Orden mit Oberpfälzer Ursprung: Arme Schulschwestern wurden 1833 in Neunburg gegründet

Von Theo Männer · 22. Oktober 2023 um 19:00

Vor 190 Jahren wurde der Orden der Armen Schulschwestern von unserer lieben Frau gegründet. Ordensgründerin war die Nonne Karolina Gerhardinger aus Stadtamhof. Die Kongregation ist die einzige größere religiöse Gemeinschaft Oberpfälzer Ursprungs.

Die Säkularisation 1803 in Bayern unter Kurfürst Maximilian IV. und seinem allmächtigen Minister Graf Montgelas brachte zwar territorialen Gewinn, stürzte den Staat durch die Aufhebung vieler Klöster aber in eine Bildungsmisere. Den Verlust mussten die Gemeinden ausgleichen, denen der Staat Schulen und Lehrer aufgehalst hatte.

Besonders die Mädchenerziehung auf dem Lande lag im Argen. Neunburg war davon nicht ausgenommen. Vor dem Hintergrund griff die Nonne Karolina Gerhardinger aus Stadtamhof, die nach ihrem Ordensgelübde im Jahr 1835 den Namen Maria Theresia von Jesus annahm, der Regensburger Weihbischof Georg Michael Wittmann und der Neunburger Hofkaplan Franz Sebastian Job in die Geschichte ein.

Gerhardinger wurde zur Gründerin des Ordens der Armen Schulschwestern von unserer lieben Frau. Die Kongregation ist die einzige größere religiöse Gemeinschaft Oberpfälzer Ursprungs. Job garantierte mit Pension und Stiftung die finanzielle Ausstattung. Die Stadt Neunburg verschaffte der neuen Gemeinschaft Unterkunft und Heimat.

An Bürgern gescheitert

Der erste Versuch einer Klostergründung in Stadtamhof scheiterte übrigens an den Bürgern. In Neunburg gab es Überlegungen, das frühere Franziskanerkloster wiederzubeleben. Franz Sebastian Job verwarf diesen Plan, schlug wiederholt vor, „ein Frauenklösterlein in meiner Heimatstadt zu etablieren“. Stadtpfarrer Job und der Magistrat waren skeptisch und lehnten zunächst ab.

Job wollte schon resignieren. Gerhardinger und Wittmann blieben standhaft, der Weg für die Gründung des Klosters war frei. In der siebten Plenarsitzung des Magistrats am 26.Februar 1833 fiel die Entscheidung: Die Stadt stellte die ehemalige Franziskanerkirche für Kapelle, Schule und Schwesternheim bereit und einen benachbarten Grund für ein Lehr- und Wohngebäude und einen Garten. Damit war eine wesentliche Voraussetzung für die Klostergründung in Neunburg gegeben.

Schicksalsschläge gab es aber 1833 und 1834 zu überwinden: Innerhalb eines Jahres starben Bischof Wittmann und Hofkaplan Job. Jetzt erwies sich die Tatkraft von Gerhardinger. Sie musste in Wien das Job’sche Stiftungskapital loseisen, die Genehmigung einholen, die Anerkennung des Ordensstatus erreichen und gleichzeitig in Neunburg die Bauleitung für den Umbau des Klosters übernehmen.

Als Gründungstag des Ordens gilt der 24. Oktober 1833. An diesem Tag begann Karolina Gerhardinger mit einigen Schwestern das klösterliche Leben, allerdings nicht im Kloster, dessen Umbau noch nicht abgeschlossen war, sondern im Haus von Bürgermeister Jakob Wifling in der Vorstadt, dem heutigen Höslhaus am Jobplatz. Die Schule begann mit 250 Werktags- und 150 Feiertagsschülerinnen am 5. November 1833. Die Mädchenschule Neunburg stand bis 1972 unter Leitung der Armen Schulschwestern.

1834 wurde das Stammkloster eröffnet

Am 30. November 1834 fand die Eröffnung des Stammklosters statt. Der Konvent umfasste außer Karolina Gerhardinger zunächst nur zwei weitere Schwestern, bis zum Jahresende waren es schon zwölf.

Für die Schule wurde bis 1836 ein Neubau an der Südwest-Spitze des Klosterareals errichtet. Sie wurde bald als Muster- und Seminarschule anerkannt.

