„Nein zu Rassismus, Ja zu Vielfalt“: Ostbayerische Unternehmen lehnen Rechtsradikalismus ab

Von Bernhard Fleischmann · 4. Februar 2024 um 19:00

Lange Zeit haben die Vertreter der Unternehmen geschwiegen. Doch nun mehren sich die Stimmen von Managern und Unternehmern, die sich gegen Rechtsextremismus und – meist indirekt – die AfD wenden. Krones, Continental, Vitesco, Siemens, MR, BMW und Infineon sehen den zunehmenden Rassismus und Nationalismus mit Sorge.

Führende Ökonomen rufen dieser Tage dazu auf, sich öffentlich stärker zu positionieren. „Die Vorstände in den Unternehmen müssen jetzt Farbe bekennen gegen rechts und ihren Beschäftigten vor Augen halten: Eure Jobs sind in Gefahr, wenn die AfD sich durchsetzt. In einigen Unternehmen herrscht leider die Attitüde, die Politik müsste das alleine richten. Das ist falsch, das müssen wir alle gemeinsam“, appellierte etwa der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher.

Einen Kommentar zum Thema finden Sie hier.

Die Mediengruppe Bayern hat bei stark international orientierten Unternehmen in Ostbayern nachgefragt, wie sie die zunehmende Ablehnung von Menschen nichtdeutscher Herkunft und den Rechtsruck in der Gesellschaft blicken. Zudem wollten wir wissen, ob sie darin auch eine zunehmende Gefahr für ihr Geschäft sehen.

Sie betonen durchweg ihre Vielfalt. Und wie wichtig Toleranz und Freiheit sind und erwartet werden. Vor einer direkten Ansage in Richtung AfD schrecken die Unternehmen aber zurück. Auch bei Aussagen zu den Auswirkungen aufs Geschäft bleiben sie reserviert.

Vielfalt macht attraktiv

• Vitesco: Eine Sprecherin des Automobilzulieferers betont, man fördere ein Umfeld, „in dem sich Menschen willkommen, gehört und respektiert fühlen, wo sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten geschätzt werden“. Entsprechend repräsentierten die Mitarbeitenden unterschiedlichste Hintergründe, Kulturen und Perspektiven. „Und genau diese Vielfalt ist es auch, die unser Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv macht und uns in die Lage versetzt, ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen und die Herausforderungen der globalen Mobilität zu bewältigen.“

• BMW Regensburg: Vielfalt sei das Fundament für den Erfolg der BMW Group, erklärt eine Sprecherin in Regensburg. Allein im Werk Regensburg seien Menschen aus 53 Nationen tätig. Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit unterschiedlichen Überzeugungen und Weltanschauungen arbeiteten nicht nur hier in der Oberpfalz, sondern rund um den Globus in Teams zusammen. Werte wie Freiheit, Respekt und Toleranz seien aus Sicht von BMW Eckpfeiler des Zusammenlebens.

Nationalisierung schadet

• Maschinenfabrik Reinhausen: MR-Geschäftsführer Nicolas Maier-Scheubeck übt eine Art Rundum-Kritik: Als Land ohne nennenswerte Rohstoffe seien grenzüberschreitender Warenverkehr sowie Offenheit für andere Gesellschaftssysteme wesentliche Quelle unseres Wohlstands. Leider gelinge der EU seit Jahren kein Abschluss interkontinentaler Handelsabkommen mehr. Dafür urteilten immer mehr Politiker aus einer „pseudo-moralischen Perspektive“.

Etwa zwei Drittel der Regensburger MR-Produktion gehe in Länder außerhalb der EU. Die Mitarbeiter und deren Familien lebten von technischem Fortschritt und grenzüberschreitenden Beziehungen. Deren Arbeitsalltag sei von Weltoffenheit geprägt, auch dank einer zunehmend internationalen Belegschaft und vieler freundschaftlicher Kontakte zu Mitarbeitern von Kunden und Lieferanten in aller Herren Länder. „Jegliche Nationalisierungstendenz ist gegen unsere Interessen gerichtet“, so Maier-Scheubeck. Die zunehmenden geopolitischen Verwerfungen gefährden bereits das Exportgeschäft; entsprechendes gelte für das rückläufige Angebot qualifizierter Arbeitskräfte.

