Parken in Bad Kötzting – warum geht das jetzt digital und analog in der Stadt?

Von Stefan Weber · 5. Februar 2024 um 19:00

Bad Kötzting. Seit Beginn des Monats gibt es einen neue Möglichkeit, um für Parkplätze in der Innenstadt zu bezahlen, und zwar per App. Wobei: Das betrifft gerade einmal drei Fläche in der Stadt. Woran liegt das eigentlich?

Wie kompliziert das Thema Parken in Bad Kötzting ist, das weiß man im Rathaus nicht erst seit gestern. Noch im Frühjahr 2020, kurz, bevor mit den ersten Corona-Lockdowns über Monate hinweg gar keine Parkplätze mehr in der Stadt benötigt worden waren, hatte die Stadt gemeinsam mit einem beauftragten Büro die Ergebnisse einer umfassenden Mobilitäts-Studie bekanntgegeben. Dabei ging es auch viel darum, wie der Verkehr überhaupt durch die Stadt geleitet werden solle, aber auch um die Parkplätze.

Kostenlos parken ist selten

Im Ergebnis zeigte sich schon damals, dass die Parkplätze, bei denen bezahlt werden muss, weit weniger ausgelastet sind als die kostenlosen (siehe Info). Mit den geringsten Wechsel stellten die Spezialisten im Parkhaus fest, was auch auf die bauliche Substanz zurückgeführt worden war.

In der Marktstraße und den anliegenden Straßen der direkten Innenstadt ist das Parken seit der Abschaffung von Parkuhren durchweg kostenlos. Die Regelung gilt allerdings nur für eine Stunde und das mit Parkscheibe. Das soll auch so bleiben, versichert Bürgermeister Markus Hofmann und fügt hinzu: „Das gibt es in der Form eigentlich nirgends mehr.“

Bezahlparkplätze, das sei die Regel, die es in Bad Kötzting an drei Stellen gebe, die nahe an der Innenstadt liegen: Konkret sind das die laut Studie weniger ausgelasteten Stellflächen an der Hauserstraße, der Jahn- und der Ludwigstraße – rund um die Spitalplatz gibt es weder Gebühren- noch Parkscheiben-Pflicht. Wo bezahlt werden muss, stehen heute natürlich schon lange keine Parkuhren mehr, sondern Automaten. Kennt auch jeder: Geld in der Höhe der Kosten der gedachten Parkdauer einwerfen, Schein lösen und den auf das Armaturenbrett legen.

Seit Februar geht die Stadt nun gemeinsam mit dem App-Anbieter Parkster einen Weg, den die Kreisstadt Cham oder die Nachbarstadt Viechtach schon lange gegangen sind. Wer sich die App auf das Handy herunterlädt, kann darüber seinen virtuellen „Parkschein“ lösen und schon vor dem Parken einsehen, wie viel das kosten wird. 50 Cent kostet auf allen drei Flächen die erste Stunde, wobei ab der 61. Minute alle zwölf Minuten fünf weitere Cent fällig werden. Die Maximale Höhe der Parkkosten liegt an der Hauser- und an der Jahnstraße bei drei Euro am Tag, am Großparkplatz an der Ludwigstraße am Kurpark bei 2,50 Euro, wie die App anzeigt.

Wer den Standortdienst seines Handys aktiviert hat, dem wird der Parkplatz, auf dem man mit seinem Auto steht, ohnehin angezeigt. Wer den Dienst deaktiviert hat, muss ihn über eine Liste heraussuchen, wobei das im Moment nur in der App, nicht zu Hause über die Internetseite des Anbieters funktioniert. Nicht ganz optimal für jemanden, der die Funktion nutzen wollte, schon im Voraus einen der Parkplätze von zu Hause aus buchen zu wollen. Die App verspricht dafür, dass die Parkdauer – der Einkauf kann ja auch mal länger dauern – jederzeit auch über das Handy verlängert oder auch wieder verkürzt werden kann, da die Bezahlung ohnehin online funktioniert. Ein System, das sich Bürgermeister Markus Hofmann so auch für das neue Parkhaus vorstellen kann, wenn es in rund zwei Jahren einmal fertig ist. „Wir müssen sehen, ob das technisch funktioniert“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir wollen ja keine Schranke, sondern eine Erfassung über Kameras“, erklärt er weiter. Ein System, das für die App allerdings auch schon angeboten werde, wie er weiß.