1834 kam von Johann Nepomuk von Ringseis die Anregung, im säkularisierten Dominikanerinnenkloster in Schwarzhofen ein Filiale zu gründen, was 1836 auch geschah. Danach folgten weitere Außenstellen unter anderem in Amberg, Wolfratshausen, Regenstauf, Ingolstadt und Tölz.

Das Interesse an weiteren Filialen führte dazu, dass das Mutterhaus 1843 nach München verlegt werden musste. Für eine zentrale Leitung der größeren Ordensgemeinschaft war das kleine Neunburg nicht mehr geeignet. Damit wurde das Angerkloster in München neues Mutterhaus der Armen Schulschwestern, Neunburg blieb Stammhaus und Ordensniederlassung.

1853 gab es 70 Häuser

Von München aus verbreitete sich die Kongregation rasch in Europa. 1853 existierten bereits 70 Häuser, allein in Bayern gab es 1860 insgesamt 32„Kindergärten“. 1847 brach Gerhardinger sogar nach Amerika auf und gründete Ordenshäuser. In ihrem Todesjahr 1879 war der Orden mit 320Niederlassungen weltweit vertreten.

Zum 50-jährigen Bestehen der Kongregation, 1883, wurde die Klosterkapelle auf Kosten des Generalats renoviert und die Ausstattung komplettiert. 1926 brach die Stadt das Klosterbräuhaus mit dem Pförtnerhaus ab und baute 1927, teils aus Abbruchmaterial, die Mädchenschule im Stil des Historismus. Zur Jahrhundertfeier 1933 schenkte der Orden seinem Stammkloster und der Stadt einen neuen Kindergarten. 1933/34 errichtete Baumeister Adolf Bedacht nach Plänen des Ordensarchitekten Sommersberger zwischen Franziskanerkirche und Mädchenschule den Bau. Der zeitgemäß eingerichtete Kindergarten erhielt auch einen Turn- und Festsaal und einen Spielplatz im Klostergarten. Um die Verbundenheit mit dem Orden zum Ausdruck zu bringen, benannte der Magistrat unter Bürgermeister Carl Maierhofer die Straße vor dem Kloster Theresia-Gerhardinger-Straße.

Es kam nochmals eine Herausforderung: 300 von den Amis befreite KZ-Häftlinge, vorwiegend Polen und Franzosen, wurden ins Hospital 216 verlegt. Zwölf Ärzte aus den KZ-Lagern und Rot-Kreuz-Schwestern aus der Stadt betreuten die Kranken.

Mitte September 1945 nahm Schule wieder Betrieb auf

Dank der amerikanischen Militärregierung konnte der klösterliche Kindergarten im Juni provisorisch in der alten Knabenschule und im August im Kloster eröffnet werden. Auf Befehl der Militärregierung begann Mitte September auch die Schule wieder ihren Betrieb. Im Juni 1946 kam auf das Kloster nochmals eine Herausforderung zu. Unerwartet traf ein Flüchtlingstransport mit Sudetendeutschen ein. Wieder war das Kloster vorübergehend proppenvoll.

Von 1945 bis 1950 sorgten übrigens die Ordensschwestern mit amerikanischer Schulspeisung für die Knaben- und Mädchenschule. Bis Ende 1945 konnte auch die Rechtsgrundlage für die Schule und den Kindergarten geklärt werden: Der Orden war Rechts- und wirtschaftlicher Träger.

1968 kaufte der Orden von der Stadt das Mädchenschulhaus. Vier Jahre später musste er aufgrund des Lehrermangels die Leitung der Volksschule abgeben. Einige Lehrerinnen waren noch lange in der städtischen Grundschule im Einsatz.

Seit 2003 firmiert das Neunburger Stammhaus als Theresia-Gerhardinger-Haus – mit Kindekrippe, Kindergarten und Schülerhort. Dazu war ein Umbau und die Generalsanierung der Gebäude fällig. Bis heute sind die Armen Schulschwestern in Neunburg ihrer langen Schul- und Kindergartentradition treu geblieben.

Eine Büste erinnert an die Gründerin. Foto: Männer, Archiv
Historische Aufnahme vom Klosterareal mit dem Torweiher, der in der Nachkriegszeit schrittweise aufgelassen und eingefüllt wurde. Foto: Männer, Archiv