Nachfolger noch nicht bereit: Aloys Rossmann KG in Oberviechtach sucht Übergangslösung

Von Ralf Gohlke · 31. Januar 2024 um 12:38

Die Aloys Rossmann KG zählt zu den größten Handelsunternehmen der Stadt Oberviechtach (Landkreis Schwandorf) und weit über deren Grenzen hinaus. Hier findet der Kunde alles: von der Beilagscheibe bis zum Stahlträger ebenso wie von der Luxus-Bad-Einrichtung bis zu Haushaltswaren aller Art. Mit der Nachfolgegeneration in der Firmenleitung hat Unternehmer Siegfried Rossmann aber ein Problem.

Nicht nur Landwirte haben es zunehmend schwerer, Hofnachfolger aus der eigenen Familie zu finden. Mit einer ähnlichen Entwicklung haben familiengeführte Unternehmen gleichermaßen zu kämpfen. Deren Kammern tragen dem mit Plattformen und Seminarangeboten Rechnung, auf denen Wege für eine erfolgversprechende Übergabe vermittelt und sogar Nachfolger gesucht werden.

Nachfolgelotsen sollen helfen

Im September 2023 fand ein Symposium der „Nachfolgelotsen“ statt, einem Verbund der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, der Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz/Kelheim und der Hans-Lindner-Stiftung in Neunburg. In Zusammenarbeit mit den Veranstaltern haben sich verschiedene Unternehmen bereit erklärt, ihre Planungen in dieser Richtung öffentlich zu machen.

Eines davon ist die Aloys Rossmann KG in Oberviechtach. Die größten Umsätze erzielt das Unternehmen mit dem Stahlhandel. Eher bekannt ist der Sanitärhandel, der insbesondere auch Handwerker bedient. Beide sind im Gewerbegebiet etabliert. Mit dazu gehört der Profi-Baumarkt und das Geschäft für Hausrat am ehemaligen Bahnhof. Die Vermietung von Gewerbeflächen sind ein weiteres Standbein.

Siegfried Rossmanns Söhne sind zu jung

Mit Stolz verweist der jetzige Inhaber, Siegfried Rossmann, auf die Geschichte des Unternehmens, die mit Aloys Rossmann, dem Sohn eines Wagners und Bauern 1910 seinen Anfang nahm. Der hatte für seine Ausbildung in einem heute noch bedeutsamen Unternehmen in Straubing sogar Lehrgeld zahlen müssen und später seinen beachtlichen Monatsverdienst von 180 Goldmark für die eigene Firmengründung gespart. So konnte er das ursprüngliche Stammhaus in der Nabburger Straße erwerben, in dem noch bis 2011 Haushaltswaren angeboten worden waren.

Enorm gewachsen war die Firma bereits viel früher mit dem Ankauf des ehemaligen Bahnhofgeländes und der Ansiedlung im damals neuen Gewerbegebiet an der B2. „Ich wollte ursprünglich eigentlich auch eher Chemie oder Biologie studieren, habe mich aber dann doch für Betriebswirtschaft entschieden“, schildert Rossmann.

Sein spezielles Problem bei der Weitergabe an seine vier Söhne ist deren Alter. „Ich habe erst mit 52Jahren geheiratet und bin mit 53 erstmals Vater geworden“, gesteht er. Grund dafür sei „Arbeitsüberlastung“ gewesen, fügt er mit einem Schmunzeln an. Er selbst wurde im Vorjahr 70 und seine vier Söhne sind jetzt im Alter zwischen zehn und 17 Jahren. Grundsätzlich könnten sich, laut momentanem Stand, alle vier den Einstieg vorstellen, aber vor dem 25. bis 28. Lebensjahr käme dies wohl eher nicht in Frage.

Chef ohne Vorkenntnisse meist nicht tragbar

Für den Firmenchef ist es wichtig, dass eine solide Ausbildung außerhalb des Unternehmens vorausgehen müsse. „Es ist meist keine gute Idee, wenn ein junger Mensch ohne große Vorkenntnisse gleich den Chef spielt“, weiß er aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung, unter anderem in ehrenamtlicher Tätigkeit in Fachverbänden.

Er selbst spüre nun allmählich, dass er mit 50 Jahren noch in der Kreativ-Phase gewesen und mittlerweile in der Verwaltungsphase angekommen sei. Aus dem Grund sei er aktuell auf der Suche nach einem Geschäftsführer für die Zeit der Überbrückung.

Entsprechende Bewerber habe es auch bereits gegeben, aber der Passende sei noch nicht dabei gewesen. Der müsse bereit sein, sich in das Sortiment einzufinden und eine gewisse Leidenschaft erkennen lassen. Darüber, dass dieser Weg kein leichter sein werde, ist sich Siegfried Rossmann im Klaren.

Seit 2006 seine Mutter Erna und 2008 sein Vater Fritz Rossmann verstorben sind, führt Siegfried Rossmann (70) das Familienunternehmen. Foto: Ralf Gohlke