KI soll an die Kandare: Regensburger Professor warnt, CSU-Weber findet`s gut

Von Christian Eckl · 3. Februar 2024 um 11:00

Die EU ratifizierte am Freitag den sogenannten AI Act, der Künstlche Intelligenz wie ChatGPT regulieren soll. Ein Regensburger KI-Professor warnt vor den Einschränkungen. Der CSU-Politiker und EVP-Fraktionsvorsitzende im Europaparlament, Manfred Weber, findet die Regulierung indes wichtig und notwendig.

Die Europäische Union hat am Freitag den Weg freigemacht, um mit dem AI Act erstmals Künstliche Intelligenz in Europa zu regulieren. Im Laufe dieser Woche wurde bekannt, dass Deutschland seine Widerstände gegen die Regulierung aufgeben werde. Am Freitag stimmte der sogenannte Ausschuss der Ständigen Vertreter als vorbereitendes Gremium des Rates der EU dem „Gesetz über künstliche Intelligenz“ zu.

Weber: Brauchen Regelung

Der Europaabgeordnete und Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber aus Wildenberg (Landkreis Kelheim) begrüßte die Einigung. „Es braucht eine Regulierung der KI“, sagte Weber zur Mediengruppe Bayern. Die EU arbeite an einem Rahmen, der laut Weber „auf die ganze Welt ausstrahlen wird. Deshalb braucht es große Sorgfalt“. Die EU müsse Innovationen möglich machen, ohne blind gegenüber Problemen der Technik zu sein. Weber weiter: „Sorgen gegenüber KI sind berechtigt, aber wir wollen innovativen Unternehmen in Europa auch eine Heimat geben.“

Die EVP-Fraktion werde kommende Woche die Details der Regulierung abwägen und dann ihr Abstimmungsverhalten festlegen.

Völlig anders als Weber sieht das der aus Lappersdorf (Landkreis Regensburg) stammende KI-Professor Patrick Glauner. „Der AI Act ist von Angst und Unverständnis getrieben“, sagt Glauner der Mediengruppe Bayern. „Er resultiert aus den völlig unrealistischen Science-Fiction-Szenarien, die Politiker im Kopf haben.“ Glauner lehrt an der TH Deggendorf und beriet als Sachverständiger bereits die Parlamente in Deutschland, Frankreich und Luxemburg zum Thema KI. „In den USA versteht man unter dem Begriff Regulierung, auch Förderungen, die mit der Executive Order der US-Regierung zum Thema KI auch in den Blick genommen wurden.“ In Europa verstehe man unter der Regulierung laut Glauner vorwiegend „Verbote und Auflagen“. Der Wissenschaftler, der am Imperial College London studiert hat und bei der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) sowie der Krones AG tätig war, sagt sogar: „Ich bin der Meinung, dass wir den AI Act gar nicht brauchen“. An die KI würden derzeit andere Standards angesetzt als jene, „die wir bei Menschen anwenden“. Sein Plädoyer daher: „Die gleichen Standards für menschliches Verhalten wir für Künstliche Intelligenz“. Dass sogar der Gründer von Open AI, Sam Altmann, eine Regulierung der KI anmahnte, ficht seine Ablehnung des AI Acts nicht an: „Es gibt jede Menge Standards wie etwa in der Luftfahrt oder beim Autonomen Fahren. Der AI Act aber stellt absolut realitätsferne Anforderungen auf, die am Tag seines Wirksamwerdens ohnehin schon veraltet sind.“

„Lücke zu USA und China“

Für Glauner sei entscheidend, dass sich keine zu große Lücke zwischen Europa und den Konkurrenten USA und China auftue. „KI ist keine Spielerei von Informatikern, wenn wir da abgehängt werden, dann haben Branchen wie der Maschinenbau und die Chemie, in denen wir derzeit noch führend sind, in Zukunft große Probleme.“

Am Freitag brachte der Technologiekonzern Apple seine Computerbrille Vision Pro auf den US-Markt. Der Konzern hofft auf einen neuen iPhone-Effekt – und setzt dabei auch auf App-Entwickler, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Digitalisierung in die echte Welt holensoll.