden Menschen in verschiedenen Situationen, egal ob jung und alt, in denen die Menschen der Tod ereilen kann. In der Kirche Mariä Himmelfahrt werden allerdings nur Bildtafeln des Totentanzes an den Seiten des Kirchenschiffes ausgestellt werden, aus Kostengründen. Für die Gottesdienste am Sonnabend und Sonntagvormittag werden die Figuren, die mit der Darstellung des Todes auf die Hoffnung auf die Auferstehung zum Hungertuch hinführen sollen, abgenommen werden, sagt der Pfarrer. Mit Rücksicht auf die Kinder. Nicht, dass das Thema Tod von ihnen ferngehalten werden solle: Aber völlig unvorbereitet sollten sie auch nicht damit konfrontiert werden, sagt Stadtpfarrer Thomas Winderl.

Geduldiger Tod heißt diese Darstellung.