Infoveranstaltung der BürgerEnergie Bayerwald in Cham: Interesse war groß

„Gebt uns euer Vertrauen, wir geben unser Bestes!“ Dieser Appell des Vorstandsmitglieds Jürgen Schindlatz an die etwa 80 erschienenen Mitglieder und Interessierten im Kolpinghaus am Donnerstagabend konnte als Resümee einer Informationsveranstaltung der BürgerEnergie Bayerwald e.G.gezogen werden.
Vorstandsvorsitzender Georg Birner berichtete in einem Intro, dass die Genossenschaft seit ihrer Gründung am 9. Februar dieses Jahres nicht untätig geblieben sei: viele interne Sitzungen, Vorbereitung der Unterlagen für den Genossenschaftsverband, Notartermine sowie Besuche zum Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen wie „Neue Energie West“ in Grafenwöhr vor Monaten und „EGIS“ in Neuötting nächste Woche.
Eigentümer ansprechen
Er bat die Mitglieder darum, Partner wie die Eigentümer von Grundstücken und Dächern für PV-Anlagen anzusprechen. Bei Firmen könnten Parkgelände für Stellplätze oder Wandflächen von Hallen genutzt werden. Freuen würde man sich auch, wenn Kommunen, deren Bürgermeister einen Sitz im Aufsichtsrat bekäme, Mitglied würden.
Hubert Sperl aus Neukirchen beim Hl. Blut, Pädagoge an der Fachschule für Umweltschutztechnik und regenerative Energien Waldmünchen, hielt dann einen prägnanten Fachvortrag über „Post-Erneuerbare-Energien-Anlagen“. Für sie läuft die 20-jährige finanzielle Vergütung aus, doch Regelungen wie Netzzugang und Anspruch auf Abnahme des erzeugten Stroms bleiben bestehen (bei Deckelung auf 10 Ct/kWh). Man könnte die Ü20-Anlage durch eine neue ersetzen, um wieder EEG-Förderung in Anspruch nehmen zu können, oder die alte weiter betreiben.
Dann sollte die Instandhaltung überprüft werden wie die sichere Befestigung des PV-Generators (Modul), ein Check der Verkabelung und der Leistung des Wechselrichters, die Reinigung der Anlage und eine eventuelle thermografische Untersuchung per Wärmebildkamera. Den Anlagenbetreibern stellte Sperl mehrere Varianten bei einer installierten Leistung bis 100 kW vor: eine Volleinspeisung oder eine Eigenversorgung mit Abnahme durch den Anschlussnetzbetreiber, die Einspeisung mittels intelligentem Mess-Systems oder die Volleinspeisung mit Abnahme durch einen Direktvermarkter. Wenn nach 20 Jahren bei einer Anlage, die dann schon abbezahlt sei, noch 70 Prozent Leistung erbracht werden, würde er es so belassen. Bei installierter Leistung von mehr als 100 kW müssen alle Anlagen in die sonstige Direktvermarktung wechseln. Am Beispiel einer Waschmaschine oder eines Geschirrspülers erläuterte Sperl noch die „3-E-Regel“: Energie einsparen (Gerät immer voll befüllen), Effizienz steigern (Temperatur senken) und den Rest mit Erneuerbaren abdecken.
Maschinenbauingenieur Schindlatz erklärte in seinem Bericht zum aktuellen Stand der Projekte, dass man sich in der Planung von PV-Anlagen befinde, und nannte drei Tätigkeitsfelder. Bei der Planungsdienstleistung nutze man das Simulationstool „PV*SOL“ und er stellte es am Beispiel einer PV-Dachanlage einer Fabrik in Tiefenbach vor. Bei der Freiflächen-PV mit einer Vorplanung von 17 MWp (Megawatt Peak) elektrischer Leistung nutze man verschiedene Anlagentypen. Anträge zum Bau lägen derzeit bei Kommunen zur Entscheidung vor: das Solarfeld Naturlehrpfad Neukirchen beim Hl. Blut (3,2 MWp bei 4,8 ha), das Solarfeld Krottenhof (3 MWp bei 2,6 und 2 ha) und das Solarfeld Hundzell (800 kWp bei 1 ha). In der Planungsphase befände sich eine zweiteilige Dach-PV-Anlage (37 kWp) auf der Kläranlage in Grafenwiesen.
Ab wann gibt es Dividende?
Bei Fragen aus dem Publikum ging es darum, dass noch kein Projekt verwirklicht sei (dauert bis zu zwei Jahren) und um den Zeitpunkt möglicher Dividende. Gefragt wurde auch nach dem Unterschied zur analogen Genossenschaft „Energielandkreis Cham“, die 2010 gegründet wurde. Sie hat eine Freiflächenanlage bei Furth im Wald und Dachanlagen auf kommunalen Gebäuden. nimmt aber seit Jahren keine neuen Mitglieder auf. Vorstandsmitglied Gerhard Ascherl ergänzte: „Wir sind in der Gründungsphase und wollen es probieren.“ Derzeit sei eine Fremdfinanzierung schwierig, weshalb viel Eigenkapital notwendig sei, um leichter kalkulieren zu können. Man sei breit aufgestellt mit erfahrenen Technikern und Wirtschaftsleuten.