BürgerEnergie realisiert ihr erstes großes Projekt in der Gemeinde Grafenwiesen

Fast wäre die Präsentation mit dem ersten Gründungstag der genossenschaftlich organisierten BürgerEnergie Bayerwald (BEB) am 9. Februar vergangenen Jahres zusammengefallen, als Bürgermeisterin Sabine Steinlechner am Freitag zum Pressetermin an die gemeinsam mit der Gemeinde Rimbach betriebenen Kläranalage geladen hatte. Grund: Die Gemeinde investiert selbst in eine Photovoltaik-Anlage, und das in die erste, die die BEB überhaupt in Betrieb nehmen wird.
Für die Gemeinde ist es ein großer Tag, weil mit der Anlage, die bis zu 50 kWp liefern kann, bis zu einem Drittel des gesamten Stromverbrauches der Kläranlage im Jahr gedeckt werden kann – eine Investition in Nachhaltigkeit und langfristiger Kostenersparnis, die sich die Kommune aufgrund klammer Kassen nie hätte selbst leisten können, wie Steinlechner betont.
Das erste Projekt
Für die BEB ist es ein großer Tag, weil die Anlage, die bereits im April in Betrieb genommen werden soll, das erste tatsächliche Projekt seit der Gründung vor einem Jahr ist – da kann auch Georg Birner, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, seine Freude ebenso wenig verhehlen wie die übrigen Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstandschaft, die ebenfalls mit nach Grafenwiesen gekommen waren. „Wir sind im Moment 60 Mitglieder, und das, ohne eine Projekt vorweisen zu können“, sagt Birner an diesem Tag, der auch mit Blick auf andere Aspekte sehr wichtig für die BürgerEnergie sei. So seien in den vergangenen nur rund sechs Monaten auch viele Erfahrungen in Bezug auf Verhandlungen und Verträge gemacht worden, die der Genossenschaft auch in Zukunft zugute kämen.
Neue Vorhaben stünden auch schon an, erklärt Jürgen Schindlatz, der bei der BEB für die Planung mit verantwortlich zeichnet. Das nächste, wirklich große Projekt könnte seiner Angabe nach eine Freiflächen-Anlage bei Neukirchen b. Heiligen Blut werden, erklärt er. Diese Anlage könnte dann bis zu 2,7 MWp bringen und würde nicht wie die Anlage in Grafenwiesen etwa 50 000 Euro, sondern im Millionen-Bereich kosten.
Auch für den Gemeinderat seien es die Kosten gewesen, die den Ausschlag für diese Investition gegeben hätten, erklärt Steinlechner. Nicht nur, dass sich die Gemeinden Grafenwiesen und Rimbach gut 30 Prozent der Stromkosten beim Betrieb der Kläranlage sparten – wobei die den größten Stromverbrauch der gemeindlichen Einrichtungen aufweise. Nach 20 Jahren, in denen die Gemeinde eine dreistellige monatliche Miete an die BEB zahle, könne sie die Anlage komplett übernehmen, wobei das technische Risiko bis dahin die Genossenschaft trage. In Summe sei die Miete zwar etwas teurer als die Kosten, die die BEB für den Bau aufbringen müsse – das sei letztlich auch der Gewinn für die Genossenschaft – doch hätte sich die Gemeinde die Investition anders eben nicht leisten können. „Schon gar nicht, weil wir sie hätten ausschreiben müssen“, sagt Steinlechner. Dadurch wären ihrer Berechnung nach mehr als das Doppelte an Kosten auf einmal auf die Gemeinde zugekommen.
Auftrag vor Ort vergeben
Dass es darüber hinaus auch noch das vor Ort ansässige Elektro-Unternehmen von Matthias Weber gewesen sei, das den Zuschlag für den Auftrag bekommen habe, freue sie umso mehr. Mit dem ersten bald abgeschlossenen Projekt freuen sich Georg Birner und die weiteren Mitglieder der Genossenschaft vor allem auf eines: noch mehr Mitglieder. Wie er erklärt, sei ein Anteil an der BürgerEnergie Bayerwald für 1000 Euro zu haben, wobei niemand mehr als 100 Anteile erwerben könne – wobei das Gewicht der Stimmen in der Genossenschaft für den Einzelnen gleich bleibe, egal, ob eine oder 100 Anteile gehalten würden.
Bürgermeisterin und Genossenschaft betonen aber auch an diesem Tag, dass der finanzielle Aspekt natürlich das eine sei, es aber auch um den Ausbau erneuerbarer Energien gehe, der ihrer Meinung nach zu lange nicht angegangen worden sei. „Wir suchen noch nach weiteren Flächen, die für Photovoltaik-Anlagen geeignet sind in der Gemeinde“, versichert Bürgermeisterin Sabine Steinlechner.
