Mit Lebensmittel-Automaten gut im Geschäft: Traditionsbetrieb aus Winklarn sucht Nachfolge

Von Mittelbayerische Zeitung · 11. Februar 2024 um 17:00

Ein Alter von 60 Jahren ist ein guter Zeitpunkt für einen Unternehmer mit Familienbetrieb, sich über eine Nachfolge Gedanken zu machen. Das trifft besonders zu, wenn sich aus der Familie kein Nachfolger abzeichnet. Stephan Gebhard aus Winklarn (Landkreis Schwandorf) hat inzwischen einen Plan – und hat dabei Hilfe.

Der Unternehmer arbeitet unter anderem mit den „Nachfolgelotsen“ der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, der Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz/Kelheim und der Hans-Lindner-Stiftung zusammen.

Wenn sich Unternehmer beklagen, dass ihnen die Kundschaft weg bricht, liegt es manchmal daran, dass Strukturen oder Sortimente einfach nicht mehr benötigt werden oder sie von anderen Trends überholt werden. Ein kreativer Unternehmer trägt dem Rechnung, indem er eigene Wege entwickelt und erfolgversprechende Ideen zeitnah in die Tat umsetzt – so wie Stephan Gebhard.

Die Winklarner Firmentradition fing 1844 an

Im Gespräch mit der Mittelbayerischen präsentiert er stolz eine vergilbte Urkunde mit dem Siegel der Grafenfamilie Du Moulin Eckart, die 1803 den Herrschaftssitz Winklarn erworben hatte. Sie erlaubte seinem Ururgroßvater, ab 1844 neben einer Landwirtschaft auch eine Messerschmiede zu betreiben. „Wir können also heuer 180-jähriges Bestehen feiern“, betonte Gebhard.

Daraus entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus der eigenen Metzgerei ein Unternehmen für Metzgerei- und Gastronomiebedarf, das später in eine GmbH überführt wurde. Das Sortiment reicht heute von der Wurstpelle über Gewürze bis zum Handwerkszeug für den Metzger, die entsprechenden Maschinen und jede Menge nützliche Helfer.

Bereits zur Jahrtausendwende wurden die Zeichen der Zeit erkannt und das komplette Sortiment im Internet-Handel angeboten. Der blüht vor allen noch mit Tschechien. Stephan Gebhard ist auch stolz darauf, fließend tschechisch und slowakisch sprechen zu können.

In Deutschland sieht das anders aus. So bestand der Kundenstamm zu Beginn der 80er Jahre noch aus rund 800 Metzgereien. Die schrumpften zusehends auf 240 nach dem Millenium zusammen. Aktuell seien es gerade noch 140. Heute liege der Anteil, den der Metzgerei- und Gastronomiebedarf am Gesamtumsatz ausmacht, laut Gebhard bei acht Prozent.

Klare Vorgaben für die Betriebsnachfolge

„Mittlerweile haben wir wieder über 2000 Stammkunden – allerdings im Bereich der Automaten“, sagt der Unternehmenschef. Schon früh hatte er erkannt, dass Fachkräfte zur Mangelware wurden. Deshalb sah er im Verkauf mittels Automaten eine Zukunftsbranche. Diese bietet er sowohl zum Kauf als auch im Mietservice an – und das inzwischen bundesweit vom Schwarzwald über die Nordseeküste bis nach Berlin. Ganz aktuell hat er in einer Tankstelle in Rötz einen „Show-Room“ eröffnet, der zugleich als Muster für automatisierte Firmenkantinen dien soll.

Das Herzstück ist unter anderem eine Station für warmes Essen. Aus dem Automaten können verschiedene Mahlzeiten ausgewählt werden, die dann in einem Spezialgerät innerhalb einer Minute erwärmt werden – und zwar ohne Mikrowelle. Das Geheiminis steckt hinter einer Schweizer Erfindung mit rund 200 Grad heißem Dampf.

Alle Automaten werden in Winklarn mit hochwertigen Komponenten nach den Wünschen der Kunden bestückt. Das neueste Projekte sind ganze Container, die nur an ihren Einsatzort transportiert werden müssen und innerhalb von drei Tagen einsatzbereit sind.

Für seine Betriebsnachfolge hat Gebhard eine klare Vorgabe: „Ich möchte mich darauf verlassen können, dass die Kunden, mit denen wir über 40 Jahre gut zusammengearbeitet haben, nicht plötzlich allein in der Wüste stehen“, betont er. Unter den mittlerweile 40 Bewerbern seien rund die Hälfte dabei gewesen, die ohne jegliches eigenes Know-how kaufen wollten. Sie seien von vornherein ausgeschlossen worden.

Er wünschte sich einen „gleitenden Übergang“, bei dem er sich sogar vorstellen könnte, noch eine Zeit als technischer Mitarbeiter im Betrieb zu bleiben. Dabei spiele es keine Rolle, ob jemand den Betrieb selbst oder nur als Käufer im oben genannten Sinn weiterführen möchte.

Die Geräte lassen sich überall bequem platzieren. Sie bilden inzwischen den größten Umsatzfaktor beim Metzgereibedarf Gebhard. Fotos: Stephan Gebhard
Es hat sicher mit den Wurzeln des Unternehmens zu tun, dass in den Automaten auch Fleischprodukte angeboten worden. Häufiger nutzen Metzgereien das Angebot nach der Geschäftsaufgabe.