Architekten Thomas Wilnhammer und Peter Hickl über neue Baustoffe und Innovationen

Lehm, Stroh, Holz, Carbon, sanieren statt abreißen, für ökologisches Bauen, vor allem auch um CO2 zu sparen, gibt es viele Ideen. Doch wie weit ist die Zukunft schon bis nach Furth im Wald vorgedrungen. Nachgefragt bei zwei renommierten Architekturbüros.
„Es gibt Gegenden, in denen man schon weiter ist als in Süddeutschland“, gibt sich Thomas Wilnhammer, Architekt beim Further Büro Wild & Wilnhammer, diplomatisch. „Der Prozentsatz bei uns ist gering.“ Die letzten 30 Jahre ging es zumeist um die Dämmung. „Man hat sich darauf beschränkt, den Häusern einen Pullover überzuziehen.“ Dabei ist die Idee des biologischen Bauens nicht neu. Wilnhammer zeigt ein Standardwerk von 1999, das sich mit dem Thema beschäftigt. „Doch da hat das Thema CO2-Vermeidung noch nicht so im Vordergrund gestanden.“
Bauen in der Nische
Bisher wurden Projekte vor allem im privaten Bereich und weniger auf kommunaler Ebene verwirklicht. Wilnhammer zählt Betriebe auf, die mit pfiffigen Ideen schon heute ökologisch wertvolle Stoffe herstellen. Angefangen hat es mit leimfreiem Holzbau, auch Lehm und Lehmbauplatten werden immer häufiger ein Thema. Oder Tadelakt, ein edler Kalkputz, der in Marokko schon seit Jahrtausenden verwendet wird. Viele Firmen rund um die Drachenstichstadt beschäftigen sich mit diesen Themen. „Aber all das findet noch in Nischen statt.“
Zu Wilnhammers Kunden gehören Kommunen, er führt Gespräche mit Bürgermeistern. „In den Kommunalgremien gibt es den Konsens für eine Maßnahme aber häufig nur über den Preis.“ Und der ist bei ökologischer Bauweise meist höher. Doch auch wenn es kleine Schritte sind, die Ideen der Zukunft halten Einzug. Wilnhammer berichtet von einem Kloster, das die Dämmung komplett mit Strohballen verwirklicht hat oder von einem schweizer Unternehmen, das alte Häuser nicht abreißt, sondern in Holzbauweise umbaut, so mehr Raum und Wohneinheiten schafft. Auch ein Beispiel für die Zukunft und eine Forderung die ökologisches Bauen hat: Erhalten und sanieren, statt abreißen. Ergänzend dazu: Verschiedene Projekte verwenden da, wo an einer Stelle eines Objekts etwas abgerissen wird, das Baumaterial an anderer Stelle wieder. Wie beim alten Amtsgerichtsgebäude am Stadtplatz. In die Maßnahme ist Architekt Peter Hickl aus Eschlkam involviert. Das Gebäude wird einer neuen Nutzung zugeführt und soll bis zum Start der Landesgartenschau 2025 fertig sein. Natürlich wurde nicht daran gedacht, das prächtige Gebäude abzureißen, „aber das Beste, was dem Amtsgericht passieren konnte, ist, dass es wieder genutzt wird.“ Diskussionsbedarf gab es im Vorfeld mit dem Denkmalschutz. Das hat den Umbau verzögert. Inzwischen scheint alles geklärt. Beim Umbau ist Recycling ein Thema: „So werden die Ziegel, die wir an einer Stelle abbrechen, verwendet, um Maueröffnungen an anderer Stelle zu verschließen.“
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Graue Energie zu sparen, also die, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Entsorgung und mehr aufgewendet wird, ist ein weiteres Argument dafür, zu erhalten, statt abzureißen. Geschehen ist das laut Hickl zum Beispiel bei einem alten Haus in der Michael-Datzl-Straße, das saniert und mit einer Holzverschalung versehen wurde.
Graue Energie spart in diesem Bereich auch die Verwendung von Stroh, wie in Wilnhammers Beispiel. „Das Material muss keine weiten Strecken zurücklegen, sondern kann in der Nachbarschaft günstig besorgt werden.“
Doch vieles, was heute vermeintlich neu gedacht wird, war schon lange da. „Ein guter CO2-Speicher ist die gewachsene Innenstadt“, so Wilnhammer. Im rückseitigen Bereich der alten Further Bürgerhäuser gab es früher Selbstversorger-Bauernhöfe, vorne wurde ein Geschäft eröffnet und oben wurde mit mehreren Generationen gewohnt. Auch Wasser, Strom und Abwasser lagen nah zusammen. „Inzwischen fördert der Bayerische Staat sogar nach dem Motto: Innen vor Außen.“ Also Innenstädte „first“, auch um weitere Flächenversiegelung auf dem Land zu minimieren.
Es tut sich was
Doch es tut sich noch mehr, da sind sich beide Architekten einig. Das Interesse an sauberem Bauen steigt. Wilnhammer hat bei Präsentationen inzwischen immer auch die Berechnungen für alternative Baustoffe dabei. Und ein Großprojekt, das gerade im Entstehen ist, ist die Parkarena. Vollkommen aus Holz hergestellt, erlaubt die einzigartige Konstruktion, völlig auf Stahl zu verzichten. „Außerdem muss das Holz nicht besonders hochwertig sein.“ Man könnte laut Hickl Industrieabfälle verwenden, die sonst zu Hackschnitzeln verarbeitet worden wären. Auch Wilnhammer kennt solche Beispiele. „Mancherorts findet sogar das Käferholz Verwendung.“ Das ist vielleicht nicht so schön, aber durchaus nutzbar.
Beide Architekten sehen sich als Ideen- und Ratgeber, entscheiden muss aber jeder selbst. Hätte Hickl einen Wunsch frei, wäre das die Minimierung der Vorschriften. „Wir müssen einfacher werden, die Bauzeiten sind zu lange.“ Und wie würde das Wohnen der Zukunft auf dem Späth-Areal aussehen, das ja im Jahr 2026 angegangen werden soll? Wilnhammer: Keinen Keller, weil die Entsorgung der Erde nicht unproblematisch ist, das Erdgeschoss wegen Wasserschutz massiv gebaut und dann eine Holzkonstruktion mit natürlichen Dämmstoffen.

