Auch Männer steigen ein: Profis in Hauswirtschaft dringend gesucht

Von Heinz Klein · 6. Februar 2024 um 10:00

Die Gesellschaft wird älter, der Bedarf größer: Experten in Sachen Küche, Haushalt, Organisation und Betreuung sind gefragt. Am 4. März startet ein neuer Kurs der Regensburger Hauswirtschaftsschule. Und es sind noch Plätze frei.

Wer will Hauswirtschafterin werden? Klingt irgendwie altbacken, wie von gestern, werden manche sagen. Aber von wegen: Profis in Haushalt, Küche, Organisation und der Betreuung von Menschen werden dringend gesucht – und mit fortschreitender Überalterung unserer Gesellschaft immer mehr, sagt Juliane Sichlstiel, die Semesterleiterin der Regensburger Hauswirtschaftsschule.

Sie erzählt, dass sich inzwischen auch Männer in dieses moderne Berufsfeld wagen. Stefan Hämmerl ist einer davon. Der 42-jährige Elektroniker arbeitet in einer IT-Abteilung der Telekom und hat die Prüfung zur staatlich geprüften Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung vor zwei Jahren abgelegt. Weil seine vierköpfige Familie in eine familiäre Ausnahmesituation geraten war, musste der IT-Spezialist zuhause anpacken. Wenn schon, dann richtig, sagte er sich und lernte den Job von der Pike auf.

Ein mündiger Verbraucher

„Das bedeutet unter anderem, dass du lernst, wie du binnen einer Stunde für eine Familie drei Gerichte auf den Punkt auf den Tisch bringst“, erzählt der Hauswirtschafter. Man lernt Arbeitsgänge zu optimieren, Energie und Zeit zu sparen, sein Einkaufsverhalten zu ändern, Lagerhaltung zu perfektionieren und ein mündiger Verbraucher zu werden, der kostengünstig, nachhaltig und gesund einkauft und nicht mehr jedem Werbespruch auf den Leim geht. Stefan Hämmerl kann gut kochen, Textilien nähen und Wäsche waschen, Räume gestalten und Wohnungen reinigen, Bedürfnisse erkennen und Menschen betreuen, wirtschaftlich planen und Zeit gewinnen.

Ebenso wie Martina Fischer. Die 56-Jährige kam von Cham nach Regensburg, als sie der Beruf als Elektronikerin nicht mehr ausfüllt, holte hier das Abitur nach, begann ein Studium und verdiente ihren Lebensunterhalt in einer Putzfirma. Das Archäologie-Studium tauschte sie schließlich gegen ein Teilzeitstudium der Hauswirtschaftslehre und arbeitet nun als staatlich geprüfte Hauswirtschafterin in einer Seniorentagesstätte. Putzen gehört da zum Job, aber auch Kochen und Backen. Einkauf und Lagerverwaltung werden nun das Tätigkeitsfeld erweitern, ebenso wie die Arbeit in der betriebseigenen Gärtnerei. Ob man diese Ausbildung empfehlen kann, fragen wir die beiden Absolventen: „Wärmstens“, strahlen sie: „Man lernt so viel!“

40 Euro Stundenlohn

Hauswirtschafter arbeiten in Senioreneinrichtungen und Kindertagesstätten, in Jugendämtern und Familienstützpunkten, wo sie in überlastete Familien Struktur und Planung bringen und Familien coachen. Sie gehen in Schulen, um Alltagskompetenz und Ordnung zu vermitteln und helfen aus, wenn Mütter oder Väter wegen Krankheit ausfallen. Sie kommen aber auch gegen Bezahlung in private Haushalte, wenn dies gewünscht wird. Freilich nicht um den Mindestlohn einer schwarz arbeitenden Putzfrau. Um die 40 Euro Stundenlohn sind für so einen Haushaltsprofi üblich. „Natürlich sind wir teurer, aber auch schneller, strukturierter, effizienter – und dabei geht nichts kaputt“, lächelt Stefan Hämmerl selbstbewusst.

Kompetentes Auftreten und überzeugendes Kommunizieren gehören übrigens auch zu den Ausbildungsinhalten. Was auch noch dazu gehört, erzählt Juliane Sichlstiel. Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen ist an der Hauswirtschaftsschule gang und gäbe. „Da entstehen oft Freundschaften fürs Leben“, weiß die Semesterleiterin.

Vier Plätze sind noch frei

Und weil das Beste immer zum Schluss kommt, sagt es Juliane Sichlstiel auch erst zum Schluss: Es sind noch vier Plätze frei. Los geht es am 4. März. Wer Interesse hat: Telefon 0941/20831130. Voraussetzung für den Besuch der über 21 Monate laufenden Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung ist ein Berufsschulabschluss. Die Ausbildung über 630 Unterrichtsstunden (ein Semester) verteilt sich über einen Zeitraum von 21 Monaten.

Die Schule findet zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Haushalt und Berufstätigkeit an zwei Tagen in der Woche (Montag und Mittwoch) jeweils von 8.30 bis 12 Uhr in den Räumen am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der Lechstraße 50 statt. Die Schule ist kostenfrei. Lediglich Kosten für Materialien, Lehrfahrten und Verpflegung müssen selbst getragen werden. Träger ist der Landkreis.

Der professionelle Umgang mit der Nähmaschine gehört mit zur Ausbildung. Martina Fischer hat das Nähen drauf.
Blick in die Lehrküche: Juliane Sichlstiel (links) mit Armin Hofbauer, Pressesprecher des AELF, und den beiden Absolventen