Das ist Waldmünchens neuer Chefarzt
Einen Plan B? Etwas anderes als Medizin? „Gab es in meinem Kopf nie“, verrät Artan Laska lächelnd. Nicht nur das hat der 34-Jährige geschafft. Der Kosovare ist mittlerweile Chefarzt.
„Das hat sich so ergeben“, meint der Mediziner beinahe entschuldigend. Ergeben, weil die Heiligenfeldklinik und er, das passt(e) einfach. Bereist mehrere Jahre hatte Laska dort immer wieder Dienste übernommen, lernte das Haus und seine Ausrichtung kennen. „Die Kinder- und Familientherapie ist besonders und hat es mir von Anfang an angetan“, sagt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Faszination Arztberuf
„Egal, was ist, von einem Arzt wird Hilfe erwartet“, erklärt er Ansporn und Anspruch zugleich. Seit er Oma und Opa als Kind im Krankenhaus besucht hat, habe ihn der Beruf fasziniert. Dennoch: Einfach sei der Weg nicht gewesen, betont er.
Ob Arzt oder Chefarzt: „Du musst abschalten können, sonst machst du das keine zwei Wochen“, weiß Laska um die Belastung in diesem Metier. Dass er dies vermag: Ein Stück weit Begabung, ein Stück weit antrainiert. „Viel hängt von den Ziehvätern ab“. Er hatte gute.
Sanfter Start
Artan Laska hat Wert auf einen sanften Start gelegt: Sich alles angeschaut, zugehört. Langsam lässt er eigene Ideen und Ansätze einfließen. „Das hat ihm großen Respekt eingebracht“, lobt Klinikmanagerin Tanja Meier, die „ihrem“ neuen Chefarzt große Offenheit, Neugier und Gespür bescheinigt. Wenngleich sie keinen Hehl aus den Schwierigkeiten macht, für den Standort Waldmünchen Personal zu finden, sei Artan Laska alles andere als zweite, sondern „absolut erste Wahl“. Auch sie hat schnell gespürt (und ist immer noch überzeugt): Das passt!
Schwierige Suche nach Mitarbeitern
Leicht war die Suche nach Mitarbeitern noch nie, aktuell aber ist sie „extrem schwierig“. Nicht nur die nach Psychologen, selbst für offene Stellen in Küche, Service oder Reinigung gebe es mitunter nicht einmal eine Bewerbung. Dabei darf sich die Heiligenfeld-Gruppe auf die Fahnen schreiben, ein im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichneter Arbeitgeber zu sein, Aber: Spätestens, wenn der Lebenspartner dann keine Stelle in der Nähe findet, würden grundsätzlich Interessierte dankend ablehnen.
Artan Laska kann die Zurückhaltung Waldmünchen oder der Region gegenüber nicht nachvollziehen, hat er sich doch ganz bewusst gegen jede Großstadt entschieden, in der er hätte arbeiten können. Er mag die Natur, die Menschen hier.
An der Auslastungsgrenze
Und seine Arbeit, wenngleichdas Hausan seiner Belastungsgrenze angekommen ist. Die Zahl der Betten wurde nach der entsprechenden Bedarfsanerkennung von 120 auf 134 erhöht, noch immer zwingt die Pandemie zu Zweischichtbetrieb im Speisesaal, zu fester Tischzuteilung und geschlossenen Gruppenräumen.
Auf der anderen Seite sorgt sie für deutlich mehr Therapiebedarf. Zunehmende Ängste; unstrukturierte Menschen, die Corona aus der Bahn geworfen hat; zunehmender Druck, der vor allem ohnehin schon belasteten Familien zu schaffen macht. „Die Wartelisten sind lang“, sagt Tanja Meier.
Offene Fragen?
Und dann ist da ja noch der Umgang mit positiv Getesteten in der Klinik selber. Klar, die wären nach Hause zu schicken. Nur: Was tun, wenn sie nicht von einem Familienangehörigen abgeholt werden (können)? Sondertaxen gibt es, aber wer übernimmt die Kosten?
„Das ist eine Menge Hintergrundarbeit“, versucht Artan Laska ein wenig herunterzuspielen, was diese „Fälle“ für einen bürokratischen und psychologischen Rattenschwanz nach sich ziehen würden. Was für ein Rückschlag für jemanden, der lange auf einen Therapieplatz gewartet hat. Zwar könnten diejenigen Betroffenen nach „Genesung“ vergleichsweise schnellnach Waldmünchenzurückkehren, allerdings zum Preis einer logistischen Herausforderung: Zimmer, Wochenpläne, Termine beim Psychologen...
Große Verantwortung
Trotz Allem: „Es fühlt sich gut an“, sagt der Chefarzt mit warm-sanfter Stimme. Das Team – 22,5 Vollzeitstellen – habe ihn herzlich aufgenommen, erzählt er dankbar. Laska gibt das Vertrauen zurück: „Ich habe nicht das Gefühl, immer präsent sein zu müssen, damit der Betrieb gut läuft.“ Zu guter Mitarbeiterführung zählt für ihn aber auch, erreichbar (außerhalb seiner Dienstzeiten per Telefon) und ansprechbar zu sein. „Ich möchte, dass jeder das Gefühl hat: Zu dem kann man kommen.“
Abschalten in der Natur
Abschalten, das kann der 34-Jährige beim Radfahren (und/oder) in der Natur. Eine andere Kraftquelle sind Besuche bei seiner Familie in Gjakovë, seiner Heimatstadt im Südwesten des Kosovos, nahe an der Grenze zu Albanien. „Ich fahre Golf statt dass ich es spiele“, räumt der Chefarzt mit einem Klischee auf. In die passt er aber ohnehin nicht: Kein weißer Kittel, keine Allüren.
Heiligenfeld – den Namen hatte er früher immer mal wieder von Kollegen gehört. Für ihn hat er längst einen ganz anderen, besonderen Klang. Und andersherum wahrscheinlich auch.
ZUR PERSON
Wurzeln:Geboren und aufgewachsen ist Artan Laska im Kosovo. Studiert hat er zeitweise in Österreich, seinen Abschluss machte er in Pristina, der Hauptstadt des Landes.
Qualifikation:Der 34-Jährige hat im vergangenen Jahr die Facharztprüfung für Psychiatrie und Psychotherapie abgelegt. Der Facharzt für Neurologie soll bald folgen, die erforderlichen Weiterbildungen kann er schon vorweisen.
Stationen:Bereits 2013 kam Laska nach Landshut ans Klinikum, im Januar 2014 begann er am Bezirksklinikum Mainkofen. Kontakt zur Heiligenfeldklinik Waldmünchen gibt es seit 2018. Damals begann der Naturliebhaber mit der Übernahme von Nachtdiensten.