Drei Ritter aus drei Generationen – das hat es bisher noch nicht gegeben

Von Alexander Frimberger · 10. Februar 2024 um 05:00

Es ist ein Novum in der Geschichte des Drachenstichs: Soweit es sich zurückverfolgen lässt, hat es noch nie eine Familie gegeben, in der erst der Opa, dann der Vater und schließlich der Sohn beim Drachenstich Ritter waren.

Die Familie Fleischmann und der Further Drachenstich, das gehört zusammen. Fred Wutz, der gerade auch aus der Zeit, als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte, viele tausend Bilder des Drachenstichs gesichtet und digitalisiert hat, kann sich nicht erinnern, dass es bisher drei Generationen Ritter ohne Unterbrechung gab. Auch Heimatforscher Werner Perlinger hat recherchiert und keine vergleichbare Familien-Historie gefunden. Vollständig macht das Fleischmann’sche Rittergen der Umstand, dass 1990 der heutige Bürgermeister Sandro Bauer mit Ludwigs Tante Ute Fleischmann ein Ritterpaar bildete und 1951 Reinhold Fleischmann, der Großonkel von Ludwig, den Kinderritter gab. Im Jahr 2010 war Ludwig Kinderritter. Eva Baier, diesjährige Ritterin, hat übrigens auch einen Kinderritter in der Familie: 1961 war es ihr Großvater Max Christoph.

Straffes Wochenende

Ludwig, der seine ersten Tage als Ritter erlebt, berichtet von einem straffen und spannenden Drachenball-Wochenende: „Das macht schon was mit einem.“ War das bei Papa Uli im Jahr 1990 genau so? „Nein“, antwortet der, „den Drachenball hat es damals noch nicht gegeben, der wird erst seit 2006 veranstaltet. Wir wurden einfach bei einem Termin der Presse vorgestellt.“ Überhaupt scheint es zu dieser Zeit zum Teil noch etwas hemdsärmeliger zugegangen zu sein. Weil Uli nicht so recht wusste, wo er reiten üben soll und die Kunde von Willi Späth, Ausbilder von Rittern und Pferden, nicht bis zu ihm durchgedrungen war, fragte er seinen Kumpel Sandro Bauer. Der lud ihn ein, auf seinem Hof zu üben. Doch eines dürfte heute wie damals gleich sein: „Man zehrt jahrelang vom Festival-Erlebnis.“

Später ist Uli Fleischmann noch bei den Hussiten mitgeritten, bevor er sich aus dem aktiven Geschehen zurückgezogen hat. Aber die Lanze seines Vaters Anton und seine eigene, die befinden sich noch immer im Haus. Wie es Opa Anton als Ritter ergangen ist, darüber wissen Sohn und Enkel nichts zu berichten: „Er hat nie viel darüber geredet.“ Abgesehen vom Drachenball: Was ist heute noch anders als damals, als Uli Fleischmann mit Barbara Wilnhammer (geb. Wild), die heute Vorsitzende des Historischen Kinderfestes ist, ein Ritterpaar bildete? „Es war, noch das alte Stück, das wesentlich kürzer war und wir hatten weniger Aufführungen.“ Damals wie heute gleich ist aber der Anspruch an den Ritter, im finalen Kampf mit der Lanze ins Maul des Ungeheures zu treffen. Und zwar so, dass sie stecken bleibt.

Dazu braucht es zunächst einmal eine Lanze. Derzeit ist Ludwig auf der Suche nach jemandem, der die anfertigt. Die Ansprüche an die Waffe sind groß, sie muss genau austaxiert sein, damit der Ritter beim ersten Wurf aus vollem Galopp heraus trifft.

Bis zu 200 Reitstunden nötig

Wobei wir beim zweiten Punkt wären: der Reiterei. Willi Späth, der Ludwigs Reitlehrer ist, schätzt, dass man rund 150 bis 200 Reitstunden braucht um gewappnet zu sein. Auch in diesem Jahr sind Sam und Goya die Drachenstichpferde. Eine erste Reitstunde hat es auch schon gegeben. Mit Lanze? Ludwig lacht: „Nein, wir sind nur etwas spazieren geritten.“ Trotzdem, Angst macht ihm der Sattel nicht. Als Kinderritter hat er schon Erfahrung gesammelt, und auch wenn Fußball später cooler war, fürchtet er sich nicht.

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„Manche sagen, das Reiten sei der größte Nachteil an der Rolle. Für mich ist das ein großer Spaß.“ Und den Fauxpas seines Vaters, der nicht bei Späth geübt hat, hat der Lehrer offensichtlich dem Sohn nicht übel genommen. „An der Stallwand, an der die Bilder seiner Schüler angebracht sind, hängt meins als Kinderritter noch.“

1952: Anton Fleischmann und Luise Wild
1995: Ulrich Fleischmann, Barbara Wild (heute: Wilnhammer)
2024: Eva Baier und Ludwig Fleischmann Foto: Frimberger
1990: Ute Fleischmann und Sandro Bauer
1952 wurde das damals neue Festspiel von Josef Martin Bauer (2. v. r.) uraufgeführt. Der Autor war beim Schlussapplaus mit auf der Bühne. Fotos: Archiv/Fred Wutz