Kurz vor der Demo gegen Rechts: „Remigration“ in Bad Kötztinger Unterführung gesprüht

Von Stefan Weber · 6. Februar 2024 um 17:09

Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann (Landkreis Cham) ist merklich betroffen, als er das Foto der Unterführung sieht, die zur Wallfahrtskirche Weißenregen führt. Die Beton-Konstruktion ist seit Montagabend mit einem einzigen Wort beschmiert, das ihn aufhorchen lässt: #REMiGRATiON

„Das ist schlimm und zu verurteilen“, sagt er in einer ersten Reaktion, als er das Foto sieht, das unserer Redaktion zugeschickt worden ist. Warum? Schmierereien gab es in der Vergangenheit viele, vor allem im Umgriff des Kurparks. „Aber das ist eine ganz andere Ebene, weil es ausländerfeindlich ist, und das nimmt die Stadt nicht hin“, sagt er. Je nachdem, ob die Stadt oder das Straßenbauamt zuständig sei, werde die Verwaltung eine Anzeige erstellen.

Nicht die einzige Schmiererei in der Stadt

Denn auch wenn es nur ein Wort ist, drückt es doch viel aus. Unter dem Stichwort Remigration, das im vergangenen Jahr zum Unwort des Jahres gekürt worden ist, verbirgt sich der reinen Wortbedeutung nach eigentlich die Rückkehr von Menschen aus einem anderen Land in ihr Geburtsland – in rechten Kreisen hat es allerdings die Bedeutung der Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund unter Zwang aus Deutschland, selbst wenn sie einen deutschen Pass besitzen.

#remigration steht – vor allem in den sozialen Medien – somit für eine ausländerfeindliche Gesinnung. Darum kündigt Bad Kötztings Bürgermeister an, den Schriftzug schnellstmöglich entfernen zu lassen. Da weiß er noch gar nicht, dass die Schmiererei nicht die einzige in der Stadt gewesen ist.

Denn offensichtlich hat der bislang Unbekannte mindestens an einer weiteren Stelle den Schriftzug angebracht, nämlich an der Rieselhöhe. Die schmale Straße liegt zwischen dem Friedhof und dem Schulhügel. An einem Hinweisschild meldete eine der Schulen bereits am frühen Vormittag ebenfalls den Schriftzug, der augenscheinlich vom selben Verfasser stammen dürfte.

Ausländerfeindlichkeit ist nicht die Regel: Demo gegen rechts in Cham

Das Schild wurde durch Mitarbeiter des städtischen Bauhofes noch am Vormittag ersetzt. An der Rieselhöhe liegt außerdem auch die Erstaufnahme-Unterkunft für Flüchtende, in der gut 200 Menschen leben.

Dass Fälle wie diese und das ausländerfeindliche Gedankengut, das dahintersteht, nicht die Regel sind, sondern die Ausnahme, das haben Unzählige in den vergangenen Wochen bei Demonstrationen vor allem in größeren Städten gegen Rechts gezeigt. In der kommenden Woche wird sich auch die Kreisstadt Cham mit den Bürgern aus allen Städten und Gemeinden des Landkreises in die Reihe der Demonstrationen gegen Rechts einreihen.

Am Samstag, 17. Februar, das haben führende Mitglieder aller im Chamer Stadtrat vertretener Fraktionen am Montag angekündigt, wird es ab 14 Uhr eine Versammlung auf dem Chamer Marktplatz geben. Ein Termin, den sich auch Bürgermeister Markus Hofmann schon vorgemerkt hat, und an dem er teilnehmen wird, mit möglichst vielen Bürgern seiner Stadt, wie er hofft.

Dieses Schild hing an der Rieselhöhe. Foto: S. Weber