Erst Forbes-Liste, jetzt Chefposten: Maximilian Wühr aus Bad Kötzting setzt auf E-Autos

Vor einem Jahr machte der aus Bad Kötzting (Landkreis Cham) stammende Maximilian Wühr erstmals von sich reden, als ihn das Forbes Magazin zu einem der „30 unter 30“ kürte. Damals war er für die Expansion von Finn Auto in den USA verantwortlich, ein Jahr später will er als CEO vor allem mehr E-Autos.
Eine Nennung in dem seit 1917 erscheinenden Wirtschaftsmagazin Forbes, das weltweit zu den erfolgreichsten und bekanntesten zählt, das ist schon etwas Besonderes.
Im Alter von damals 27 Jahren wurde Wühr zu den 30 „spannendsten Unternehmerpersönlichkeiten“ des Jahres im Alter von unter 30 Jahren gezählt. Gemeinsam mit Freunden hatte er 2019 die Firma Finn Auto gegründet – ein Unternehmen, das Fahrzeuge im Abo-Modell anbietet.
100 Millionen neu investiert
In der Zwischenzeit hat sich viel getan: Während Wühr vor einem Jahr gerade dabei war, Finn in den USA zu etablieren, ergab sich bereits wenige Monate später die Möglichkeit, den Chefposten zu übernehmen – eine Chance, die er sich nicht entgehen ließ. Doch nicht nur darum sei es ein „sehr turbulentes Jahr gewesen“, sagt er nun im Gespräch mit unserer Zeitung.
Eine steigende Inflation wirke sich eben nicht nur in Privathaushalten, sondern auch auf Unternehmen wie Finn aus. Doppelte Zinsen, das habe auch zur Folge gehabt, dass die Fahrzeuge teurer geworden seien und die Einschätzung, wie hoch der Restwert ausfällt, wenn Finn die Fahrzeuge wieder weiterverkaufen will, schwieriger geworden sei. „2023 hat viele ängstlich gemacht, aber wir glauben, dass die Risiken überschätzt werden“, sagt der heute 29-Jährige und zeigt sich überzeugt: „Wir können das schon richtig einschätzen.“
Zu dieser Einschätzung scheint zu passen, dass das Unternehmen erst Mitte Januar 100 Millionen durch Investoren hat gewinnen können, wodurch der Wert von Finn laut Branchen-Kreisen von einer halben Milliarde Euro auf 600 Millionen Euro gestiegen sein soll. Maximilian Wühr kann das Vertrauen der Investoren auch mit Zahlen aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr erklären: „Wir konnten den Umsatz durch die Abos von 120 Millionen im Jahr zuvor auf 160 Millionen Euro steigern“, sagt er und zeigt sich überzeugt, dass der Umsatz im laufenden Jahr noch stärker steigen werde.
Eine Entwicklung, die der ehemals für den Aufbau des US amerikanischen Marktes Verantwortliche im Unternehmen aktuell aber vor allem in Deutschland sieht, und das vor allem mit immer mehr Elektroautos. „Darin sehen wir die Zukunft“, sagt Wühr, auch „wenn wir nicht wie der Pfarrer damit durchs Dorf gehen und missionieren wollen“. Langfristig werde sich die Technik durchsetzen, und darum soll der Anteil der Elektroautos in der Flotte von aktuell 34 Prozent auf bis zu 40 Prozent in diesem Jahr gesteigert werden und bis 2027 eine Quote von 80 Prozent erreichen.
E-Mobilität vor Wachstum
Wenn das Geschäftsjahr schon aufregend gewesen ist, dann gilt das natürlich auch für das private Leben. Im Oktober zog Wühr zusammen mit seiner Frau wieder nach München, wo auch der Firmensitz von Finn ist. Ein Umzug weg von der Weltmetropole New York, in der auch freie Wochenenden nicht entspannt gewesen seien, und wo mit der Aufgabe der Expansion des Unternehmens nach Nordamerika viele Gespräche online stattgefunden hätten, zurück an die Isar, wo die Arbeitstage zwar nicht kürzer seien, die Treffen dafür wieder persönlich(er), das sei ein positiver Unterschied. „Es ,menschelt‘, und das motiviert“, meint er.
In einem Jahr ist der ehemalige „30 unter 30“ dann auch schon selbst 30 – was sich bis dahin noch bewegen soll? Finn soll innerhalb der kommenden zwei Jahre profitabel werden, sagt der CEO, und dafür seien die 100 Millionen Euro aus dem Januar sehr wichtig, damit die in mehr E-Mobilität für die Abo-Autos investiert werden können. Vorerst bleibe der Fokus von Finn darum vor allem auf Deutschland, wo die Geschäfte schon jetzt sehr gut liefen, und auf den Vereinigten Staaten. Das Motto des neuen Chef lautet: „Lieber weniger Wachstum in den USA und insgesamt mehr E-Mobilität, das macht uns auch nachhaltiger.“
Im nächsten Jahr nicht mehr zu den „unter 30“ zu gehören, das macht ihm nichts aus. „Das Alter ist egal, Zeit vergeht immer“, sagt er. Wichtig sei dabei nur, weiter Erfahrungen zu sammeln, für die es eben Zeit brauche. Neben immer mehr Erfahrung setze er außerdem auch auf Herausforderungen, von denen es sicher mehr als genug geben werde in den kommenden Monaten und Jahren.
Das Auto-Abo
Wie es funktioniert: Aus einem Sortiment wählen die Kunden Modell, Abolaufzeit und Inklusivkilometer. Finn verspricht, dass mit wenigen Klicks bestellt werden kann – das Abo soll in weniger als fünf Minuten abgeschlossen werden können.
Laufzeit:Im Prinzip könnten sich Kunden jeden Monat ein neues Auto bestellen, üblich sind mehrere Monate am Stück. Die Dauer ist – und das ist der Unterschied zum klassischen Leasing – flexibel. So können Kunden auch Modelle oder Antriebe wie zum Beispiel Elektroantriebe testen und sich nach einer frei festlegbaren Testphase dafür entscheiden.
Lieferung: Finn liefert das Auto direkt vor die Haustür – dabei ist es egal, ob sich Kunden für sechs oder zwölf Monate Abolaufzeit entscheiden.
Preise: Auf der Website finden sich aktuell über 150 Modelle unterschiedlicher Hersteller, die Preise beginnen bei 349 Euro pro Monat bei einem Fiat 500 und steigen etwa über einen Opel Grandland (519 Euro), Audi A6 Avant (769 Euro) auf bis zu 2399 Euro Euro für einen Audi RS 7 Sportback.
Vorteil für Abonnent: Maximilian Wühr beschrieb das bereits im vergangenen Jahr so: „Warum sollte man ein Auto kaufen, das 50 bis 60 Prozent eines normalen Jahres-Brutto-Lohnes ausmacht, das beim Verlassen des Hofes schon gut 20 Prozent an Wert verloren hat?“