Karl Necker aus Neustadt plant 2800 Kilometer lange Radtour nach Rumänien – „Das ist wie Pilgern“

Von Jochen Dannenberg · 12. Februar 2024 um 19:00

Wo andere mit dem Flugzeug hinfliegen, um Urlaub zu machen, nimmt Karl Necker sein Fahrrad. Spanien, Griechenland waren seine Ziele in den letzten Jahren. Jetzt will es der Neustädter Langstreckenradfahrer, wieder wissen. Er peilt eine fast 3000 Kilometer lange Tour an. So bereitet er sich vor.

Karl Necker steht in seiner Garage. Es scheint zwar die Sonne, aber draußen ist es noch kalt. Dennoch ist der 64-Jährige in seiner unbeheizten Garage. Hier hat er eine große Werkbank, einen Montageständer und jede Menge Spezialwerkzeug für Fahrräder, von denen aber nur eines da ist – das Tourenrad.

Damit ist der gelernte Landmaschinenmechaniker vor zwei Jahren auf dem Jakobsweg durch die Pyrenäen gefahren und vor einem Jahr war er damit in Griechenland. Beide Touren fuhr er „einfach“ – hin mit dem Flugzeug und zurück mit dem Rad. Beide Male waren die Strecken rund 3000 Kilometer lang und jedes Mal gehörten hohe Berge dazu. Jetzt steht die nächste große Fahrt bevor.

2800 Kilometer in 17 Tagen

„Ich will nach Neustadt in Rumänien fahren“, sagt Karl Necker. Das heißt eigentlich Cristian, hieß aber früher mal Neustadt, wurde im Jahr 1200 gegründet und befindet sich sieben Kilometer entfernt von Brasov, dem früheren Kronstadt, dem Zentrum Siebenbürgens, das heute Transilvanien heißt. Anlass ist das Treffen der Gruppe „Neustadt in Europa“ vom 8. bis 10. August in Cristian-Neustadt. Da will Necker hin. 2800 Kilometer sind es von Neustadt a.d. Donau bis in die Stadt in Siebenbürgen.

Der 64-Jährige steckt mitten in den Vorbereitungen. Die Strecke ist ausgearbeitet. Karl Necker hat sich ein Roadbook erarbeitet, das ihm genau die Route vorgibt. In dem Roadbook ist auch notiert, wo sich Ortschaften befinden und wie groß sie sind. „Ich rechne mit 17 Tagen, die ich bis zum Ziel brauche“, sagt Karl Necker. Durchschnittlich wird er damit pro Tag 170 Kilometer zurücklegen. Zehn, zwölf Stunden wird er jeden Tag unterwegs sein, schätzt der Neustädter.

Auch ein Badeurlaub am Schwarzen Meer ist eingeplant. Dabei handelt es sich aber um eine Vorsichtsmaßnahme, wie der 64-Jährige erklärt. „Es kann ja sein, dass ich eine Panne habe und deshalb nicht so vorankomme wie geplant.“

Bisher hat er derartige Puffertage nicht gebraucht, denn sein Fahrrad lief wie am Schnürchen. Was an der Vorbereitung gelegen haben könnte. Dafür hat Necker seine Werkstatt. Hier wird das Fahrrad nach jeder Ausfahrt sofort geputzt und kontrolliert. Die meisten Reparaturen führt der 64-Jährige selbst durch. Auch deshalb ist das 19 Jahre alte Fahrrad, das einst 1200 Euro gekostet hat, noch immer top in Schuss.

Und so wie das Rad ist auch Karl Necker selbst gut in Form. Normalerweise ist er pro Jahr 8000 Kilometer auf dem Fahrrad unterwegs, im vorigen Jahr waren er sogar 12.000 Kilometer. „Aber im Winter ist Pause. Der Körper muss sich regenerieren“, sagt der Rentner. Untätig ist er deshalb jedoch nicht. Karl Necker ist viel zu Fuß unterwegs, er bringt es auf 80 Kilometer pro Woche. Erst im März, wenn es warm wird, steigt er wieder aufs Rad. Kleine Touren mit 35, 40 Kilometern stehen am Anfang. Dann geht es auf 80 Kilometer und schließlich sogar 200 bis 300 Kilometer. Viermal pro Woche fährt Necker – zur Abwechslung auch gerne mit seinem Rennrad.

Am Anfang tut alles weh

Der Beginn des Trainings auf dem Fahrrad wird anstrengend. „Da tut dir alles weh, der Po, die Schultern“, sagt der 64-Jährige. Dennoch will er sich auch in diesem Jahr wieder darauf einlassen. Damit es zumindest unterhaltsam wird, fährt er gern auch mit anderen Radlern – „montags mit den Neustädter Montagsradlern, freitags mit den Freitagsradlern und samstags mit einem Spezl und einmal fahre ich allein“.

Auf der Tour nach Rumänien wird er tagelang allein sein. Graust es ihm nicht vor dem Alleinsein? Karl Necker winkt ab. „Ich grüße jeden, der mir entgegen kommt“, sagt er. „Da kommt man immer wieder mit jemanden ins Gespräch.“ Auch deshalb freut er sich auf Besuche in kleinen Dorfläden entlang der Strecke. Sie bringen Abwechslung ins ewige Radfahren.

„Außerdem hat man viel Zeit zum Nachdenken“, sagt der 64-Jährige. „Und mit jedem Kilometer, den man zurücklegt, steigt die Zufriedenheit. Das ist ein bisschen wie Pilgern.“ Der Lohn der Quälerei: Am Ende der Tour wartet Ehefrau Claudia auf ihn.

Bis es soweit ist, geht er noch manches Mal in seine Werkstatt und kontrolliert das Rad für die große Tour. Gerade hat er wieder einen Satz Ritzel entsorgt und bei einem anderen Satz die abgefahrensten Ritzel auswechseln lassen. Die neue Saison kann kommen, nur etwas wärmer muss es noch werden.

Viel Werkzeug braucht es nicht, um ein Fahrrad zu reparieren. Foto: Dannenberg
Auf seine Tour im Sommer hat sich der Neustädter akribisch vorbereitet. Foto: Dannenberg