Katrin und Joachim Bormann geben in Waldmünchen Yoga weiter

Von Petra Schoplocher · 7. Februar 2024 um 11:00

Sie ist wunderbar und dennoch schwer zu beschreiben, diese Stimmung im Hause Bormann. Ruhig, harmonisch, friedvoll, ausgeglichen. Mittendrin: Katrin und Joachim. Pol oder Impuls? Vielleicht beides.

Seit rund fünf Jahren leben beide in Waldmünchen, als Therapeuten, Lehrende, Sinngebende, Sehende. Zwei Menschen, die ihre Umwelt wahrnehmen und es dennoch geschafft haben, das Wesentliche zu erkennen. Das möchten sie teilen. Nicht, um zu missionieren oder Geld zu verdienen. Sondern, um anderen die Erfahrung zuteil werden zu lassen, die ihr Leben bereichert.

Dreh- und Angelpunkt Heiligenfeld

Ein Leben, das das die Thüringerin und den Niedersachsen wegen der Heiligenfeldklinik nach Waldmünchen geführt hat. Katrin wolle nach Abschluss einer weiteren Ausbildung zur Heilpraktikerin (für Psychotherapie) gerne arbeiten. Aus einer Praktikumsstelle in der Fachklinik wurde eine Festanstellung mit Schwerpunkt Kunsttherapie. Als die Qualifikationen ihres Mannes dann die Runde machten, trug Heiligenfeld auch ihm einen Vertrag an. Stundenweise, ja, das konnte er sich vorstellen, entschied er. Wichtig war und ist, dass Zeit und Raum bleibt für Seminare und Kurse – und die eigene Reise.

Atemübungen öffneten eine neue Welt

Die wird bis zu seinem letzten Atemzug dauern, glaubt der 60-Jährige. Begonnen hat sie früh. Schon in der Jugend hinterfragte er Dinge, wollte die Welt verstehen, fand aber keine befriedigenden Antworten. Dieses Loch, die Suche war – ist – sein Antrieb und brachte den gelernten Elektriker und Maschinenbauer seinerzeit zum Yoga. Und zu einer Offenbarung. Nachdem er eine Zeit lang für sich geübt hatte, war klar: Ich brauche Anleitung. Als ihn ein Meister schließlich in die Atemtechnik einführte, „kam etwas ganz anderes in Gang“. Sprich Bormann fand seinen Weg.

Erfahren und verstehen

Nicht wissen, sondern erfahren und verstehen, und zwar alles, von Grund auf, versucht der Meister die Essenz zu erklären. „Yoga ist gelebte Philosophie“. Dies sei vielen nicht bewusst, folglich würden die „nur“ Bewegungen sehen oder Yoga als Entspannungsübung definieren.

Integrales Yoga

Das Ehepaar praktiziert und lehrt integrales Yoga, in das verschiedene Richtungen einfließen, und das Joachim als „sehr sanft, aber dennoch sehr wirkungsvoll“ beschreibt. Seine Frau malt dazu ein Bild: „Wie Hausputz, nur von innen.“ Es gehe ums Loslassen, ums Loswerden, verdeutlicht sie. Das kann ein Verhaltensmuster oder eine belastende Beziehung sein. Unabdingbar dafür: herausfinden, was tut mir gut, was nicht. „Der Mensch hat ein Talent, Ungutes zu pflegen“, ergänzt ihr Mann. Er ist überzeugt: „Wir Menschen sind zum Glücklichsein angelegt.“

Architektur ad acta gelegt

Katrin Bormann, die früher in Sachen Architektur bis an die Uni in Weimar unterwegs war, ermutigt: „Wenn ich etwas verändern will, ist das die richtige Form.“ Die 56-Jährige beschreibt das integrale Yoga als einen Prozess, ein Reinfallen-Lassen. Gelinge dies, würde alles leicht. Die Übungen, das Leben. Sie selbst ist das beste Beispiel. „Yoga bleibt den ganzen Tag.“ Was sich in ihrem Fall durch den Arbeitstag durchzieht, und zwar im positivsten Sinne. Ihre Erklärung: „Wenn du das Herz aufmachst, fließt die Kraft.“

Erfahrungen, Einkehr, Gefühle, Gelassenheit, die sie gerne teilen möchte. Daher war es keine Frage, Kurse im MGH anzubieten. Die Räumlichkeit kannte Joachim schon, hatte er sie doch mehrmals angemietet für die Ausbildung von Yoga-Lehrern.

