Nach einer Drohung: Vor 100 Jahren ging in Rötz das elektrische Licht an

Von Mittelbayerische Zeitung · 5. Februar 2024 um 05:00

Zu Beginn eines Jahres schaut man gerne einmal, welche Jubiläen heuer anstehen. So eines ist auf der Homepage der Stadt zu finden. Ohne dessen Einführung könnte man sich heute die Stadt gar nicht mehr vorstellen. Auf der Homepage heißt es lapidar: „1924 Einführung einer elektrischen Straßenbeleuchtung“.

Etwas genauer wird das Buch zum 500-Jährigen der Stadterhebung. Es beschreibt, dass die 1874 eingeführten Petroleumlampen 1924 durch elektrische ersetzt wurden. Wesentlich martialischer wird die Beschreibung zur Einführung der Elektrizität um 1919, wie sie das Heimatbuch von 1981 wiedergibt.

Maschinengewehrfeuer für Elektrizität

Da droht man aus dem Stadtrat, weil der Anschluss an das Elektrizitätsnetz offenbar zu schleppend ging, dass „man auch in Rötz Maschinengewehre hätte und sie auffahren lassen würde, sobald es zu einer Auseinandersetzung kommen würde“ (Seite 328, Rötz – Unsere Heimat in Geschichte und Gegenwart) Kurz nach dem ersten Weltkrieg waren solche Argumente in der Politik der Weimarer Republik offenbar noch statthaft – und scheinbar auch wirkungsvoll. Eine Firma Müller aus Nürnberg baute im gleichen Jahr noch die Stromversorgung nach Rötz auf.

Verständnislose Reaktion

Ziemlich verständnislos reagieren die Chronisten von 1981 aber auf die Tatsache, dass der Stadtrat kurz vorher die Stadtmühle verkauft hatte, für die es schon ausgearbeitete Pläne für ein Elektrizitätswerk gab. Andere Städte der Region hätten mit der Stromerzeugung bereits Geld verdient, heißt es in der Chronik.

Doch zurück in die Gegenwart: vermutlich im 100. Jahr der elektrischen Straßenbeleuchtung wird die Stadt Rötz ihr Projekt abschließen, die komplette Straßenbeleuchtung in der Stadt und den Ortsteilen auf LED umzustellen. Noch sind 110 alte Lampen in den Ortsteilen vorhanden.

690 Lampen sind bereits umgerüstet

In der Stadt Rötz selbst wurden die 340 Leuchten im vergangenen Jahr umgerüstet, teilt der städtische Geschäftsleiter Josef Kulzer mit. Laut Haushaltsplan waren dafür unter anderem die Neunburger Straße und das Baugebiet Sturmstraße vorgesehen.

350 Lampen waren schon vorher umgerüstet worden. Der Austausch der Lampen hatte schon zur Zeit des Bürgermeisters Ludwig Reger begonnen und war unter Stefan Spindler fortgeführt worden. Wann die restlichen 110 neuen LED-Lampen kommen, wird mit dem neuen Haushalt im März festgelegt.

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Der Austausch alter Natriumdampf- oder Leuchtstofflampen hat mehrere Vorteile. So sind die LED-Lampen deutlich leistungsstärker, das heißt sie leuchten die Straße besser aus. Zudem, und das ist für die meisten Kommunen der ausschlaggebende Grund, sie sparen Strom in einer Größenordnung zwischen 40 und 75 Prozent. Damit macht sich die Umrüstung bald wieder bezahlt.

Arbeit des Bayernwerks

Um die Lampen selbst kümmert sich in Absprache mit der Stadt das Bayernwerk. Deren Pressestelle teilt mit, dass das Bayernwerk für Inspektion und Wartung im Turnus, Entstörung- und Instandsetzungsarbeiten an Schalteinheiten und Kabelnetz, elektrische Betriebsführung, Wechsel der Leuchtmittel im Turnus, Reinigung von Gläsern und Wannen, Standsicherheitsprüfung, Dokumentation und Planung sowie LED-Material innerhalb der Gewährleistung zuständig ist. Die neuen LED-Leuchten hätten einen Verbrauch zwischen 14 und 59 Watt.