„Keiner damit gerechnet, dass der Krieg so lange dauert“: Mutter aus Neustadt hilft Opfern

Seit dem 24. Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Betroffenheit nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine war riesig. Inzwischen ist die Hilfsbereitschaft gesunken. Dennoch gibt es Menschen, die weiter helfen. Auch in Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim). Das hat vor allem einen Grund.
„Damit hat keiner gerechnet, dass der Krieg so lange dauert“, sagt Khrystyna Leipert. Sie lebt seit vielen Jahren in Neustadt a.d. Donau, ist hier verheiratet und hat einen Sohn. „Am Anfang dachte ich, das dauert zwei Wochen und dann dachte ich, es dauert vielleicht noch zwei Wochen“, sagt die 32-Jährige. Inzwischen sind aus den zwei Wochen zwei Jahre geworden und ein Ende ist nicht in Sicht.
Der Krieg belastet die junge Frau. Ihr Vater lebt zwar inzwischen auch in Deutschland, aber die übrige Verwandtschaft befindet sich in der Ukraine. „Wir telefonieren und schreiben uns“, sagt Khrystyna Leipert. Die Nachrichten aus der Heimat sind oft dieselben und wiederholen sich. Eines ist ihnen gemeinsam: „Alle haben Angst um ihre Männer und Söhne, die im Kriegseinsatz sind.“
Das Leben in der Ukraine wird immer schwieriger. Die Preise steigen ständig und gleichzeitig sinken die Möglichkeiten zum Geld verdienen. „Die Menschen haben es schwer“, stellt die 32-Jährige fest. Sie hat deshalb Verständnis auch für jene, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten. Selbst wenn das in Deutschland oft anders gesehen wird, weil die Menschen vielleicht nur das Auto der Geflüchteten sehen.
Khrystyna Leipert über Situation in der Heimat: „Alles zerstört“
Khrystyna Leipert hat eine Erklärung: „Es gibt zum Beispiel Menschen, die in Mariupol Geschäfte hatten. Aber jetzt ist alles zerstört.“ Das einzige, was ihnen geblieben sei, ist das Auto und damit sind sie dann geflüchtet. „Und hier müssen sie von vorne anfangen. Das ist bestimmt nicht schön“, sagt die Neustädterin.
Ein Ende des Krieges sei nicht abzusehen. Für die 32-Jährige ist die Situation klar: „Ich glaube nicht, dass Russland seine Angriffe einstellt. Außerdem hat Russland zu viel Unterstützung von anderen Ländern. Für die Ukraine gibt es keine andere Option als weiter zu kämpfen.“
Und weil das so ist, versucht Khrystyna Leipert seit zwei Jahren ihre Landsleute zu unterstützen. Sie sammelt Lebensmittel, Bettwäsche und sonstige Dinge, die in der Ukraine fehlen oder teuer sind. Ihr Cousin, der regelmäßig Waren aus der Ukraine nach Deutschland liefert, nimmt die Spenden auf der Rückfahrt in seinem Transporter kostenlos mit.
In der Ukraine sorgen wiederum Freunde für die Verteilung. So wird gewährleistet, dass die Waren die erreichen, die sie benötigen. Konserven, sagt die 32-Jährige, gingen an die Front. „Viele andere Sachen gehen auch an Binnenflüchtlinge.“ Binnenflüchtlinge sind die Menschen, die zum Beispiel aus den schwer umkämpften Gebieten im Süden und Osten des Landes in die sicheren westlichen Bereiche geflohen sind.
Krieg in der Ukraine: Jede Nacht gibt es Alarm
Das Leben in der Ukraine ist seit dem 24. Februar 2022 aus den Fugen geraten, betont Khrystyna Leipert. Es gehe nicht nur um Flüchtlinge und Zerstörungen. Die Menschen entwickeln ganz unterschiedliche Mechanismen, um mit den bestehenden Verhältnissen klar zu kommen. Ein Freund der Neustädterin wohnt in der Nähe von Saporischschja im obersten Stockwerk eines Hochhauses in der Ukraine. Die Region ist zwei Jahren Jahren umkämpft.
Der 100 Meter entfernte Supermarkt ist zerstört, jede Nacht gibt es Alarm – doch der Freund geht nicht mehr in den Bunker. „Er sagt, er könne nicht mehr schlafen, wenn er in den Bunker ginge. Und wenn er nicht schlafen könne, könne er auch nicht arbeiten“, erklärt Khrystyna Leipert. Eine Ärztin wiederum habe ständig einen Rucksack mit Laptop, Ladegerät und Pässen griffbereit. „Sie sagt, sie hat Angst, dass etwas passiert, aber sie kann das Land nicht verlassen“, erzählt die Neustädterin und stellt fest: „Der Krieg ist Alltag für die Menschen geworden.“
Khrystyna Leipert und ihre Schwiegermutter Gerina werden die Menschen in der Ukraine weiter unterstützen. Wer spenden will, möchte vorher bei Gerina Leipert, Telefon (09445) 1879, anrufen.