Mehr kostenlose Parkplätze

Kontrolliert werden könnten die Angaben übrigens auch durch die Mitarbeiter des Zweckverbandes kommunale Verkehrssicherheit, die seit Januar den ruhenden Verkehr in der Stadt überwachen. Sie seien mit dem neuen System verbunden.

Aber auch wenn im Parkhaus künftig so bezahlt werden kann – wobei die Automaten weiterhin betrieben werden müssen – ändere das nichts an der Praxis in der Innenstadt, so Hofmann. Hier werde es bei der Parkscheibe und einer Stunde kostenloser Parkdauer bleiben. Zumindest, wenn nicht überzogen wird: Dass das teuer werden kann, ist in den vergangenen Wochen einigen Autofahrern aufgefallen. Wo früher ein städtischer Angestellter alle Parkplätze überwacht hat, machen sich seit vier Wochen mehrere Mitarbeiter des Zweckverbandes gleichzeitig auf dem Weg durch die Innenstadt. Mehr Knöllchen, das habe auch Parkende auf den Plan gerufen, wie Hofmann sagt, und hatte schon vor einem Monat angekündigt, dass der Stadtrat über mehr Parkplätze in der Innenstadt sprechen werde. An die Verkehrsregeln und die Parkscheiben-Vorgabe müsse sich aber auch auf denen künftig jeder halten.

Die Studie zu den Parkplätzen

Mobilität: Mit dem Thema Parkplätze und Verkehrsführung beschäftigt sich die Stadt schon länger. Im März 2020 gab es dazu sogar eine Bürgerversammlung, in der ein beauftragtes Büro seine Ergebnisse bekanntgegeben hatte.

Fluss: Zuerst sahen sich die Spezialisten an, wie der Verkehr fließt. Die Verteilung sei typisch – vom frühen Morgen über weniger am Tag und ansteigend in den Abendstunden. Knapp 3000 Fahrzeuge führen täglich in der Marktstraße. „Besonders und interessant“, wurde die sogenannte „Haas-Kreuzung“ an Markt- und Bahnhof-, Holzapfel- und Ludwigstraße beschrieben. Die meisten Fahrzeuge (7500 pro Tag) – führen aber an der Kreuzung Ludwigstraße/Herrenstraße.

Parkplätze: Für diese Fahrzeuge gebe es 870 Parkplätze im innerstädtischen Bereich. Hier kam Kritik. „Es ist gut, dass Behindertenparkplätze da sind“, sagt Geograph Dirk Kopperschläger. „Aber sie erfüllen nie die Anforderungen.“ Insgesamt seien alle Parkplätze über den Tag betrachtet nur zu 64 Prozent belegt, doch gebe es Unterschiede: Wo Parken Geld koste, liege die Auslastung immer bei unter 50 Prozent. Das bedeute: In Summe sei die Zahl ausreichend, doch gebe es Plätze, die zu mehr als 100 Prozent belegt würden. „Da wird man dann halt kreativ“, wusste Kopperschläger.

Sonderfall Parkhaus: Am öftesten wechselten die Fahrzeuge auf den kostenfreien Parkplätzen in der Innenstadt (fünf bis sechs Mal pro Tag), weniger in Außenbereichen wie dem Spitalplatz (drei), am wenigsten im Parkhaus (unter zwei Fahrzeuge pro Tag). Es seien zwar nur 13 Prozent der parkenden Fahrzeuge, die bis zu acht Stunden in der Stadt parkten, sie belegten aber einen großen Teil der Flächen der innerstädtischen Stellflächen.

So sind die Parkplätze, auf denen via App bezahlt werden kann in der Stadt, zu finden.