Cyber-Angriff auf Behörden im Landkreis Kelheim: Was dahinter stecken könnte

Die mutmaßliche Cyber-Attacke auf das Behördennetz im Landkreis Kelheim schränkt den Bürgerservice am Landratsamt weiterhin ein. Die IT-Systeme der Kommunen laufen dagegen wieder. Die Frage, wer hinter dem Angriff stehen könnte, ruft auch die Zentralstelle für Cybercrime in Bayern auf den Plan.
Telefon, E-Mails, Kfz-Zulassungen, Online-Anträge, Aufenthaltstitel für Ausländer, Überweisungen der Kreiskasse – all diese Dienste fallen am Landratsamt nach wie vor aus. „Bis Montagnachmittag gehen wir von diesen Einschränkungen aus“, sagt stellvertretende Pressesprecherin Sonja Endl.
Seit Mittwoch, 31. Januar 2024, waren in der Kreisbehörde sowie in den Rathäusern des Landkreises Probleme mit der IT-Infrastruktur aufgetreten. Landratsamt und Kommunen sind über ein Behördennetzwerk zusammen geschaltet. „Schulen waren nicht betroffen“, so Endl. Recherchen der Mediengruppe Bayern hatten aber auch hier eingeschränkte Erreichbarkeit aufgezeigt.
Abklopfen möglicher Schadstellen
Das Landratsamt kappte am Donnerstag aus Sicherheitsgründen seine Internetverbindung, um die Strukturen auf Schäden zu untersuchen. Wiesen einzelne „Sektoren“ (Endl) keine Fehlerstellen auf, wurden sie wieder frei geschaltet, weshalb die Kommunen wieder am Netz sind. Ob es tatsächlich ein Hacker-Angriff war, ist nicht endgültig verifiziert. Von „Anzeichen in diese Richtung“ sprechen die IT-Experten im Landratsamt.
Die Zentralstelle für Internet-Kriminalität in Bayern ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg eingerichtet. „Vom Kelheimer Fall hatten wir noch keine Kenntnis. Wir werden uns das aber anschauen“, sagte Leitender Oberstaatsanwalt Thomas Goger, der durch die Mediengruppe Bayern davon erfuhr.
Zwei Einfallstore für Hacker – die auch Lösegeld erpressen
„Ohne konkreten Bezug zu Kelheim“ nennt Goger zwei mögliche Einfallstore für Hacker: das Versenden von Phishing-Mails, mit deren Anklicken eine Schadstoffsoftware aktiviert wird, und das Eindringen über Sicherheitslücken. Ein Angriff auf Behörden sei „nicht unüblich“, so der Oberstaatsanwalt, der eine aktuelle Attacke auf die Bezirkskliniken Mittelfranken erwähnt – wo Cyberkriminelle für die Wiederherstellung der IT-Systeme ein Lösegeld erpressen wollten.
Bei möglichen Tätern gebe es „eine ganz große Bandbreite“ – von der organisierten Kriminalität von Gruppierungen bis zu Einzelpersonen. Ein irrtümlicher Eingriff sei unwahrscheinlich. „Versehentlich passiert so etwas nicht“, so Goger.
Cybercrime: Fast 16.000 Fälle in Bayern
Das „Lagebild Cybercrime“ vom Landeskriminalamt hat für 2022 insgesamt 15.889 Fälle von Internet-Kriminalität in Bayern erfasst. Sie reichen vom Ausspähen von Zahlungskarten-Daten über Computersabotage bis zum Warenkreditbetrug beim Online-Shopping. Immer höher wird der verursachte Schaden: In 2022 lag er bei 18,21 Millionen Euro. Die Aufklärungsquote beträgt für das genannte Jahr 31,9 Prozent.
Das Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (LSI), angesiedelt im Bayerischen Finanzministerium, hat Kenntnis vom Vorfall am Landratsamt. Man unterstütze die Behörde, „um die Auswirkungen möglichst gering zu halten“, so die LSI-Pressestelle. „Aufbau und Betrieb der kommunalen Behördennetze obliegt unmittelbar den jeweiligen Landratsämtern.“ Dort liege auch die Letztverantwortung für die IT-Sicherheit.