Die MR sei derzeit an 54 Standorten in 27 Ländern aktiv. Von den weltweit bald 4000 Mitarbeitern arbeiten 2200 in Regensburg, bald 1000 Mitarbeiter außerhalb Europas (mit stark steigender Tendenz).

• Siemens: Sprecher Bernhard Lott sagt, Siemens stehe für Toleranz, Offenheit und Respekt und befürworte Vielfalt in all ihren Formen. „Wir setzen uns entschieden für die Rechte jedes Einzelnen ein. Grundsätzlich lehnen wir jede Form von Extremismus und Diskriminierung aufs Schärfste ab. Rechtspopulismus ist nicht nur demokratie-, sondern auch innovations- und fortschrittsfeindlich.“ Der Wirtschaftsstandort Deutschland stehe vor großen Herausforderungen. „Einfache Antworten gibt es nicht. Der Standort Deutschland wird nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn Innovationsgeist und Weltoffenheit unser gesellschaftliches Leitbild prägen.“

„Nein zu Rassismus, ja zu Vielfalt“

• Continental: Vorstandsvorsitzender Nikolai Setzer hat sich so geäußert: „Unsere eigene Vergangenheit hat uns gezeigt, wie schnell sich menschenverachtendes Gedankengut verbreiten kann. Deswegen: keine Chance für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung!“ Ariane Reinhart, Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit, fügt hinzu: „Nein zu Rassismus, Ja zu Vielfalt.“ Bei Continental arbeiteten Menschen aus rund 150 Nationen weltweit. Aus ihrem Know-how, ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen schaffe man zusammen den größten Wert. Für das Unternehmen, aber auch für eine weltoffene Gesellschaft, in der Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung keinen Platz haben.

• Infineon: Vorstandschef Jochen Hanebeck sagt, er halte eine auf Abschottung zielende Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik für alle für schädlich und wohlstandsgefährdend. Man könne gerne diskutieren über Chancen, Risiken, Hoffnungen und Ängste, aber immer offen und mit Respekt und demokratisch. Nicht verhandelbar seien jedoch die Grundwerte unseres friedlichen Zusammenlebens. Hass und Ausgrenzung dürften in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Die Idee der sogenannten Remigration sei menschenverachtend. „Allen Kolleginnen und Kollegen bei Infineon Technologies – und jenen, die es werden möchten – will ich sagen: Mich interessiert nicht, woher du kommst. Mich interessiert, was du bewegen willst.“

„Wir spüren noch nichts“

Auch Jörg Recklies, Sprecher der Betriebsleitung Infineon Regensburg, positioniert sich eindeutig gegen Rechtsaußen. Das Unternehmen stehe für Diversität und Offenheit. Infineon wie auch Deutschland profitierten von Weltoffenheit und Vielfalt. „Wir unterstützen alle Bemühungen der Politik, diese universellen Werte zu verteidigen. Wir lehnen alle Positionen ab, die diesen beschriebenen Werten widersprechen. Wo es Tendenzen zunehmender gesellschaftlicher Spaltung gibt, erfüllt uns das grundsätzlich mit Sorge.“

• Krones: Noch sei kein Einfluss spürbar. „Wir nehmen aktuell keine negativen Einflüsse auf unser Geschäft wahr“, teilte eine Sprecherin mit. Krones sei ein international agierendes Unternehmen. Mitarbeitende aus unterschiedlichen Nationen seien weltweit in 70 Ländern mit Niederlassungen präsent. „Gegenseitige Wertschätzung und Respekt im täglichen Umgang miteinander – unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität und Religion – gehören zu unseren Werten und sind bei Krones fest verankert.“

MR-Geschäftsführer Nicolas Maier-Scheubeck