Veronika Amrhein ist die neue Oberin in Neunburg – Orden hat Nachwuchssorgen

Von Ralf Gohlke · 1. Februar 2024 um 16:59

Das Gründerhaus des Ordens der armen Schulschwestern von unserer lieben Frau hat eine neue Oberin. Seit November 2023 leitet Schwester Veronika Amrhein die Geschicke des Klosters in der Pfalzgrafenstadt. Die gelernte Erzieherin hat viele Stationen durchlaufen und war zuletzt Oberin des Mutterhauses in München.

Die Berufung dazu ist auf maximal zweimal drei Jahre begrenzt, sodass sie nun eine neue Aufgabe in Neunburg übernommen hat. Geboren und aufgewachsen ist Veronika Amrhein im Spessart, im sogenannten Räuberland. Die kleine Gemeinde Heimbuchenthal bot zum Teil die passende Kulisse für die beiden Filmkomödien „Das Wirtshaus im Spessart“ (1958) und „Das Spukschloss im Spessart“ (1960) mit Lieselotte Pulver und anderen Stars der deutschen Filmgeschichte.

Pädagogische Ausbildung

Die heutige Klosterschwester wuchs mit vier Geschwistern in einer wohlbehüteten Familie auf. Ihr Vater war technischer Angestellter und ihre Mutter unterstützte den Großvater in seinem Schuhgeschäft. Für den Eigenbedarf gab es eine kleine Landwirtschaft.

Nach ihrer Schulzeit absolvierte Amrhein zunächst eine Ausbildung in Hauswirtschaft und Kindererziehung. Dem schloss sich eine weitere Ausbildung zur Kinderpflegerin und Erzieherin an. Hier bekam sie den Kontakt zu den armen Schulschwestern. Der Umgang miteinander und die Gemeinschaft führte dazu, dass etwas vom Geist der Arbeit der Mutter Theresia Gerhardinger von vor über 190 Jahren bei ihr angekommen sei, betonte sie im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

1978 Ruf der Kirche gefolgt

Geprägt habe sie vor allem die Zeit in Neumarkt/St. Veith und in Würzburg. Nach vier Jahren Berufserfahrung reifte in ihr 1978 der Wunsch, ins Noviziat zu gehen, das sie am Ende mit der Profess, dem Treuegelübde, abschloss. Nach eigener Aussage habe sie im Anschluss gleich mit „Feuereifer“ ihre Arbeit in Moosburg begonnen, in einem großen Haus mit neun Gruppen. 14 Jahre war sie dort tätig und pflegt noch heute Kontakte dorthin. Es folgte eine ebenso spannende Zeit an einer Realschule mit Internat in Weichs bei Dachau. Nach weiteren Stationen, unter anderem in Niederbayern, kehrte sie 2004 in die westfälische Provinz zurück. Dabei sei es ihr wichtig gewesen, die Verbindungen nach Bayern nicht abzubrechen.

Schließlich leitete sie von 2004 bis 2017 das Familienzentrum in Brakel bei Paderborn. „Das war eine Einrichtung für die ganze Familie, von der Kita bis zu den Eltern und Großeltern“, erläutert sie. Damit besitze Nordrhein-Westfalen ein Alleinstellungsmerkmal. Sie war dort zugleich die letzte der armen Schulschwestern in der Leitung der Kita. Gern habe sie die Berufung zur Oberin des Mutterhaus-Konvents in München angenommen. Danach kam der Ruf nach Neunburg. „So kam ich quasi vom Grab der Theresia Gerhardinger zurück zu ihren Wurzeln“, meinte sie mit einem Schmunzeln.

Schwester ist auch in die Kindererziehung eingebunden

Halbtags sei sie hier zusätzlich in der Kindererziehung eingebunden, was ihr viel Freude bereite. Sorge bereite ihr allerdings das Alter der in Neunburg verbliebenen fünf Ordensschwestern. Sie seien zwischen 45 und 81 Jahren alt. Viel werde vom Orden für die Nachwuchswerbung getan und es kämen auch viele junge Frauen, die aber den endgültigen Schritt dann doch scheuen würden. Echten Nachwuchs gäbe es nur in Afrika.

Die neue Oberin sagt, dass sie sich in Neunburg und im Bereich der Pfarrei St. Josef gut aufgenommen und sehr wohlfühlt. Zu ihren Hobbys gehören Schwimmen und Radfahren, aber auch Singen und Gitarre spielen. Umso mehr freue sie das gute musikalische Angebot in der Pfalzgrafenstadt.