Auch im Landkreis Cham setzen einige Einzelhändler auf die App „To Good To Go“

Genussvoll Gutes tun – so lautet der Slogan des Unternehmens „Too Good To Go“, das es sich 2016 mit seiner gleichnamigen App zur Aufgabe gemacht hat, deutschlandweit noch genießbare Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Auch im Landkreis Cham beteiligen sich inzwischen einige Einzelhändler an der Plattform, die der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt hat.
Über das Portal können die beteiligten Einzelhändler und Gastrobetriebe überzählige Lebensmittel verkaufen und damit ihren Ausschuss verringern. Doch wie gut wird das Konzept angenommen? Und wie einfach ist die Handhabung im Alltag?
Andreas Bortar, Inhaber des Rewe-Supermarktes in Cham, ist von der App angetan. Seit sechs Jahren bietet er auf diesem Weg übriggebliebene Waren zum vergünstigten Preis an. „Eine super Sache“ wie er findet. Immerhin habe ihm das Thema Lebensmittelverschwendung schon länger unter den Nägeln gebrannt. Bei der Suche nach einer Möglichkeit, verderbliche Restbestände an den Mann zu bringen, ist er vor etwa sechs Jahren auf die App gestoßen und war sofort überzeugt.
Bis zu fünf Tüten am Tag
Wie viele Tüten mit welchem Inhalt, bis zu welchem Zeitpunkt angeboten werden, all das kann er selbst über die App täglich festlegen, erklärt Bortar. Dazu habe er in der Anfangszeit von der Firma „To Good To Go“ Hilfestellung erhalten und daraufhin selbst seine Mitarbeiter eingewiesen. Seitdem bereiten diese täglich bis zu fünf Tüten vor, in denen sich nicht nur Obst- und Gemüse, sondern auch Molkereiprodukte befinden. Dass Tüten übrig bleiben, komme zwar hin und wieder vor, sei jedoch die Ausnahme.
Selbiges berichtet Edeka-Kaufmann Stefan Segerer aus Bad Kötzting. Neben dem Vertrieb von überschüssigen Lebensmitteln aus dem Supermarkt nutzt er über die App seit drei Monaten vor allem dazu, um Last-Minute-Abnehmer für die Waren aus seiner Marktbäckerei zu finden. „Gerade die Backwaren sind bei den Nutzern der App sehr beliebt“, berichtet er. Beinahe täglich sind die ersten Tüten, die er über die App anbietet, innerhalb weniger Minuten vergriffen, erzählt er. In den Tüten landen wie bei Andreas Bortar vorrangig Molkereiprodukte.
Mehrheit der Lebensmittel gehen an lokale Hilfsorganisationen
Obwohl beide Supermarktbetreiber die App positiv bewerten, spenden sie die Mehrheit ihrer Lebensmittel nach wie vor an lokale Hilfsorganisationen. Laut Bortar eigne sich die App vorrangig dazu, um schnell verderbliche Lebensmittel zeitnah an den Mann zu bringen. Stattdessen gibt er seit Jahren einen Großteil seiner aussortierten Lebensmittel an die Chamer Tafel. Stefan Segerer spendet den Rest an die Tafel in Bad Kötzting oder überlässt sie Landwirten in der Umgebung, die diese zur Energiegewinnung ihrer Biogasanlagen nutzen. Auch Segerer ist vom Konzept von „Too Good To Go“ überzeugt, wenngleich es manchmal etwas schwierig sei, da die Kunden nicht wissen, welche Produkte sie genau in der Tüte erwarten. Da diese Produkte täglich variieren, bieten die meisten App-Partner sogenannte Überraschungstüten an. Dies gibt den Betrieben die Flexibilität, genau das anzubieten, was übrig bleibt.
Überraschung für Kunden
So könne es etwa schon einmal vorkommen, dass ein Vegetarier an eine Tüte mit Fleischprodukten gerät. „Der Kunde muss sich bewusst sein, dass es eine Überraschung ist“, sagt Segerer. Vegetarier müssten entweder auf Glück setzen, dass sich in ihrer Tüte kein Fleisch befindet, oder das Erworbene an Bekannte weitergeben. Beschwerden habe es deshalb jedenfalls noch nicht gegeben.
Dass sich das Konzept auch an der Tankstelle durchsetzen lässt, beweist Carmen Gregori, Pächterin der Aral-Tankstelle, in Roding. Zum Großteil befüllen sie und ihre Mitarbeiter die Tüten mit übriggebliebenen Backwaren aus dem Bistro. Aber auch Produkte aus dem normalen Tankstellensortiment finden auf diesem Weg Abnehmer. „Das können Chips, Schokoriegel oder auch Getränke sein“, erklärt Gregori, die seit vergangenem Sommer Partner von „To good to go“ ist.
208 Tüten wurden schon verkauft
Darauf aufmerksam gemacht wurde sie von ihrem Franchise-Partner Aral. Seitdem hat sie 208 Tüten zum Preis von jeweils 3,50 Euro verkauft. Großen Aufwand bedeute die Partnerschaft mit „Too good to go“ nicht, betont sie. Der Großteil des Verkaufsvorgangs laufe über die App. Da die Kunden ihre Ware bereits online bezahlen, falle auch eine Abrechnung über die Kasse im Laden für sie weg. Ebenso können die Kunden ihre gekauften Tüten vor der Abholung stornieren. Diese werden dann automatisch an den nächsten vergeben. „Also eigentlich ein Selbstläufer“, sagt Gregori. Festhalten an diesem Konzept möchte sie auch weiterhin. „Dadurch spart sich der Kunde einiges “, ist sie überzeugt. Immerhin haben die Waren pro Tüte einen Wert um die zehn Euro.
Hintergrund zur App „Too Good To Go“
Entstehung: Seit 2016 geht das Unternehmen „Too Good To Go“ gegen Lebensmittelverschwendung vor.
Grundgedanke: Über die App „Too Good To Go“ bieten Supermärkte, Bäckereien oder Restaurants übrig gebliebene Waren kurz vor Feierabend an. So vermeiden oder vermindern sie zumindest ihren Wegwurf.
Funktionsweise: Die Partnerläden stellen dabei Lebensmittel in einer Tüte zu einem vergünstigten Preis zusammen, die wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums in Kürze oder bereits seit Kurzem nicht mehr angeboten werden können, jedoch noch zum Verzehr geeignet sind. Benutzer der App können sehen, welche Betriebe in ihrer Umgebung zur Zeit Überraschungstüten anbieten, ihre Daten eingeben und direkt über die App bezahlen. Während der festgelegten Abholzeit gehen die Nutzer persönlich in den Betrieb, zeigen ihre Reservierung in der App und holen sich die Lebensmittel ab.
Rentabilität: Der zusätzliche Aufwand ist laut dem Anbieter nicht höher, als wenn die Einzelhändler die Lebensmittel wegwerfen würden. „Too Good To Go“ berechnet eine Provision von 1,19 Euro pro verkaufter Überraschungstüte. Hinzu kommt eine administrative Jahresgebühr in Höhe von 39 Euro. Diese fällt jedoch erst nach drei Monaten an und wird mit den erzielten Umsätzen verrechnet. Das eingenommene Geld wird quartalsweise dem Einzelhändler oder Gastronom überwiesen.


