Stadt Cham ruft zur Großdemonstration gegen Rechtsextremismus auf

Von Christoph Klöckner · 25. Januar 2024 um 19:00

Das Ziel ist gesteckt, die Zeit reif, nur ein Termin fehlt noch: Die Stadt Cham ruft alle Bürger des Landkreises zur Großdemo auf. Und dieses Mal sollen noch mehr kommen als die 7000 des Jahres 2006 – es gilt, ein Zeichen zu setzen gegen Rechtsextremismus, im Speziellen auch gegen die AfD. Im Stadtrat hat am Mittwoch Organisator Günther Lommer erste Details vorgestellt.

Stadtrat und CSU-Fraktionssprecher Lommer hat die Organisation übernommen, wie schon 2006, als sich die NPD hier einnisten wollte. Damals hatte die Demonstration bundesweit Schlagzeilen gemacht – allein schon durch die Teilnehmerzahl.

Anruf vom Ex-Kollegen

Die damalige Teilnehmerzahl soll dieses Mal mindestens wieder erreicht oder, besser noch, übertroffen werden, sagte Lommer. Anlass für ihn, noch einmal so etwas zu organisieren, sei der Anruf eines ehemaligen Berufskollegen gewesen, der gefragt habe, warum es in Cham keine Aktion gegen Rechts gebe. Nach Rücksprache mit Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Martin Stoiber habe er dann mit der Organisation begonnen. Ziel sei es, innerhalb der nächsten vier Wochen eine überparteiliche Demonstration gegen Rechtsextremismus und gegen die AfD auf die Beine zu stellen. Dafür sollten alle Landkreisbürger mobilisiert werden.

„Es ist richtig und wichtig, gegen Rechts auf die Straße zu gehen!“, begrüßte Bürgermeister Martin Stoiber die Initiative und dankte Lommer für die Übernahme der Organisation. Aus dem Stadtrat heraus werde jetzt ein Arbeitskreis mit einem Vertreter aus jeder Fraktion eingerichtet, um mit Lommer das Großereignis durchzuplanen. Mit dabei, so Stoiber, seien Dr. Karl Vetter, Claudia Zimmermann und Walter Dendorfer. Außerdem stößt noch Andreas Geiling dazu.

„Es soll ein gewaltiges Zeichen gegen Rechts werden“, so Stoiber. Die Stadt und der Landkreis wollten klar nach außen tragen, „dass wir nicht zurück wollen zu Schreckenszeiten vergangener Tage mit Gewaltherrschaft und Diktatur.“ Der Arbeitskreis zur Vorbereitung des Großereignisses treffe sich am Montag das erste Mal, kündigte Günther Lommer an. Er betonte, dass alle im Landkreis dabei sein sollten, um ein Zeichen zu setzen und Flagge gegen Rechtsextremismus zu zeigen. So seien etwa alle Chamer Landkreisgemeinde aufgerufen, mitzumachen. Aufgerufen seien außerdem die Feuerwehren, die Sportvereine, das Rote Kreuz und die Wirtschaft des Landkreises, führte Lommer aus. Er denke auch an die Schulen, die Kirchen oder die Landwirtschaft, die aktuell bereits viel Übung im Demonstrieren habe.

„Und ich denke auch, dass alle 24 Stadträte und der Bürgermeister vorweggehen“, so Lommer. 7000 Teilnehmer seien es 2006 gewesen auf dem Marktplatz. „Das sollten wir mindestens wieder erreichen“, legte er die Latte durchaus hoch für die Demonstration. Der Termin sei noch offen, „dafür muss alles passen!“, sagte Lommer. Es werde aber innerhalb der kommenden vier Wochen sein.

Campus statt Nazi-Zentrum

Damals gab es eine direkte Bedrohung durch die NPD, die in Cham ein Schulungszentrum an der Badstraße aufbauen wollte und kurz davor war, eine Immobilie zu kaufen. Mit viel Einsatz gelang es damals, das abzuwenden. Anstelle des Schulungszentrums für Rechtsextreme ist mittlerweile das Gegenteil entstanden – der Chamer Technologie Campus mit vielen Studenten aus aller Welt.