Bad Kötztinger sorgt mit der etwas anderen Auto-Vermietung weltweit für Aufsehen

Weltweit sorgt ein 27-Jähriger Bad Kötztinger (Landkreis Cham) derzeit für Aufsehen mit einem Unternehmen, das er zusammen mit Freunden gegründet hat: Die Firma „Finn“ vermietet Autos, aber anders, als es andere tun, wie Maximilian Wühr erklärt.
Mit seinen 27 Jahren zählt das Wirtschaftsmagazin Forbes Maximilian Wühr zu den besten „30 unter 30“ Jahren – bekannt ist das Magazin auch Nicht-Wirtschaftsinteressierten wohl durch die regelmäßigen Listen der reichsten Menschen weltweit. Bis dahin dürfte es für den Bad Kötztinger wohl noch ein weiter Weg sein, aber er hat ja noch Zeit.
Viel Zeit hat der Sohn von Tina und Erich Wühr in den vergangenen knapp zehn Jahren – so lange liegt sein Abitur in Bad Kötzting zurück – nicht verstreichen lassen, um sich in verschiedenen neuen Unternehmen zu engagieren. Vor drei Jahren gründete er gemeinsam mit Freunden die Firma Finn, ein Unternehmen, das zu einem Festpreis Autos monatsweise an die Kunden vermietet und dabei bis auf den Sprit (oder Strom) alle Kosten übernimmt – von der Versicherung bis zu Reparaturen. Einfacher und vor allem flexibler als klassisches Leasing, wie er sagt.
Der Trick: Zeitlich flexible Autovermietung
„I bin a Autovermieter“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung, das er via Internet von seinem Büro in New York aus führt. Zumindest sei das sehr oft seine kurze Erklärung dafür, was Finn mache. Bei ihm ist es später Vormittag, den Termin bucht macht über das Internet in seinem Kalender als 30-Minuten-Zeitfenster. Maximilian Wühr hat viel vor, will als Verantwortlicher für die Expansion der Firma in den USA an diesem Tag noch von New York nach Detroit fliegen, um sich mit Vertretern von Ford und General Motors zu treffen. „Autos kaufen, Sie wissen schon...“ sagt er.
Die meisten Fahrzeuge der Flotte von Finn – rund 20.000 in Deutschland und 1500 in den USA – gehörten der Firma, die momentan auf einen Wert zwischen 100 und 500 Millionen Dollar geschätzt wird. Die Idee, Autos für eine vom Kunden selbst gewählte Dauer zu vermieten, sei dabei gar nicht neu. Mehrere Hundert Mitbewerber gebe es auf dem Markt bereits.
Besser als 400 andere
„Was wir besser machen als alle anderen? Wir lösen alle Probleme für die Kunden, bringen das Auto direkt vor die Haustüre, sind maximal flexibel und gestalten alles so einfach wie möglich“, sagt Wühr – und die CO2-Bilanz gleiche man auch noch aus. Dass die Finn-Art der Autovermietung nicht für jeden etwas sei, sei ihm und seinen Mitinhabern klar. „Wenn für Dich ein sechs Jahre alter Gebrauchter ok ist, dann sind wir nicht die richtigen“, lautet seine Überzeugung. Wer aber regelmäßig in einem neuwertigen Fahrzeug , nicht zehn Jahre im selben, oder einfach einmal ein E-Auto für sechs Monate testen möchte, für den sei Finn die richtige Wahl.
„Deutschland um Jahre voraus“
Dass der Markt in Deutschland anders funktioniere als in den Vereinigten Staaten, sei auch klar. „Da ist Deutschland um Jahre voraus“, sagt der 27-Jährige. An der Ostküste der USA, da habe Finn schnell Fuß fassen können, „aber in der Mitte, da wird schon einmal ein Pickup-Truck gekauft und 20 Jahre lang gefahren“. Das sei nicht die Kundschaft von Finn. „Macht aber auch nix“, weiß Maximilian Wühr. Selbst wenn in zehn Jahren der Anteil von Abo-Autos bei Neuwagen nur bei 10 Prozent liegen sollte, sei das Potential riesig: „Wir sind im Moment gerade einmal bei 0,05 Prozent“, rechnet er. Das gelte auch für die Erschließung neuer Märkte außerhalb der USA und Deutschland.
Ob er dann selbst der Mann sei, der das übernehmen werde, lasse der offen. „Ich kann gut Verantwortung abgeben und bin auch gerne zu Hause“, sagt er. Bis Ende des Jahres werde er in den USA wohnen und nur selten nach Deutschland reisen.
Was bedeutet 30 unter 30?
Was der Titel 30 unter 30 nun für ihn bedeutet? Vorgeschlagen habe ihn ein Freund; Erfahren von der Aufnahme ins Magazin in die Liste der deutschsprachigen Unternehmer habe er durch seine Frau. Eine schöne Sache – doch dass die Meinung anderer nicht immer bedeute, dass der Weg eines Unternehmens richtig sei, das habe er spätestens im Alter von 22 Jahren festgestellt. Damals habe er für ein junges Unternehmen gearbeitet, das Kredit-Lösungen für Banken in den USA digitalisieren wollte. Das hätten viele in seinem Umfeld für eine sehr gute Idee gehalten, die von den Kunden aber auch „wirklich niemand haben wollte“, erinnert er sich. „Ich habe gelernt, dass es nicht nur auf externe Meinungen ankommt“, sagt der 27-Jährige.
Darum bildet er sich jetzt eben selbst seine Meinung darüber, was die besten Versicherungen für Autos in den USA sind, sucht die besten Mitarbeiter selbst aus und macht sich auf den Weg, mit der Autovermietung mit Sitz in München die Staaten zu beliefern.
Info: Das Auto-Abo
Wie es funktioniert: Aus einem Sortiment wählen die Kunden Modell, Abolaufzeit und Inklusivkilometer. Finn verspricht, dass mit wenigen Klicks bestellt werden kann – das Abo soll in weniger als fünf Minuten abgeschlossen werden können.
Laufzeit:Im Prinzip könnten sich Kunden jeden Monat ein neues Auto bestellen, üblich sind allerdings mehrere Monate am Stück. Die Dauer ist dabei allerdings – und das ist der Unterschied zum klassischen Leasing – völlig flexibel. So können Kunden auch Modelle oder Antriebe wie zum Beispiel Elektroantriebe testen und sich nach einer frei festlegbaren Testphase dafür entscheiden.
Lieferung:Finn liefert Ihnen das Auto direkt vor die Haustür – dabei ist es egal, ob sich Kunden für sechs oder zwölf Monate Abolaufzeit entscheiden.
Preise:Auf der Website finden sich aktuell knapp 20 Hersteller, die Preise beginnen bei 319 Euro pro Monat bei einem Fiat 500 und steigen etwa über einen Opel Insignia ST (589 Euro), Audi Q3 (719 Euro) auf bis zu 2439 Euro für eine Audi RS 6 Avant.
Vorteil für Abonnent:Maximilian Wühr beschreibt das so: „Warum sollte man ein Auto kaufen, das 50 bis 60 Prozent eines normalen Jahres-Brutto-Lohnes ausmacht, das beim Verlassen des Hofes schon gut 20 Prozent an Wert verloren hat?“