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Das wiederum veranschaulicht, auf welchem Niveau der 60-Jährige unterwegs ist. Jahrzehnte, in denen er sich aus- und weitergebildet hat, bei namhaften Meistern: mindestens 30 Mal war er in Indien. Da ist der Titel Archarya, den er tragen darf, was so viel bedeutet wie spiritueller Lehrer, Meister, einer, der verstanden hat, der unterweisen darf.

Yoga: So sieht der optimale Einstieg aus

Wie gelingt aber nun der Einstieg? Für Joachim Bormann ist eine Mischung aus Einzelanweisungen (gerade für die, die in einer Gruppe Sorgen haben, als Anfänger aufzufallen) und Gruppenerlebnissen ideal. Da entstünden in besonderen Atmosphären Gemeinschaften. Die sich wie eine Familie unterstützen, die sich austauschen könnten nach dem Motto: Wie ist es dir (damit) ergangen?

Gespür für die Teilnehmer

Die (Kurs)Teilnehmer im Blick haben, ist ein großer Anspruch der Bormanns. „Da gehört Fingerspitzengefühl dazu“, sind sie sicher. Übersetzt: Ist nach einem langen Arbeitstag eher Aktivität oder Beruhigung gefragt? Wobei man kein Prophet sein muss, um zu erkennen, dass beide das Gespür dafür haben.

Hochzeit in Waldmünchen

Nun ja, vielleicht mit einer Ausnahme. Denn: Dass sie nicht nur im Innersten verbunden sind, sondern sich lieben, haben sie erst spät(er) festgestellt, da kannten sie sich schon Jahre, haben sogar in der gleichen (von Joachim angeleiteten) yogischen Gemeinschaft in der Nähe von Hildesheim gelebt, nachdem sie sich in einem Seminar erstmals begegnet waren. Dann aber gleich Nägel mit Köpfen gemacht und geheiratet. In Waldmünchen. Die Herzlichkeit, mit denen man ihnen im Rathaus vor und bei der Eheschließung begegnet sei; der Empfang der Arbeitskollegen nach der Trauung; alleine nur die Beschreibung von Katrin Bormann löst Gänsehaut aus.

In Waldmünchen leben besondere Menschen

Die Menschen hier erleben sie als sehr zuverlässig und verbindlich. Den Mietvertrag für ihr Häuschen haben sie zunächst mit Handschlag besiegelt. „Undenkbar in der Stadt“, schwärmen beide. Katrin Bormann bildete praktisch die Vorhut, zog einige Monate vor ihrem Mann nach Waldmünchen. „Ich hab‘ mich gleich wohlgefühlt“, erzählt sie lächelnd. Was sie unglaublich genießt, sind Natur und Landschaft. Zudem habe „zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit“ eine besondere Qualität. „Ich wohne im Urlaub.“ Gibt es – zusammen mit dem Gefühl, (in der Mitte) angekommen zu sein, etwas Erfüllenderes?

ERSTE KURSANGEBOTE

Er: Joachim Bormann bietet ab Mittwoch (7.Februar) im Mehrgenerationenhaus einen Kurs an, der Interessierten den Weg zum Meditieren ebnen soll. Neben den zugrundeliegenden philosophischen Hintergründen folgen Meditationsvorbereitung und Einführung in die eigentliche Technik. An den insgesamt sechs Abenden (17 bis 18.30 Uhr) bleibt genügend Zeit für Reflexion und Austausch. Anmeldung an hi-yoga@web.de ist erwünscht. Ausführlich und informativ ist die Homepage: www.the-essence.com.

Sie: Bereits am vergangenen Montag ist Katrin Bormanns Kurs gestartet, der sich sowohl an Anfänger als auch bereits Praktizierende richtet. Es folgen noch sieben Abende, die von 17 bis 18 Uhr – ebenso im Brandner Bod`n (Dachgeschoss) des Mehrgenerationenhauses stattfinden. Kontakt: taraliebe9@gmail.com.

Beide: Seit 2018 leben beide in Waldmünchen, ein Jahr später haben sie hier geheiratet. Ab Frühsommer möchten sie noch mehr Kurse anbieten: Yoga, Meditation, Energiearbeit.

Eingebracht: Katrin Bormann (links) bereicherte bereits den Begehbaren Adventskalender 2023 mit einer Stunde Yoga. Weitere Angebote sollen folgen. Foto: Himmelhuber